Archiv des Autors: Indonesien Lesen - Indonesische Autoren im Blickpunkt

Über Indonesien Lesen - Indonesische Autoren im Blickpunkt

Indonesische Autoren, ihre Übersetzer und deren Werke stehen im Mittelpunkt dieses Blogs.

Okky Madasari

Okky Puspa Madasari, besser bekannt als Okky Madasari, wurde 1984 in Magetan in Ost-Java geboren. Sie absolvierte 2005 ihren Bachelor in Politikwissenschaft an der Gadjah Mada Universität in Yogyakarta, Zentral-Java, und arbeitet seither als Journalistin und Schriftstellerin. 2014 erhielt sie in Jakarta ihren Mastertitel in Soziologie von der University of Indonesia, Jakarta, wo sie über das Thema Genealogi Sastra Indonesia: Kapitalisme, Islam dan Sastra Perlawanan („Die Genealogie indonesischer Literatur: Kapitalismus, Islam und Kritische Literatur“) geschrieben hatte. Ihre Masterarbeit wurde veröffentlicht und kann auf ihrer Webseite kostenfrei heruntergeladen werden. Zurzeit (Anfang 2021) schreibt Okky Madasari als Stipendiatin der National University of Singapore an ihrer Promotion zum Thema Kulturzensur.

Zwischen 2010 und 2019 publizierte Okky Madasari fünf Romane, eine Sammlung von Kurzgeschichten, drei Kinderbücher und ein nicht-fiktionales Buch. Im Mittelpunkt ihrer Romane stehen die Opfer von Ungerechtigkeiten, Korruption und Diskriminierung. Sie erzählt Geschichten vom Widerstand gegen Unterdrückung und vom Kampf um Freiheit und Menschlichkeit. Dabei erschafft sie scharf gezeichnete, realistische Portraits der modernen indonesischen Gesellschaft. Drei Jahre in Folge wurden ihre Werke für den bedeutendsten Literaturpreis Indonesiens, den Khatulistiwa Literary Award, nominiert. Für ihren dritten Roman, Maryam, wurde sie 2012 im Alter von nur 28 Jahren mit diesem begehrten Preis ausgezeichnet. Damit ist sie die bisher jüngste Empfängerin des Khatulistiwa-Preises überhaupt.

2015 gehörte Okky Madasari zu denjenigen indonesischen Schriftsteller*innen, die das Ehrengastland Indonesien auf der Frankfurter Buchmesse vertraten. Zwei Jahre später wurde sie von der US-Regierung ausgewählt, als Teilnehmerin des internationalen Schreibprogramms der Universität von Iowa Indonesien zu vertreten. Im selben Jahr trat sie in Deutschland als Gastrednerin beim Berliner Literaturfestival auf. 2017 wurde Okky von Indonesiens größtem Nachrichtenportal Detik.com in die Liste der Kartini Masa Kini („Kartini unserer Zeit“) aufgenommen, die Frauen aufführt, die sich durch bedeutende Leistungen ausgezeichnet haben. 2019 nominierte man sie für ihren Beitrag zur Förderung der Kultur in der Region Südostasien für den Women of the Future Award. Okky Madasari ist Mitbegründerin des ASEAN Literary Festivals, das bis 2017 alljährlich Schriftsteller*innen, Verleger*innen und Publizist*innen aus der gesamten ASEAN-Region und außerhalb davon zusammenbrachte und dem Publikum vorstellte. Als Rednerin war und ist Okky Madasari zu Gast auf den Bühnen zahlreicher internationaler Literatur-Festivals, wo sie unter anderem über kultur- und gesellschaftspolitische Themen, über die Rolle von Literatur, Islam und über Frauenliteratur spricht. Neben ihrer Tätigkeit als Buchautorin schreibt Okky Madasari regelmäßig für indonesische und internationale Medien über Literatur, Zensur, Ausdrucksfreiheit und die Soziologie des Wissens.

https://www.okkymadasari.net/


Okky Madasari: Gebunden. Stimmen der Trommel

„Gebunden. Stimmen der Trommel“ ist die Übersetzung von Okky Madasaris viertem Roman Pasung Jiwa. Der Roman erschien in Indonesien 2013, und wurde ins Englische, Arabische und von Gudrun Ingratubun ins Deutsche übersetzt, wo er im Jahr 2015 im sujet Verlag erschien. Noch während seines Erscheinungsjahrs 2013 wurde Pasung Jiwa in Indonesien für den Khatulistiwa Literaturpreis nominiert.

Der Roman erzählt die Geschichte zweier Freunde, die in den späten 1990er Jahren während der zu Ende gehenden Regierungszeit des Diktators Suharto ihr Studium abbrechen und eine Straßenband gründen. Sie engagieren sich politisch und werden bei einer Razzia verhaftet.

Schwer traumatisiert durch das, was ihnen im Gefängnis angetan wurde, gehen beide nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis getrennte Wege. Während der transsexuelle Sasana als Sängerin Sasa auf lokalen Bühnen auftritt, muss Jaka sich als Fabrikarbeiter verdingen. Im Zuge der Finanzkrise und dem damit einhergehenden Ende der Regierungszeit des Diktators Suharto Ende der 1990er Jahre wird Jaka jedoch arbeitslos und findet im islamischen Extremismus einen Halt. Bei einem Konzert von Sasa begegnen sich die beiden wieder.

Okky Madasari engagiert sich in diesem Buch gegen Extremismus und Diskriminierung und zeigt, dass in Indonesien auch nach Einführung der Demokratie Bewegungen erstarkt sind, die gesellschaftliche Freiheit und Toleranz akut bedrohen.

Okky Madasari: Gebunden. Stimmen der Trommel. sujet Verlag, 2. Auflage 2017
(ISBN: 978–3-944201–83-2)


Okky Madasari: Auszug aus dem Roman „Gebunden. Stimmen der Trommel“

18. September 2003

Mein ganzes Leben ist eine Falle.

Mein Körper war meine erste Falle. Die nächste meine Eltern, dann alle anderen Menschen, die ich kannte. Weiterhin alle Dinge, mit denen ich in Berührung kam, alles was ich je getan habe. All dies sind Fallen, die sich wie ein roter Faden durch mein Leben ziehen. All dies sperrt mich ein, fesselt mich –, hohe Mauern, in denen ich in meinen 30 Lebensjahren gefangen bin.

Jetzt bin ich hier. In einer Falle, die mit bloßem Auge erkennbar ist.

Von tatsächlichen Mauern umschlossen. Eingesperrt, hinter Gittern, im Gefängnis. Ich weiß nicht wie lange.

Vielleicht werde ich genug Willenskraft haben, meinen Weg weiterzugehen, warten bis der Tag der Freilassung kommt – obwohl es keine wirkliche Befreiung sein würde. Denn wenn dieser Tag käme, würde ich nur wieder in eine andere Falle geraten.

Oder aber ich beende alles, renne weg, so weit es geht. Renne davon, um meinen Körper zu verlassen, die mich begrenzenden Mauern zurückzulassen, mein Leben hinter mir zu lassen.

Ich weiß es noch nicht. Wenn ich diese Geschichte morgen fortsetze, bedeutet es, dass ich noch da bin. Dass ich gewählt habe, in meinem eigenen Leben weiterhin in der Falle zu sitzen, gewählt habe, eingesperrt und gefangen zu sein. Gewählt habe, nicht in Freiheit zu sein, weil ich mich offen gestanden zu sehr vor dieser Freiheit fürchte, da ich schon gewohnt bin, gefangen zu sein, es mir zur Gewohnheit geworden ist, über meine Fesseln zu klagen.

Aber wenn diese Geschichte morgen nicht weitergeht, könnt ihr mit mir zusammen glücklich sein. Ich werde dann frei sein. Ich werde keine Angst mehr haben. Ich werde mich dann nicht mehr fügen; nicht mehr kapitulieren, weil ich Angst habe. Ist das nicht die wahre Freiheit?

Sasana

Die Falle des Körpers

Die erste Stimme, die ich je kennengelernt habe, war die Stimme des Klaviers. Nicht die Stimme meiner Mutter, auch nicht die meines Vaters. Das erste Mal, als ich diese Stimme hörte, befand ich mich noch in der Gebärmutter meiner Mutter. Ich hörte sie nicht nur, ich kannte die Töne und konnte sie unterscheiden. Ich konnte kräftige, stampfende Töne fühlen, die mich immer aufweckten und in Bewegung versetzten. Bei sanften Tönen hingegen wiegte ich mich hin und her, schlief fest ein, konnte ruhig schlafen.

Keine andere Stimme hörte ich so. Ich hatte meine Mutter nie flüstern, meinen Vater nie schreien hören. Die Stimmen meiner Eltern lernte ich erst richtig kennen, als ich zur Welt kam. Doch zu dieser Zeit hörte ich dann zu viele Stimmen. Laut, sich überlagernd, flüchtig. Bis ich eigentlich nichts mehr wirklich hören konnte. Nicht die Stimme meiner Mutter, nicht die Stimme meines Vaters, auch nicht den Klang des Klaviers.

Zu dieser Zeit bereute ich schon, geboren worden zu sein. Die Welt war nicht für mich. Die Welt brauchte mich nicht. Nichts bereitete mir Freude. Ich schien am falschen Ort zu sein. Immer machte ich alles falsch.

So wie der Klang des Klaviers das erste war, was ich kennenlernte, so war das Klavier auch die erste Sache, die meine Eltern mir zeigten, nachdem ich geboren war. Es machte ihnen eine große Freude, mich vor das Klavier zu setzen und meine Hände zu führen, um die einzelnen Tasten herunterzudrücken. Ich mochte das nicht, ganz im Gegensatz zu meinen Eltern. Sie lachten immer und sahen glücklich aus, wenn ich eine Taste anschlug und zum Klingen brachte. Ich tat dies jeden Tag, wenn nicht sogar den ganzen Tag lang. Es gibt nichts anderes aus meiner frühen Kindheit, an das ich mich erinnere, außer dem Klavier.

Als ich schon kein Baby mehr war, meine Kindheit begann, ließen meine Eltern einen Klavierlehrer kommen, um mich zu unterrichten. Dieser Lehrer kam zweimal in der Woche nachmittags. An den Tagen, an denen dieser Klavierlehrer kam, wurde ich immer nachmittags früher als sonst gebadet. Meine Kinderfrau brachte mich dann ins Wohnzimmer, wo das Klavier meiner Familie stand. Jeweils eine Stunde lang unterrichtete mich dieser Lehrer. Ich hatte keinen Spaß daran. Der Klang des Klaviers war in meinen Ohren nicht mehr schön. Er war zu einem störenden Geräusch geworden, das mir das Gefühl gab, getrieben zu werden, oder in einem Raum gefangen zu sein. Was konnte ich tun? Es gab nichts, was ich hätte tun können. Ich war ein kleiner Junge, hatte keine Macht, konnte nur tun, was meine Eltern von mir verlangten. So spielte ich weiter Klavier.

Sieben Lehrer haben mich unterrichtet. Jeder Lehrer hörte aus einem anderen Grund auf, mir Unterricht zu geben. Einer wollte heiraten, eine Lehrerin wurde schwanger und bekam ein Kind, ein weiterer Lehrer zog in eine andere Stadt, der nächste fand eine andere Anstellung und einem wurde es sogar zu langweilig. Langeweile. Es imponierte mir, dass jemand aufhörte etwas zu tun, weil er es langweilig fand. Leider war mir das nicht vergönnt. Mir war langweilig, aber ich hörte nicht auf, Klavier zu spielen. Ich hatte keinen Spaß daran, hatte aber keine andere Wahl.

Als ich in die Grundschule kam, beherrschte ich bereits die Werke der klassischen Komponisten: Beethoven, Chopin, Mozart, Bach, Brahms … Welchen großen Komponisten ihr mir auch genannt hättet, ich hätte ihn spielen können. Ich konnte all diese Stücke spielen. Schön sogar. Wenn ich spielte, benutzte ich allerdings nur meinen Verstand – nicht mein Gefühl. Klavier spielen hieß, ein Gerät bedienen, dachte ich zu jener Zeit. Wenn es nur darum ging, den Anweisungen eines Lehrers zu folgen, gelang mir dies mit Leichtigkeit. Obwohl es mir eigentlich keinen Spaß machte und ich mich dabei quälte, als sei in mir drin etwas falsch und mit allen Dingen um mich herum auch. Wie gesagt, ich fühlte mich immer fehl am Platz.

Auch Beifall und lobende Worte konnten mir nicht das Gefühl geben, am rechten Platz zu sein. In ziemlich jungen Jahren schon, ich war gerade in die vierte Klasse gekommen, hatte ich also bereits dutzende Male vor vielen Leuten Klavier gespielt. Von der Schule bis zum Einkaufszentrum. Manchmal nur zur Übung, manchmal im Rahmen eines Wettbewerbs. Meine Pokale standen alle in einer Reihe aufgereiht. Meine Fotos waren gerahmt und aufgehängt. In der Schule zählte ich immer zu den zehn Kindern mit den besten Noten. Ich war der Stolz meiner Eltern und ein Vorbild für Andere.

Als ich eben in dieser vierten Klasse war, wurde mein Geschwisterchen geboren. Ein hübsches Mädchen mit vollen, zarten Wangen. Ihr Körper war winzig, ihre Augen groß. Ich bewunderte sie. Ich liebte sie mehr als alles andere. Ich war sehr gern in ihrer Nähe. Es machte mir großen Spaß, sie anzuschauen, ihr Verhalten zu beobachten, ihr Lächeln zu sehen. Es fiel mir jedes Mal auf, wenn man ihr ein neues Kleidungsstück anzog, rosa Kleider, süße Schühchen. Jetzt gab es etwas anderes, abgesehen vom Klavier und dessen Klang, an das ich mich erinnerte: Melati. Ein wunderschöner Name, nicht wahr?

Melati. Wie gern ich diesen Namen wieder und wieder aussprach. Er war so anders als mein eigener Name: Sasana. Überhaupt nicht schön. Zu grimmig, zu hart. Mein Name erinnerte mich immer an Kampf und Blut. Wie ein Boxring. Aber meine Mutter bestritt immer, dass dies die Bedeutung meines Namens sei. Für sie bedeutete Sasana Männlichkeit, Mut, Stärke.

Melati wurde so erzogen wie ich. Doch ihr Leben schien ihr mehr Spaß zu machen. Immer lächelte und lachte sie. Von Tag zu Tag sah man mehr Schönheit in ihrem Gesicht. Wie ich wurde auch sie zuerst mit dem Klavier vertraut gemacht.

Dem Klavier kam in unserem Elternhaus in der Tat eine besondere Rolle zu. Für meine Eltern war das Klavierspiel eine Tradition, der die höchste Achtung gebührte. Ich selbst frage mich, woher ihre Ehrerbietung kam. Meine Eltern sind keine Musiker. Sie können zwar Klavier spielen, sind bei den Anfängen geblieben, weit entfernt von dem, was ich bereits in der vierten Klasse konnte. Auch ihre Berufe haben nichts mit Musik zu tun. Mein Vater ist Jurist und meine Mutter Chirurgin. Sie haben sich während des Studiums kennengelernt. Ihre gemeinsame Vorliebe für klassische Musik, die Freude an der Diskussion ernsthafter Themen von Politik bis Philosophie vereinte sie. Nachdem sie geheiratet und ein Haus gekauft hatten, war das Klavier, das wir bis heute besitzen, ihre erste Anschaffung. Etwas Besonderes für ein junges Paar, das gerade von niemanden mehr abhängig war. Sie bezahlten das Klavier in zwanzig Raten ab. Sie waren überzeugt, dass es ihnen sehr nützlich sein würde. Nicht nur für ihrer beider Glück, sondern auch für die Zukunft ihrer Kinder. Sie waren überzeugt, dass die auf diesem Klavier gespielte Musik ihren Kindern Intelligenz geben würde. Diese Überzeugung hatten sie aus Büchern gewonnen, die sie gelesen hatten. Melati und ich waren die Verwirklichung dieser Überzeugung. Und ich hatte den Beweis schon erbracht. Ein guter Junge, folgsam, liebevoll und klug. Zudem spielte ich sehr gut Klavier, wovon beide besessen waren. Sie liebten mich und waren stolz auf mich. Der erstgeborene, der einzige Junge. Bis ich mich zu verändern begann.

Ich weiß nicht mehr genau, wie es anfing. Es waren Schulferien. Ich hatte gerade sechs Jahre Grundschule hinter mir und war bereit für die Mittelschule. An jenem Abend war ich in einem Dorf hinter unserem Wohnkomplex. Ich stand zwischen Dutzenden Männern und Frauen und sah mir einen Auftritt an. Eine Frau in einem schillernden Kleid stand auf der Bühne. Sie hatte soeben ein Lied zu Ende gesungen. Sie sah die Zuschauer eindringlich und kokett an, was die Zuschauer sogleich mit Jubel und Beifall bedachten. Einige Leute riefen: „Zugabe! … Zugabe!“. Die Rufe wurden lauter. Das Publikum verlor fast die Geduld. Die Sängerin lächelte glücklich, spürte wie begehrt sie war. Die Trommel wurde geschlagen, die Gitarre gezupft, die Musik setzte ein. Musik, die ich nie zuvor gehört hatte. Ganz anders als die Kompositionen, die ich spielte, anders auch als die Stücke, die ich sonst hörte. Dann sang die Sängerin ein Lied, das mir völlig unbekannt, aber nicht fremd war. Es ging mir sofort ins Ohr, sein Text prägte sich mir mühelos ein.

So trällerte ich inmitten der singenden Menge der Stimme der Sängerin folgend dieses Lied mit:

Einmal habe ich im Riapark Musik erlebt
Der malaiische Rhythmus, Duhai, sehr angenehm
Der malaiische Rhythmus, Duhai, sehr angenehm

Die Flöte war aus Bambus, die Trommel aus Rindsleder
Dangdut, Stimme der Trommel, animiert mich zum Mitsingen
Dangdut, Stimme der Trommel, animiert mich zum Mitsingen

Terajana … terajana
Dies ist ein Lied, ein Lied aus Indien
Ei, so süß seine Melodie, ei, so süß seine Melodie
Süß die Stimme des Sängers
Passend zu seinem schönen Outfit.

In meiner Begeisterung bin ich schier bewusstlos
Die Hüfte schwingt zur Stimme, die mich zum Singen bringt
Die Hüfte schwingt zur Stimme, die mich zum Singen bringt

Die Frau sang und bewegte sich dazu im Takt. Solche Körperbewegungen hatte ich noch nie gesehen. Die Stimme der Gitarre und die Trommel wurden eins – schön und voller Leidenschaft. Auch die Leute um mich herum bewegten sich nun im Takt zur Musik. Die Köpfe neigten sich nach vorn, zur Seite, guckten herausfordernd, während der Mund weiterhin mitsang.

Mein Körper wiegte sich, zunächst sanft. Ich war mir nicht bewusst, dass ich tanzte. Am Anfang war es nur eine leichte Bewegung, dann bewegte sich mein Arm, mein Körper neigte sich nach links und nach rechts. Ich ahmte die Tanzbewegungen meiner Nachbarn nach und rief auch mit ihnen: „Uoooo!”, „Ahoooo!“, oder „Ah… ah… ah…!” und tanzte, war wie in Trance. Trieb dahin. Genau wie es in diesem Lied beschrieben wurde:

In meiner Begeisterung bin ich schier bewusstlos
Die Hüfte schwingt zur Stimme, die mich zum Singen bringt
Die Hüfte schwingt zur Stimme, die mich zum Singen bringt

Ich schloss die Augen ein ums andere Mal und genoss diese Momente sehr. Plötzlich zog mich jemand am Arm, sehr grob. Ich erschrak und erkannte meine Mutter. Sie hatte mich am Arm gepackt. Wortlos zerrte sie mich hinter sich her durch die Zuschauermenge und stieß mich ins Auto. Sie war mit dem Auto gekommen, obwohl sie den kurzen Weg hierher auch hätte zu Fuß gehen können. Auch ich war ja zu Fuß hergekommen, allein, zum ersten Mal. Viele Dinge erlebte ich an jenem Abend zum ersten Mal. Jener Abend war der schönste meiner zwölf Lebensjahre gewesen. Ich würde ihn nie vergessen und nie damit abschließen. Obwohl ich seine Folgen ertragen musste.

Übersetzung von Gudrun Ingratubun aus: Okky Madasari: Gebunden. Stimmen der Trommel. sujet Verlag, 2. Auflage 2017, (ISBN: 978–3-944201–83-2)

© sujet Verlag

Okky Madasari: Kutipan dari „Pasung Jiwa“

18. September 2003

Seluruh hidupku adalah perangkap.

Tubuhku adalah perangkap pertamaku. Lalu orangtuaku, lalu semua orang yang kukenal. Kemudian segala hal yang kuketahui, segala sesuatu yang kulakukan. Semua adalah jebakan-jebakan yang tertata di sepanjang hidupku. Semuanya mengurungku, mengungkungku, tembok-tembok tinggi yang menjadi perangkap sepanjang tiga puluh tahun usiaku.

Sekarang aku di sini. Dalam perangkap yang terlihat mata. Diimpit tembok-tembok tinggi yang sebenarnya. Terkurung, tertawan, terpenjara. Entah berapa lama.

Mungkin aku akan tabah menjalaninya. Menunggu hingga hari pembebasanku tiba—walaupun bukan hari pembebasan yang sebenarnya. Karena saat hari itu tiba, aku akan kembali masuk ke perangkap-perangkap lainnya.Atau mungkin aku akan mengakhiri semuanya, lari sejauh- jauhnya. Lari meninggalkan tubuhku, meninggalkan tembok- tembok yang mengungkungku, meninggalkan hidupku.

Aku masih belum tahu. Jika besok pagi aku masih melanjutkan cerita ini, itu berarti aku masih ada di sini. Memilih terperangkap dalam hidupku sendiri, memilih terkurung dan tertawan. Memilih untuk tak mendapatkan kebebasan, karena sesungguhnya aku terlalu takut untuk mendapat kebebasan itu. Sebab aku terbiasa tertawan, sebab aku terbiasa meratap dalam kungkungan.

Tapi jika ceritaku tak berlanjut esok pagi, ikutlah berbahagia! Aku telah bebas. Sebab aku tak lagi takut. Sebab aku tak lagi menyerah dan berserah karena takut. Bukankah itu kebebasan yang sesungguhnya?

Sasana

Perangkap Tubuh

Suara pertama yang kukenal adalah denting piano. Bukan suara ibuku, bukan pula suara ayahku. Pertama kali aku mendengar suara itu saat masih berada di rahim ibuku. Tak hanya mendengar, aku bisa mengenali dan membedakannya. Aku bisa merasakan nada yang mengentak, yang membuatku selalu terbangun dan bergerak-gerak. Aku terbuai oleh nada- nada lembut, yang membuatku terlelap, tidur dengan tenang.

Tak ada suara lain yang benar-benar kudengar seperti itu. Aku bahkan tak pernah benar-benar mendengar apa yang dibisikkan ibuku, juga yang diteriakkan ayahku. Aku baru benar-benar mengenali suara orangtuaku saat aku lahir ke dunia. Tapi saat itu pula, aku bisa mendengar terlalu banyak suara. Berisik, tumpang-tindih, acak-acakan. Hingga tak ada lagi yang bisa benar-benar kudengarkan. Tidak suara ibuku, tidak suara ayahku, tidak pula denting piano.

Saat itu aku sudah menyesal kenapa aku harus dilahirkan. Dunia bukan untukku. Dunia tak membutuhkanku. Aku tak menyukai semuanya. Aku seperti berada di tempat yang salah. Dan selalu salah.

Jika bunyi piano adalah suara yang pertama kali kukenali saat berada dalam rahim ibuku, piano pula benda pertama yang dikenalkan Ayah dan Ibu setelah aku lahir. Mereka suka sekali mendudukkan aku di depan piano, menuntun tanganku untuk memencet-mencet tiap tutsnya. Aku tak menyukainya. Tapi orangtuaku sebaliknya. Mereka selalu tertawa dan terlihat bahagia setiap aku bisa memencet dan membunyikannya. Aku melakukannya setiap hari, jangan-jangan juga sepanjang hari. Tak ada lagi yang bisa kuingat dari masa kecilku selain piano itu.

Ketika aku sudah bukan lagi bayi dan memasuki masa kanak-kanak, orangtuaku mendatangkan seorang guru piano untuk mengajariku. Guru itu datang seminggu dua kali pada sore hari. Pada hari-hari guru itu datang, aku selalu dimandi- kan lebih awal. Lalu pengasuhku membawaku ke ruang tengah, tempat piano keluargaku berada. Hanya satu jam guru itu mengajariku. Tapi rasanya sangat lama. Aku tak menyukainya. Bunyi piano tak lagi indah menyapa telingaku. Ia kini telah menjelma jadi bunyi-bunyian yang mengganggu, yang membuatku selalu merasa dikejar-kejar atau terkurung dalam ruangan. Apa yang harus kulakukan? Tak ada. Aku laki-laki kecil tak berdaya, yang hanya bisa melakukan setiap hal yang orangtuaku tunjukkan. Aku terus memainkan piano itu.

Sudah tujuh guru yang mengajariku. Setiap guru berhenti dengan beragam alasan. Ada yang hendak menikah, ada yang hamil dan punya anak, ada yang pindah kota, ada yang punya pekerjaan baru, juga ada yang berhenti karena bosan. Bosan. Senang sekali mendengar seseorang bisa berhenti melakukan sesuatu karena bosan. Tapi sayangnya tidak denganku. Aku bosan, tapi tak berhenti melakukan. Aku tak suka, tapi harus selalu bisa.

Saat masuk sekolah dasar, aku sudah mahir memainkan komposisi-komposisi klasik dunia. Beethoven, Chopin, Mozart, Bach, Brahms… Sebutkan saja! Aku bisa memainkan semuanya dengan indah. Aku bermain dengan menggunakan akalku, bukan dengan perasaanku. Memainkan piano hanya soal menggunakan alat, pikirku saat itu. Kalau sekadar mengikuti apa yang diajarkan guru, aku dengan mudah melakukannya. Meski sebenarnya aku tak suka dan selalu tersiksa. Seperti ada yang selalu salah dalam diriku dan semua yang ada di sekelilingku. Seperti yang tadi aku katakan, aku selalu merasa seperti berada di tempat yang salah.

Tepuk tangan dan kata-kata pujian tak pernah membuatku merasa telah melakukan sesuatu yang benar. Pada usia yang sangat muda, baru naik kelas 4 SD, aku sudah puluhan kali memainkan piano di depan banyak orang. Di sekolah sampai di pusat-pusat perbelanjaan. Untuk hanya sekadar latihan hingga untuk lomba. Piala-pialaku berjajar, foto-fotoku dipamerkan. Di sekolah, aku selalu termasuk sepuluh murid yang paling pintar. Aku adalah kebanggaan, aku pujaan semua orang.

Saat aku kelas 4 SD itu, adikku lahir. Bayi perempuan yang cantik. Pipinya montok dan halus. Badannya mungil, matanya lebar. Aku mengaguminya. Aku mencintainya lebih dari apa pun. Aku senang berada di dekatnya. Aku senang memperhatikannya, melihat tingkahnya, mengamati senyum- nya. Aku memperhatikan setiap pakaian yang dikenakannya. Baju-baju warna merah jambu, sepatu-sepatu lucu. Kini ada sesuatu yang bisa kuingat selain piano dan nada-nada itu: Melati. Nama yang indah, bukan?

Melati. Aku suka mengucapkannya berulang kali. Berbeda sekali dengan namaku: Sasana. Sama sekali tak indah. Terlalu garang, terlalu keras. Selalu mengingatkanku pada perkelahian dan darah. Seperti tempat orang bertinju. Tapi ibuku selalu meyakinkan bukan itu arti namaku. Sasana bagi dia adalah kejantanan, keberanian, keperkasaan.

Melati dibesarkan dengan cara yang tak berbeda denganku. Tapi sepertinya hidupnya lebih menyenangkan. Dia selalu tersenyum dan tertawa. Dari hari ke hari, semakin terlihat kecantikan di wajahnya. Sama sepertiku, piano adalah benda yang pertama kali dikenalkan padanya.

Piano memang benda istimewa di rumah ini. Bagi ayah dan ibuku, memainkan piano adalah bagian tradisi yang harus dijunjung tinggi. Aku sendiri heran kenapa mereka sampai bersikap seperti itu. Ayah dan ibuku bukan pemain musik. Mereka memang bisa memainkan piano. Tapi permainan mereka hanya sekadarnya, jauh berbeda dengan kemampuanku saat kelas 4 SD. Pekerjaan mereka sehari-hari juga jauh dari musik. Ayahku ahli hukum, ibuku dokter bedah. Mereka bertemu saat masih kuliah. Sama-sama mencintai musik klasik, sama-sama suka berdiskusi tentang hal-hal berat, dari politik hingga filsafat. Setelah menikah dan punya rumah, benda pertama yang mereka beli adalah piano yang sekarang kami miliki. Sebuah barang mewah untuk pasangan muda yang tak lagi mengandalkan siapa-siapa. Piano itu dibeli dengan dicicil dua puluh kali. Mereka percaya, benda ini akan sangat berguna. Tak hanya untuk kebahagiaan mereka berdua, tapi juga demi masa depan anak-anak mereka. Mereka yakin, musik yang dimainkan dengan piano itu akan memberikan kecerdasan pada anak-anak mereka. Itu keyakinan yang mereka dapat dari buku-buku yang mereka baca. Aku dan Melati menjadi perwujudan keyakinan itu. Dan aku telah memberikan buktinya. Anak laki-laki yang baik, penurut, penuh kasih sayang, dan cerdas. Lebih dari itu, aku pandai bermain piano. Hal yang menjadi obsesi mereka berdua. Akulah anak ke- sayangan dan kebanggaan. Anak pertama, laki-laki satu-satunya. Hingga kemudian aku mulai berulah.

Aku tak ingat bagaimana awalnya. Saat itu sedang masa libur sekolah. Aku baru lulus SD, bersiap masuk SMP. Ma- lam itu aku sudah berada di kampung di belakang kompleks rumahku, berdiri di antara puluhan laki-laki dan perempuan, menonton sebuah pertunjukan. Seorang perempuan berbaju gemerlap berdiri di panggung. Ia baru selesai menyanyikan satu lagu. Menyapa penonton dengan akrab dan genit, yang langsung disambut sorakan dan tepuk tangan penonton. Beberapa orang mulai berteriak, ”Lagi… lagi…!” Teriakan semakin keras, penonton sudah tak sabar. Si penyanyi tersenyum senang, merasa ia begitu diinginkan. Gendang ditabuh, gitar dipetik, musik mulai dimainkan. Musik yang tak pernah kudengar sebelumnya. Yang sangat berbeda dengan komposisi- komposisi yang kumainkan, juga lagu-lagu yang aku dengar- kan. Lalu penyanyi itu mulai menyanyikan lagu yang juga belum pernah aku tahu. Tapi entah kenapa lagu itu seperti tak asing buatku. Lagu itu langsung akrab di telingaku, bahkan liriknya dengan mudah kuhafalkan.

Kini aku ikut bersenandung di antara penonton yang semuanya bernyanyi, mengikuti suara si penyanyi.

Pernah aku melihat musik di Taman Ria Iramanya melayu duhai
sedap sekali Iramanya melayu duhai sedap sekali

Sulingnya suling bambu, gendangnya kulit lembu Dangdut suara
gendang rasa ingin berdendang Dangdut suara gendang rasa ingin
berdendang

Terajana… terajana Itu lagunya lagu India Hai
merdunya… hai merdunya Merdu suara oh penyanyinya
Serasi dengan indah gayanya

Karna asyiknya aku hingga tak kusadari Pinggul bergoyang-goyang
rasa ingin berdendang Pinggul bergoyang-goyang rasa ingin
berdendang

Perempuan itu menyanyi sambil menggoyangkan badannya. Goyangan yang tak pernah kusaksikan. Suara gitar, gendang, seruling… semua berpadu indah dan bergairah. Orang-orang di sekelilingku juga ikut bergoyang. Kepala mereka menunduk, miring, menengadah, sambil mulut tetap terus menyanyi.

Perlahan tubuhku mulai bergerak. Tanpa aku sadari aku ikut bergoyang. Awalnya hanya goyangan kecil, lalu tanganku mulai bergerak, lalu tubuhku meliuk ke kanan dan ke kiri, lalu seluruh tubuhku. Aku menirukan goyangan orang-orang di sekitarku, mengikuti suara-suara yang mereka keluarkan seperti ”Uoooooo”, ”Ahoooo”, atau ”Ah… ah… ah…” Aku terus bergoyang. Aku terbius. Aku melayang. Persis seperti yang dikatakan dalam lagu itu:

Karna asyiknya aku hingga tak kusadari
Pinggul bergoyang-goyang rasa ingin berdendang
Pinggul bergoyang-goyang rasa ingin berdendang

Sesekali aku memejamkan mata dan merasakan nikmat yang berbeda. Saat mataku terpejam, tiba-tiba tanganku ditarik orang. Tarikan yang sangat kasar. Aku tergelagap. Baru kemudian aku sadari siapa yang menarik tanganku: ibuku. Tak ada kata-kata yang Ibu ucapkan. Aku ditarik membelah kerumunan orang, dibawa masuk ke mobil. Ibu menjemputku dengan mobil, meski sebenarnya tempat ini tak terlalu jauh dari rumahku. Karena itu aku bisa datang ke sini sendiri dengan jalan kaki, walaupun baru pertama kali.

Ya, ini baru pertama kali. Banyak sekali hal pertama yang kudapatkan malam ini. Malam ini adalah malam terindah dalam 12 tahun usiaku. Aku tak akan melupakan dan menyesalinya. Meski aku harus menanggung akibatnya.

Sumber: Okky Madasari: Pasung Jiwa. Apa Itu Kebebasan? Gramedia Pustaka Utama, Jakarta
(ISBN: 2015 978-602-03-2220-9 )

Sabine Müller

Die Kulturanthropologin Sabine Müller ist Übersetzerin für Indonesische Literatur und Redakteurin für verschiedene Online- und Printmedien. Als Organisatorin von Kulturprogrammen mit internationalem Hintergrund ist sie in den Bereichen Übersetzung, Literatur und Kunst aktiv.

Von 2005 bis 2006 arbeitete sie als Programmkoordinatorin für das Goethe-Institut Jakarta, wo sie unter anderem Online-Dienstleistungen für zeitgenössische deutsche und indonesische Literatur und Kunst erarbeitete. Davor war sie drei Jahre in der Deutschabteilung am Politechnikum in Bandung, West-Java, beschäftigt, die sie maßgeblich mit aufbaute. Für das Goethe-Institut Bandung organisierte sie während dieser Zeit unter anderem interkulturelle Trainings, Übersetzungs- und Theaterworkshops sowie öffentliche Lesungen. In Bandung war sie außerdem Mitbegründerin der Lerngemeinschaft Komunitas Taboo mit einer Stadtteil-Bibliothek, für die sie bis heute ehrenamtlich tätig ist.


Iksaka Banu: Alles für Hindia!

Die Sammlung von 13 Kurzgeschichten ist eine Übersetzung des Buches „Semua untuk Hindia“ von Iksaka Banu.

Die Geschichten entführen den Leser in eine sich über rund drei Jahrhunderte erstreckende Reise durch die Zeit des kolonialen Niederländisch-Indien.


Iksaka Banu

Iksaka Banu wurde 1964 in Yogyakarta geboren. Nachdem er schon als Zehnjähriger Kindergeschichten in Zeitschriften wie Harian Kompas oder Harian Angkatan Bersenjata veröffentlicht hatte, absolvierte er nach der Schulzeit zunächst eine Ausbildung zum Grafiker und Designer und entwickelte sich zum mehrfach ausgezeichneten Werbegrafiker.

Erst seit dem Jahr 2000 engagiert Iksaka Banu sich wieder und mit großem Erfolg als Schriftsteller. Sein Schwerpunktthema ist die Kolonialgeschichte Indonesiens. Zwei seiner Geschichten aus diesem Themenkreis, Mawar di Kanal Macan und Semua untuk Hindia, wurden wiederholt als zu den 20 besten Kurzgeschichten Indonesiens gehörend ausgezeichnet. 2014 und 2019 erhielt er für seine beiden Kurzgeschichtensammlungen Semua untuk Hindia (Alles für Hindia!), und Teh dan Pengkhiat (Tee und der Verräter) den bedeutendsten Literaturpreis Indonesiens, den Kusala Sastra Khatulistiwa Award in der Kategorie Prosa.


Iksaka Banu: Alles für Hindia!

Die Sammlung von 13 Kurzgeschichten ist eine Übersetzung des Buches „Semua untuk Hindia“ von Iksaka Banu.

Die Geschichten entführen den Leser in eine sich über rund drei Jahrhunderte erstreckende Reise durch die Zeit des kolonialen Niederländisch-Indien.

Iksaka Banu: Alles für Hindia!

Nur wer sich kritisch mit der Geschichte auseinandersetzt, vermag es, andere Handlungsoptionen zu erkennen und aufzuzeigen, und kann so dazu beitragen, dass Wut und Enttäuschung, Misstrauen und Zweifel, in der Vergangenheit gesät, nicht immer weiter ihre verhängnisvollen Früchte treiben.

In den dreizehn Kurzgeschichten des vorliegendes Bandes führt uns Iksaka Banu auf eine sich über rund drei Jahrhunderte erstreckende Zeitreise durch Hindia. Der indonesische Name Hindia – oder auch Hindia-Belanda – steht für Niederländisch-Indien und bezeichnet den indonesischen Archipel unter der Herrschaft der Niederländer seit Anfang des 17. Jahrhunderts bis zur Unabhängigkeit der Republik Indonesien 1945.

Damit steht der Name auch für die zahlreichen Schauplätze erbitterter Kämpfe zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Kolonialherren, blutiger interethnischer Konflikte, skrupellosen Bestrebens nach Macht und Reichtum, schwelenden politischen und gesellschaftlichen Konflikten geprägt von Verrat, rassistischer Diskriminierung und Bigotterie.

Dass sich der Autor intensiv mit der kolonialen Geschichte seines Heimatlandes auseinandersetzt, spiegelt sich in jeder seiner Erzählungen. Neben einer sorgfältigen Recherche historischer Ereignisse auf der Grundlage historischer Sachbücher und Archivmaterial inspirieren Iksaka Banu literarische Werke indonesischer und internationaler Autoren, aber auch aktuelle Presseberichte und Reportagen.

Iksaka Banu: Alles für Hindia! Gossenberg, Ostasien-Verlag 2020 (ISBN: 978-3-946114-59-8)


Iksaka Banu: Lebewohl, Hindia!

Eine Kurzgeschichte von Iksaka Banu,
in der Übersetzung von Sabine Müller

Der alte Chevrolet, in dessen Fond ich saß, verlangsamte seine Fahrt, bis er schließlich am Ende der Noordwijk-Straße vor einer Barrikade aus Bambusstangen zum Stehen kam. Nur einen Augenblick später tauchte, einem Albtraum gleich, von der linken Seite eines Gebäudes her eine Gruppe langhaariger Männer auf, die ihre Waffen auf uns gerichtet hielten…

Iksaka Banu: Lebewohl, Hindia!

Der alte Chevrolet, in dessen Fond ich saß, verlangsamte seine Fahrt, bis er schließlich am Ende der Noordwijk-Straße vor einer Barrikade aus Bambusstangen zum Stehen kam. Nur einen Augenblick später tauchte, einem Albtraum gleich, von der linken Seite eines Gebäudes her eine Gruppe langhaariger Männer auf, die ihre Waffen auf uns gerichtet hielten. Sie trugen abgetragene, offenbar aus unterschiedlichen Armeebeständen stammende Uniformen und rotweiße Tücher um ihre Köpfe.

„Aufständische“, raunte Dullah, mein Fahrer, mir zu.

„Sie müssen unbedingt den Presseausweis sehen!“, flüsterte ich zurück.

Dullah deutete mit der Hand auf das an der Frontscheibe angebrachte Stück Papier. Einer der Männer, die allem Anschein nach die Straßenblockade errichtet hatten, schaute durchs Seitenfenster,

„Wohin gehts?“, fragte er mit bedrohlich funkelnden Augen. Er trug einen schwarzen Peci. Sein dichter Schnurrbart teilte sein Gesicht in eine obere und eine untere Hälfte.

„Freiheit, Herr! Wir sind auf dem Weg nach Gunung Sahari. Er ist Journalist. Er ist in Ordnung“, erwiderte Dullah mit einer Miene, mit der er größtmögliche Ruhe auszustrahlen versuchte, und deutete mit dem Daumen nach hinten auf mich.

„Steig aus, bevor du mit mir redest, Idiot!“, fuhr ihn der Schnurrbart an und schlug mit der flachen Hand auf die Motorhaube, dann setzte er hinzu: „Sag dem Weißen, er soll auch aussteigen!“

Eilig kamen Dullah und ich seinem Befehl nach. Mit Hilfe einiger seiner Kameraden durchsuchte uns der Schnurrbart von oben bis unten. Ein Päckchen Davros, aus dem ich erst eine einzige Zigarette geraucht hatte, wechselte sogleich hinüber in seine Hemdtasche. Ebenso wie ein Bündel Geldscheine in der japanischen Militärwährung aus meiner Brieftasche. Einer der Aufständischen stieg ins Auto, durchsuchte erst das Handschuhfach, setzte sich dann auf den Fahrersitz und drehte das Lenkrad hin und her wie ein kleines Kind.

„Martinus Witkerk. De Telegraaf“, las der Schnurrbart aus meinem Auftragsschreiben vor, dann wandte er sich zu mir: „Niederländer?“

„Er spricht kein Malaiisch, er stammt von dort“, schaltete sich Dullah ein. Das war natürlich eine Lüge.

„Ihn hab ich gefragt, nicht dich. Verflucht nochmal!“.

Der Anführer schlug Dullah ins Gesicht. „Deine Landsleute werden von Kugeln durchsiebt und sterben, und du machst bei den Kolonialisten mit. Los, verschwindet von hier! Haut bloß ab!“ Er gab mir meine Brieftasche zurück und steckte sich eine seiner erbeuteten Zigaretten an.

„Danke, Dullah“, sagte ich nach einer Weile, nachdem unser Wagen sich wieder in Bewegung gesetzt hatte. „Ist alles in Ordnung?“

„Nichts passiert, Herr. Ein paar von diesen Männern sind eben so. Sie geben vor, Freiheitskämpfer zu sein, aber dann dringen sie einfach in die Häuser einfacher Leute ein und verlangen nach Essen und Geld. Und Frauen belästigen sie auch oft“, erklärte Dullah. „Zum Glück saß ich am Steuer.

Ich glaube, wenn Herr Schurck gefahren wäre, hätten Sie das beide nicht überlebt. Männer wie die von vorhin zögern nicht, Europäer zu töten, die leicht aus der Haut fahren wie Herr Schurck. Egal ob Journalist oder nicht.“

„Jan Schurck hat in der Tat ein Händchen dafür, sich in Schwierigkeiten zu bringen“, sagte ich nunmehr schmunzelnd.

„Das ist der Grund, warum ihm das Life-Magazin ein so hohes Gehalt zahlt.“

„Sind Sie sich bei der Adresse der jungen Dame sicher?“

„Ja, gegenüber dem Topografisch Bureau muss es sein. Sie wollte einfach nicht von dort weg. So ein Dickkopf.“

Der Dickkopf. Maria Geertruida Welwillend.

Geertje! Ja, so nannte man sie.

Ich war dieser Frau zum ersten Mal im Internierungslager Struiswijk begegnet, das war kurz nachdem bekannt gegeben wurde, dass die Japaner vor den Alliierten kapituliert hatten.

Vor unserer Begegnung hatte ich im Hotel Des Indes, das inzwischen wieder von Niederländern geführt wurde, mit ein paar der anderen Journalisten über die Niederlage Japans und deren Folgen für die Bevölkerung Niederländisch-Indiens diskutiert.

„Die Unabhängigkeitserklärung hat im Zusammenspiel mit der Reaktionslosigkeit der Gemeindeoberhäupter dazu geführt, dass die einheimische Jugend nicht mehr klaren Kopfes unterscheiden kann, was es heißt, „für die Freiheit zu kämpfen“ oder „kriminell zu sein“. Der ewig schwelende Hass gegenüber den Weißen und allen mutmaßlichen Kollaborateuren scheint sich plötzlich Bahn zu brechen in den verlassenen Straßen jener Wohnviertel, in denen vornehmlich Europäer leben und die unmittelbar an jene der Einheimischen grenzen“, sagte Jan Schurck und warf einen Stapel Fotos auf den Tisch.

„God Almachtig. Die Leichen sind ja kaum mehr als Hackfleisch“, stieß Hermanus Schrijven vom Utrechts Niewsblad aus und bekreuzigte sich, nachdem er einen Blick auf die Fotos geworfen hatte. „Es heißt, die Schlächter seien Rädelsführer oder Räuber, die man als Soldaten rekrutiert hat. Einen Teil ihrer Beute verteilen sie unter den Einwohnern. Aber das Meiste behalten sie selbst.“

„Patriotische Räuber“, erwiderte Jan schulterzuckend.

„Die gab es auch zu Zeiten der Französischen Revolution oder der bolschewistischen Revolutionen oder heutzutage auch unter den jugoslawischen Partisanen.“

„Bastarde der Revolution“, warf ich ein.

„Ich hasse den Krieg“, sagte Hermanus und schnippte seine Zigarettenkippe fort.

„Die Europäer hier sind sich der Gefahren nicht bewusst“, sagte ich. „Nach ihrer langen Leidenszeit in den Internierungslagern wollen sie nichts anderes mehr, als so rasch wie möglich nach Hause zurückzukehren. Sie ahnen nicht, dass sich ihre Diener und Hausjungen inzwischen in Freiheitskämpfer verwandelt haben.“

„Ich befürchte“, ergriff Eddy Taylor vom Manchester Guardian das Wort, „die meisten von ihnen haben noch gar nichts von dem Appell Lord Mountbattens gehört, so lange in den Lagern zu bleiben, bis die Alliierten eintreffen.“

„Ja, und die japanischen Kommandanten, die nach ihrer Niederlage jeglichen Lebensmut verloren haben, lassen die Gefangenen einfach laufen. Das ist das Beängstigende daran“, sagte Jan und zündete sich die x-te Zigarette an.

„Es könnte schlimmer sein. Am 15. September landeten die britischen Truppen in der Bucht von Batavia“, ich deutete auf die entsprechende Stelle auf der Landkarte, die auf dem Tisch vor uns ausgebreitet lag. „Ein niederländischer Kreuzer, der bei der Landung ebenfalls dabei war, so heißt es, habe hiesige Militärkreise in mächtige Aufruhr versetzt. In deren Augen scheint dies den Verdacht zu erhärten, die Niederländer wollten nach Niederländisch-Indien zurückkehren.“

„Well“, warf Eddy Taylor ein und sah abwechselnd zu Jan und zu mir. Mal ganz unter uns, glaubt ihr daran, die Niederländer haben wirklich ein Interesse daran zurückzukommen?“

Unsere Diskussion wurde jäh unterbrochen, als Andrew Waller, Journalist des Sydney Morning Herald, der mit beachtlicher Ausdauer die Berichterstattung über die aktuellen Entwicklungen am Funkgerät verfolgt hatte, plötzlich ausrief: „Das ist ein Ding! Hört euch das an! Das ist höchst interessant! Ehemalige Soldaten der KNIL und britische Soldaten haben heute morgen damit begonnen, die Insassen der Internierungslager Cideng und Struiswijk zu verlegen.“

Ohne auch nur einen Augenblick Zeit zu verlieren, brachen wir alle miteinander auf. Jan und ich entschieden uns, das Internierungslager Struiswijk aufzusuchen.

Dort angekommen trafen wir den japanischen Kommandanten Major Adachi, der dem gesamten Unterfangen der Massenverlegung erleichtert entgegen sah.

„Unsere Patrouillen stoßen ständig auf die Leichen von Europäern, die aus dem Lager flohen. Am Straßenrand, verstümmelt und in Säcke gesteckt“, sagte er.

Ich nickte und machte mir Notizen. Tatsächlich aber haftete mein Blick an Geertje, die – mit einem Koffer in der Hand und seelenruhig – an uns vorüber spazierte. Sie ging allerdings nicht auf einen der bereitstehenden Lastwagen zu, sondern schlug die Richtung Drukkerwijweg ein, offenbar dazu entschlossen, dort eine Fahrradrikscha zu nehmen.

„Hei Martin!“ rief Jan Schurck mir zu. „Das Mädchen hat schon die ganze Zeit ein Auge auf dich geworfen. Schlag dein Glück nicht aus. Los, lauf ihr nach!“

Ich ging ihr tatsächlich nach, erlebte aber eine große Überraschung.

„Ich komme nicht mit“, sagte Geertje und blickte mich scharf an. „Ein paar Lastwagen fahren nach Bandung. Zu einem Aufnahmelager an der Ursulinen-Kapelle. Andere Lastwagen fahren nach Tanjung Priok. Aber ich muss nach Hause nach Gunung Sahari. Ich habe dort alle Hände voll zu tun“, erklärte sie.

„Willst du damit sagen, dass du in Gunung Sahari gelebt hast, bevor die Japaner kamen, und jetzt wieder dorthin zurückkehren willst?“, fragte ich.

„Was ist falsch daran?“, fragte Geertje zuruck.

„So einiges. Es ist der falsche Zeitpunkt und der falsche Ort. Immer mehr Weiße, Chinesen und mutmaßliche Kollaborateure der Niederländer werden umgebracht. Wie kannst du dorthin zurückwollen?“

„Weil dort mein Zuhause ist. Und nun bitte ich um Entschuldigung“,

Geertje kehrte mir den Rücken zu und nahm ihren Koffer, den sie kurz abgestellt hatte, wieder auf.

Ich war sprachlos. In einiger Entfernung sah ich diesen Mistkerl von Jan, der mit dem Daumen nach unten zeigte. „So warte doch!“ Ich lief Geertje hinterher. „Ich begleite dich.“

Diesmal wies sie mich nicht ab. Und Jan erklärte sich glücklicherweise bereit, mir sein Motorrad auszuleihen.

„Nimm dich vor diesem jungen Herrn in acht, Nyonya“, sagte er augenzwinkernd zu Geertje. „In den Niederlanden warten zahllose Frauen schmachtend auf seine Rückkehr.“

„Ach, ist das so?“, gab sie zurück. „Aber nenn mich doch Nona oder einfach Geertje.“

„Wenn das so ist, nenn du mich doch einfach Jan.“

„Und das hier ist Martin“, sagte ich und klopfte mir gegen die Brust. „Willst du nicht endlich diese Holzschuhe aus dem Lager loswerden?“, fragte ich mit einem Blick auf Geertjes Füße. „Haben die Soldaten im Lager etwa keine Schuhe an Frauen und Kinder ausgegeben? Sie haben doch auch Lippenstifte und Puder verteilt. Ihr werdet bald alle wieder hübsch aussehen können.“

„Ich bin noch nicht wieder an Schuhe gewohnt, daher habe ich sie im Koffer verstaut. Im Lager konnte ich mit den Holzschuhen richtig gut laufen“, erwiderte Geertje lachend, während sie sich auf den Rücksitz des Motorrads setzte.

Mijn God. Ihr frisches Lachen und diese Grübchen in ihren Wangen. Und wie diese sich auf ausnehmende Weise mit ihren im leichten Winkel zueinander stehenden Augenbrauen verbanden. Ihr Gesicht gab mir Rätsel auf. Ob sie wohl noch Familie hatte? Einen Ehemann? Nein, letzteres konnte nicht sein, vorhin wollte sie Nona, „Fräulein“, genannt werden.

„Das Zehnte Bataillon patrouilliert zwar häufig in Gunung Sahari“, räumte ich ein. „Sie bewachen die Viertel der Europäer. Aber natürlich weiß niemand, wann mit einem Angriff zu rechnen ist. Denk nochmal über meinen Vorschlag nach.“ Ich konnte Geertjes Gesicht im Rückspiegel sehen. Sie schien etwas sagen zu wollen, doch der Motor von Jans Motorrad dröhnte zu laut. Schließlich schwiegen wir die restliche Fahrt über.

An der Kreuzung Kwitang bog ich rechts ab, und so entfernten wir uns von der Kolonne der mit Frauen und Kindern beladenen Lastwagen. Ach, die Kinder. Ausgelassen klatschten sie in ihre Hände, sangen fröhliche Lieder. Sie ahnten nichts von dem so gut wie Unvermeidlichen, nämlich dass Hindia, das Land, in dem sie geboren worden waren, bald nur noch der Erinnerung angehören würde.

„Vor dem Fischteich da vorn ist es“, rief Geertje und schwenkte ihren Arm.

Ich fuhr an die Seite. Das recht große Haus war in erbärmlichem Zustand. Die Außenwände waren verschmutzt. Hier und dort waren Fensterscheiben zerborsten. Merkwürdig war jedoch, dass der Rasen im Hof erst vor Kurzem geschnitten worden zu sein schien.

„Warte!“, stieß ich aus und griff nach Geertjes Arm, als sie bereits im Begriff war, auf die Veranda zuzulaufen. Aus meiner Tasche auf dem Gepäckträger zog ich einen Dolch, den ich mir vorhin ebenfalls von Jan geborgt hatte. Ich stieß gegen die Vordertür. Sie war verschlossen.

„Willst du wirklich immer noch hinein?“, fragte ich Geertje.

„Ja“, war ihre Antwort. „Und steck deinen Dolch weg!

Lass mich anklopfen. Hoffentlich hat sich das Haus keine andere europäische Familie genommen.“

„Oder Aufständische“, gab ich zurück.

Geertje klopfte mehrere Male. Keine Antwort. Wir gingen um das Haus herum. Die Hintertüre stand einen Spalt weit offen. Wir wollten gerade eintreten, da hörten wir Schritte vom Garten her. Eine Einheimische von etwa fünfzig Jahren kam auf uns zu.

„Nona!“, rief sie aus, fiel auf die Knie und schlang ihre Arme um Geertjes Beine.

Geertje nahm sie bei den Schultern und hieß sie aufstehen.

„Die Japaner haben verloren. Ich komme wieder nach Hause, Iyah. Wo ist Ihr Mann? Haben Sie die ganze Zeit über hier gewohnt?“, fragte Geertje. „Das ist Herr Witkerk, ein Bekannter von mir. Martin, das ist Iyah, unsere Haushälterin.“

Iyah verneigte sich kurz vor mir und wandte sich dann wieder Geertje zu.

„Nachdem ich Sie das letzte Mal im Lager besuchte, haben die Japaner sich das Haus genommen. Offiziere wohnten hier. Ich habe für sie gekocht. Ich durfte nicht fortgehen. Deshalb habe ich Sie auch nicht mehr besuchen können.“

Iyah schluchzte abermals. „Wo ist Ihr Vater, Ihre Mutter, und der junge Herr Robert?“

„Mama ist im letzten Monat gestorben. Die Cholera.“.

Geertje schob die Tür weiter auf und trat ins Haus. Iyah und ich folgten ihr.

„Papa und Robert wurden nach Burma deportiert“, fuhr Geertje fort. „Ich habe schon den Lagerkommandanten darum gebeten, sich nach ihnen zu erkundigen.“

„Alles, was wertvoll war, hat man beschlagnahmt. Die Fotos an den Wanden wurden vernichtet und durch eine japanische Fahne ersetzt. Aber es ist noch nicht lange her, da sind sie plötzlich von hier fort. Ich weiß nicht wohin. Viel haben sie nicht mitgenommen“, erklärte Iyah. „Ich hole die Sachen zum Kochen aus dem Schuppen. Und ich hole meinen Mann hierher; denn als ich für die Japaner zu kochen anfing, bin ich in den Schuppen hinter dem Haus gezogen.

Auch als sie fort waren, habe ich mich nicht getraut, hier im Haus zu wohnen. Aber bei jeder Gelegenheit bin ich sofort hierher und habe, wo es nötig war, sauber gemacht.“

„Holen Sie Ihren Mann. Wir richten das Haus wieder her. Wenn die Banken wieder normal arbeiten, kann ich vielleicht etwas von meinem Sparbuch abheben.“ Geertje wartete, bis Iyah hinausgelaufen war, und setzte dann ihre Hausinspektion fort. Ein paar Tische und Stühle waren noch da, auch mehrere Schränke, diese waren allerdings leergeräumt. Im Wohnzimmer erwartete mich eine Überraschung: ein edles schwarzes Klavier. Erstaunlicherweise hatten es die Japaner weder beschlagnahmt noch zerstört. Vielleicht hatten sie es zu ihrer Unterhaltung genutzt.

Geertje blies über die dünne Staubschicht auf dem Deckel und öffnete ihn. Eine heitere Melodie erfüllte sogleich den Raum.

„Ist das ein Volkslied?“, fragte ich.

„‚Si Patoka’an‘“, sagte Geertje und nickte zustimmend, dann summte sie zu ihren Anschlägen der Tasten.

„Du bist wohl mit der ganzen Umgebung und den Leuten hier eng verbunden. Und sie scheinen dich ebenfalls zu mögen. Wahrscheinlich lieben sie dich von ganzem Herzen“, sagte ich. „Aber die Zeiten von Herr und Diener werden bald vorüber sein. Amerika zeigt immer deutlicher, wie sehr ihm der Kolonialismus missfällt. Die Welt hat begonnen, jeden noch so zarten Pulsschlag des Wandels, der hier zu verzeichnen ist, zu beobachten. Und unsere Jahrhunderte währende Präsenz als Herrscher über dieses Land oder vielmehr als nimmersatte Blutsauger macht unsere Verhandlungsposition nicht gerade besser. Ich denke, Niederländisch-Indien ist nicht mehr zurückzugewinnen, ganz gleich wie erbittert wir darum kämpfen, das Land den Händen der einheimischen Nationalisten zu entreißen.“

„Wenn das Feuer der Revolution einmal entfacht ist, kann es niemand mehr aufhalten“, Geertje hielt im Tastenschlag ihrer Finger inne. „Sie wollen einfach ihre Autonomie, wie mein Vater stets zu sagen pflegte. Mein Vater verehrte Henk Sneevliet. Er war bereit, seine Privilegien, die er hier genossen hatte, zu verlieren. Ich selbst bin Lehrerin an einer Schule für einheimische Kinder. Ich bin unter Einheimischen geboren und aufgewachsen. Als die Japaner an die Macht kamen, ist mir bewusst geworden, dass Niederländisch-Indien mit all seinem aristokratischen Gehabe an sein Ende gelangt ist. Ich muss den Mut aufbringen, dem Land Lebewohl zu sagen. Aber was auch immer das Schicksal letzten Endes für mich bereithalten mag, ich werde hier bleiben. Nicht als eine der „Herrschenden“, wie du es vorhin nanntest. Wer weiß, was ich sein werde. Die Japaner haben uns eine Lektion erteilt, wie bitter es ist, anderen zu dienen.

Nachdem wir früher all die Zeit im Wohlstand gelebt haben, wäre es da nicht beschämend, ausgerechnet dann die Flucht zu ergreifen, wenn die Menschen hier unseren Beistand benötigen?“

„Die Menschen…“, ich beendete den Satz nicht. Einen Augenblick lang herrschte Schweigen.

„Es gibt diese Geschichte“, sagte ich endlich und schöpfte Atem. „Ein Jäger findet ein Tigerjunges, er zieht das Tier liebevoll auf. Es wird zahm. Es isst und schläft gemeinsam mit dem Jäger, bis es ausgewachsen ist. Es bekommt niemals Fleisch zu fressen. Eines Tages aber schneidet der Jäger sich am Futternapf des Tigers. Blut fließt von seiner Hand.“

„Der Tiger leckt von dem Blut, wird wild und fällt den Jäger an“, unterbrach mich Geertje. „Du versucht mir wohl damit zu sagen, dass mich eines Tages Einheimische hinterrücks erstechen werden. Ist es nicht so?“

„Wir befinden uns in Zeiten eines gewaltigen Umbruchs, er erfasst die ganze Welt“, erwiderte ich. „Ganze Wertegefüge verschieben sich. Nach Jahrhunderten wird uns jetzt bewusst, dass dieses Land nicht unser Vaterland ist. Zum dritten Mal bitte ich dich, geh von hier fort, solange du es noch kannst.“

„Soll ich etwa in die Niederlande?“ Geertje schloss den Klavierdeckel. „Ich weiß nicht einmal, wo dieses Land meiner Vorfahren überhaupt liegt.“

„In dem Ort, aus dem ich komme, in Zundert, gibt es ein paar Häuser zu erschwinglichen Mietpreisen. Dort könntest du wohnen, wenigstens solange du auf Neuigkeiten von deinem Vater wartest.“

„Danke“, sagte Geertje lächelnd. „Aber du weißt ja, wo ich leben will.“

So hatte Geertjes Antwort vor inzwischen mehreren Monaten gelautet. Ich sah sie danach noch zwei Male wieder. Das eine Mal setzten wir in ihrem Haus neue Fenster ein und das andere Mal begleitete ich sie zum Markt. Danach hatte ich mich in die Arbeit gestürzt. Auch Geertje schien mit nichts anderem beschäftigt zu sein als mit der Instandsetzung ihres Hauses. Da war kaum anzunehmen, dass sich zwischen uns auch nur ein Funke von Leidenschaft entfachen würde.

Dann kam die seit langem befürchtete Meldung über die bewaffneten Kämpfe in der vergangenen Nacht. Diese weiteten sich auf mehrere Stadtviertel Batavias, von Meester Cornelis bis nach Kramat, aus. Einheiten von jungen Aufständischen hatten in einer konzertierten Aktion eine flächendeckende Offensive in verschiedenen Vierteln unternommen.

In der Nähe von Senen-Gunung Sahari war es ihnen gelungen, einen Panzer der NICA fahruntüchtig zu machen. Ich machte mir große Sorgen um Geertje. Am besten würde es sein, sie aus ihrem Haus zu holen. Sie konnte vorerst bei uns wohnen. Ich hoffte nur, diesmal würde sie nicht ablehnen. Schurck war zu diesem Zeitpunkt nicht in der Stadt, daher konnte ich mir sein Motorrad nicht ausleihen.

Zum Glück war jemand vom Hotel bereit, mir, wenn auch völlig überteuert, ein Auto mit Fahrer zu vermieten.

„Ist es das Haus dort vorne?“, erklang Dullahs Stimme und holte mich zurück in das heiße Wageninnere des Chevrolets.

„Richtig. Warte hier!“, beunruhigt sprang ich aus dem Wagen.

Vor Geertjes Haus standen ein paar NICA-Soldaten in Bereitschaft. Einige andere marschierten im Hinterhof des Hauses auf und ab. Die Veranda war beschädigt. Die Vordertür lag auf dem Boden, von Kugeln durchsiebt. In Fußboden und Wänden klafften schwarz umränderte Löcher, – eine Granate musste hier detoniert sein.

„Entschuldigung, ich bin Journalist!“, rief ich und hielt, während ich mir einen Weg durch die Menge hindurch bahnte, meinen Presseausweis in die Höhe. Ich blickte mich aufmerksam um. Mit gemischten Gefühlen betrat ich jedes Zimmer, als erwartete ich, jeden Augenblick Geertjes Leiche in einer Blutlache liegend vorzufinden. Dieser schreckliche Anblick blieb mir erspart. Ein Soldat kam auf mich zu, er schien der Kommandant zu sein. Ich hielt ihm meinen Ausweis entgegen.

„Was ist hier passiert, Sergeant… Zwart?“, fragte ich ihn und las den Namen vom Aufnäher an seiner Uniform ab.

„Ist das bei einem der Angriffe in der letzten Nacht passiert? Wo sind die Bewohner dieses Hauses?“

„Wir waren das, wir haben das Haus gestürmt. Seine Bewohner sind geflohen. Sind Sie Journalist? So ein günstiger Zufall. Wir werden die Nachricht von dieser Sache verbreiten, als Warnung an alle.“ Sergeant Zwart forderte mich auf, ihm in die Küche zu folgen. „Hier haben sich die Aufständischen getroffen“, erklärte er. „Hier fand sich jede Menge Propagandamaterial, das sich gegen NICA richtet.“

„Entschuldigen Sie, soweit ich weiß, gehört das Haus einer Niederländerin, Nona Geertje.“

„Sie kennen sie? In diesem Fall werden wir einige Fragen an Sie haben. Es besteht der Verdacht, dass Nona Geertje die Seiten gewechselt hat. Ihre möglichen Aliasnamen „Zamrud Khatulistiwa“ (Smaragd des Aquators) oder „Ibu Pertiwi“ (Mutterland), die wir in letzter Zeit immer wieder im Funkverkehr des Untergrunds aufgegriffen haben, lassen sich vermutlich ihr zuordnen.“

Geertje? Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Ich wollte widersprechen. Sergeant Zwart aber war bereits damit beschäftigt, eine große, in der Erde neben dem Schuppen eingelassene Türe anzuheben und sie zu öffnen. Ein Bunker.

Bei meinen Besuchen bei Geertje hatte sich dieser Zugang meiner Aufmerksamkeit völlig entzogen. Ich folgte Sergeant Zwart die Stufen hinab.

An sich war ein solcher Bunker nichts Außergewöhnliches. Nicht selten besaßen wohlhabende Niederländer einen gesonderten Raum, in dem sie Schutz vor allem bei Luftangriffen suchten. Dieser Raum hier war etwa vier Quadrat-meter groß und feucht. Darin standen ein langer Tisch, ein paar Stuhle sowie ein schäbiger Schrank gefüllt mit Kochgeschirr und einigen Stapeln Papier. Und tatsächlich, das Papier enthielt Anti-NICA-Propaganda.

Sergeant Zwart schob eine Abdeckung aus Stoff von einem Objekt, das hinter dem Schrank stand. Ein Funksender! „Eine Hinterlassenschaft der Japaner“, erklärte er.

Ich war sprachlos. Ich konnte das alles nicht glauben. Doch was mir wirklich das Blut in den Adern gefrieren ließ, war der Anblick an der Wand zu meiner Linken. An dieser mit Schimmel überzogenen Wand war eine Kombination aus Waschbecken und Spiegel angebracht. Auf der Oberfläche des Spiegelglases war mit einem Lippenstift und offenbar in Eile eine Zeile geschrieben worden: „Lebewohl, Hindia! Willkommen Republik Indonesien!“

Ich stellte mir Geertje mit ihren Grübchen vor, wie sie inmitten eines Reisfeldes saß und gemeinsam mit den Menschen, die sie liebte, sang: „Dies ist mein Land. Dies ist mein Haus. Was immer das Schicksal für mich bereit hält, ich werde bleiben.“

Von Anfang an hatte Geertje gewusst, wo sie zu stehen hatte. Langsam löschte ich das Wort „Verräter“ aus meinen Gedanken, das sich darin vorhin kurz niedergelassen hatte.

Jakarta, 12. Oktober 2012

aus: Iksaka Banu: Alles für Hindia! Gossenberg, Ostasien-Verlag 2020.

© Ostasien-Verlag, Iksaka Banu, Sabine Müller

Iksaka Banu: Selamat Tinggal Hindia

Chevrolet tua yang kutumpangi semakin melambat, sebelum akhirnya berhenti di muka barikade bambu yang dipasang melintang di ujung jalan Noordwijk. Sebentar kemudian, seperti sebuah mimpi buruk, dari sebelah kiri bangunan muncul beberapa orang pria berambut panjang dengan ikat kepala merah putih dan aneka seragam lusuh, menodongkan senapan.

“Laskar,” gumam Dullah, supirku.

“Pastikan mereka melihat tanda pengenal wartawan itu,” bisikku.

Dullah menunjuk kertas di kaca depan mobil. Salah seorang penghadang melongok melalui jendela.

“Ke mana?” tanya orang itu. Ia berpeci hitam. Kumisnya lebat, membelah wajah. Sepasang matanya menebar ancaman.

“Merdeka, Pak! Ke Gunung Sahari. Ini wartawan. Orang baik,” Dullah, dengan raut muka dibuat setenang mungkin, mengarahkan ibu jarinya kepadaku.

“Turun dulu baru bicara, sontoloyo!” bentak si kumis sambil memukul bagian depan mobil. “Suruh Londo itu turun juga!” sambungnya.

Tergesa, Dullah dan aku menuruti perintahnya. Dibantu beberapa rekannya, si kumis menggeledah seluruh tubuh kami. Sebungkus rokok Davros yang baru kunikmati sebatang segera berpindah ke saku bajunya. Demikian pula beberapa lembar uang militer Jepang di dalam dompet. Seorang laskar lain masuk ke dalam mobil, memeriksa laci, lalu duduk di kursi sopir. Memutar-mutar roda kemudi seperti seorang anak kecil.

“Martinus Witkerk. De Telegraaf,” si kumis membaca surat tugas, lantas menoleh kepadaku. “Belanda?”

“Tidak bisa bahasa Melayu, asli dari sana,” sergah Dullah. Tentu saja ia berdusta.

“Aku tanya dia, bukan kamu. Sompret!” si komandan menampar pipi Dullah. “Teman-temanmu mati kena peluru, kamu ikut penjajah. Sana, minggat!” ia mengembalikan dompetku sambil menikmati rokok rampasannya.

“Terima kasih, Dullah,” kataku beberapa saat setelah kendaraan kembali melaju. “Kamu baik-baik saja?”

“Tak apa, Tuan. Begitulah sebagian dari mereka. Mengaku pejuang, tapi masuk-keluar rumah penduduk, minta makanan atau uang. Sering juga mengganggu perempuan,” sahut Dullah. “Untung saya yang mengemudi.  Bila Tuan Schurck yang pegang, saya rasa tuan berdua tidak akan selamat. Mereka suka menghabisi orang Eropa yang mudah marah seperti Tuan Schurck. Tidak peduli wartawan.”

“Jan Schurck memang pandai membahayakan diri,” aku tersenyum. “Itu sebabnya majalah Life memberinya gaji tinggi.”

“Tuan yakin alamat si nona ini?”

“Ya, seberang Topografisch Bureau. Tidak mau pergi dari situ. Si kepala batu.”

Kepala batu. Maria Geertruida Welwillend.

Geertje! Ya, itu nama sebutannya.

Aku bertemu wanita itu di kamp internir Struiswijk, tak lama setelah pengumuman resmi takluknya Jepang kepada Sekutu.

Waktu itu di hotel Des Indes, yang sudah kembali ditangani oleh manajemen Belanda, aku dan beberapa rekan wartawan tengah membahas dampak sosial di Hindia seiring kekalahan Jepang.

“Proklamasi kemerdekaan serta lumpuhnya otoritas setempat membuat para pemuda pribumi kehilangan batas logika antara ‘berjuang’ dan ‘bertindak jahat’. Rasa benci turun-temurun terhadap orang kulit putih serta mereka yang dianggap kolaborator tiba-tiba seperti menemukan pelampiasannya di jalan-jalan lengang, di permukiman orang Eropa yang berbatasan langsung dengan kampung pribumi,” Jan Schurck melemparkan seonggok foto ke atas meja.

God Almachtig. Mayat-mayat ini seperti daging giling,” Hermanus Schrijven dari Utrechts Nieuwsblad membuat tanda salib setelah mengamati foto-foto itu. “Kabarnya, para jagal ini adalah jawara atau perampok yang direkrut menjadi tentara. Sebagian rampasan dibagikan kepada penduduk. Tapi kerap pula diambil sendiri.”

“Bandit patriot,” Jan mengangkat bahu. “Terjadi pula semasa Revolusi Prancis, Revoulsi Bolshevik, dan di antara para partisan Yugoslavia hari ini.”

“Anak-anak haram revolusi,” aku menimpali.

“Aku benci perang,” Hermanus membuang puntung rokoknya

“Warga Eropa tidak menyadari bahaya itu,” kataku. “Setelah lama menderita di kamp, tak ada lagi yang mereka inginkan kecuali selekasnya pulang. Mereka tak tahu, Si Jongos dan Si Kacung telah berubah menjadi pejuang.” 

“Kurasa banyak yang tidak mendengar maklumat dari Lord Mounbatten agar tetap tinggal di kamp sampai pasukan Sekutu datang,” Eddy Taylor, dari The Manchester Guardian, angkat bicara.

“Ya. Dan para komandan Jepang, yang sudah tidak memiliki semangat hidup sejak kekalahan mereka, cenderung membiarkan tawanannya minggat. Ini mengkhawatirkan,” Jan menyulut rokok, entah yang ke berapa.

“Bisa lebih buruk. Tanggal 15 September kemarin, pasukan Inggris tiba di Teluk Batavia,” aku menujuk peta di meja. “Sebuah cruiser Belanda yang menyertai pendaratan itu konon telah memicu keresahan kalangan militan di sini. Bagi mereka, hal itu seperti menguatkan dugaan bahwa Belanda akan kembali masuk Hindia.”

Well, ini di antara kita saja. Menurut kalian, apakah Belanda berniat kembali?” Eddy Taylor menatap Jan dan aku, ganti-berganti.

Mendadak pembicaraan terpotong teriakan Andrew Waller, wartawan Sydney Morning Herald, yang setia memantau perkembangan situasi melalui radio: “Menarik! Ini menarik! Para mantan tentara KNIL dan tentara Inggris pagi ini memindahkan para penghuni kamp Cideng dan Struiswijk.” 

Tanpa membuang waktu, kami semua berangkat pergi. Aku dan Jan memilih mengunjungi Kamp Tawanan Struiswijk.

Mayor Adachi, komandan Jepang yang kami temui, menyambut gembira upaya pemindahan massal ini.

“Patroli kami kerap menjumpai mayat orang Eropa yang melarikan diri dari kamp. Tercincang dalam karung  di tepi jalan,” katanya.

Aku mengangguk sembari mencatat. Tetapi sesungguhnya mataku terpaku pada Geertje yang berjalan santai menenteng koper. Bukan menuju rombongan truk, melainkan ke jalan Drukkerijweg, bersiap memilih becak.

“Hei, Martin!” teriak Jan Schruck. “Gadis itu melirikmu sejak tadi. Jangan tolak keberuntunganmu. Kejar!”

Aku memang mengejarnya, tetapi segera menerima kejutan besar.

“Aku tidak ikut,” Geertje menatapku tajam. “Truk-truk ini menuju Bandung. Ke tempat penampungan di Kapel Ursulin. Sebagian lagi ke Tanjung Priok. Aku harus pulang ke Gunung Sahari. Banyak yang harus kukerjakan,” katanya.

“Maksudmu, sebelum Jepang datang, engkau tinggal di Gunung Sahari, dan sekarang hendak kembali ke sana?” tanyaku.

“Ada yang salah?” Geertje balik bertanya.

“Ya. Salah waktu dan tempat. Pembunuhan terhadap orang kulit putih, Tionghoa, dan orang-orang yang dianggap kolaborator Belanda semakin menjadi. Mengapa ke sana?”

“Karena itu rumahku. Permisi,” Geertje membalikkan badan, menenteng kembali kopernya.

Aku tertegun. Dari jauh kulihat si keparat Jan menjungkirkan ibu jarinya ke bawah.

“Tunggu!” aku mengejar Geertje. “Biar kuantar.”

Kali ini Geertje tak menolak. Dan aku bersyukur, Jan bersedia meminjamkan motornya.

“Hati-hati sinyo satu ini, Nyonya,” Jan mengedipkan mata. “Di Nederland banyak wanita merana menunggu kedatangannya.”

“Begitukah? Panggil ‘nona’, atau sebut namaku saja,” sahut Geertje.

“Oh, kalau begitu panggil aku Jan.”

“Dan ini Martin,” aku menebah dada. “Apakah kau tak ingin membuang bakiak kamp itu?” tanyaku sambil melirik kaki Geertje. ”Bukankah para tentara di sana menyediakan sepatu untuk wanita dan anak-anak? Mereka juga membagikan gincu dan bedak. Kalian akan kembali rupawan.”

“Belum terbiasa bersepatu lagi, jadi kusimpan di koper. Di kamp, aku mahir berlari dengan bakiak,” Geertje tertawa, meletakkan tubuhnya di jok belakang.

Mijn God. Tawa renyah dan lesung pipinya. Betapa ganjil berpadu dengan sepasang alis curam itu. Wajah yang sarat teka-teki. Apakah wanita ini masih memiliki keluarga? Suami? Tapi tadi ia minta dipanggil ‘nona’.

“Gunung Sahari sering dilewati Batalyon 10. Mereka menjaga permukiman Eropa. Tetapi tentu saja tak ada yang tahu, kapan serangan datang. Coba pikirkan usulku tadi,” dari kaca spion, kutengok Geertje. Ia tampak ingin mengatakan sesuatu, tetapi suara motor Jan teramat bising. Akhirnya kami membisu saja sepanjang perjalanan.

Di perempatan Kwitang aku meliuk ke kanan, meninggalkan iringan truk berisi wanita dan anak-anak di belakangku. Ah, anak-anak itu. Riuh bertepuk tangan, menyanyikan lagu-lagu gembira. Tidak menyadari bahwa kemungkinan besar tanah Hindia, tempat mereka lahir, sebentar lagi tinggal kenangan.

“Depan empang itu,” Geertje melambai.

Aku membelokkan sepeda motor. Rumah besar itu terlihat menyedihkan. Dindingnya kotor. Kaca jendela pecah di sana-sini. Anehnya, rumput pekarangan tampak seperti belum lama dipangkas.

“Sebentar!” kuraih lengan Geertje saat ia ingin berlari ke teras.  Dari tas di belakang motor, kukeluarkan belati yang tadi dipinjamkan oleh Jan. Kudorong pintu depan. Terkunci.

“Masih ingin masuk?” tanyaku.

“Ya,” jawab Geertje. “Singkirkan belatimu. Biar aku yang mengetuk. Semoga rumah ini belum diambil alih keluarga Eropa lain.”

“Atau oleh laskar,” sahutku.

Geertje mengetuk beberapa kali. Tak ada jawaban. Kami berputar ke belakang. Pintunya terbuka sedikit. Saat hendak masuk, terdengar langkah kaki dari kebun. Seorang wanita pribumi. Mungkin berusia lima puluh tahun.

“Nona!” wanita itu meraung, memeluk kaki Geertje.

Geertje menarik bahu si wanita agar berdiri.

“Jepang sudah kalah. Aku pulang, Iyah. Mana suamimu? Apakah selama ini engkau tinggal di sini?” tanya Geertje. “Ini Tuan Witkerk, teman saya. Martin, ini Iyah. Pengurus rumah tangga kami.”

Iyah membungkuk kepadaku, lalu kembali menoleh kepada Geertje.

“Setelah terakhir menengok Nona, rumah ini diambil Jepang. Tempat tinggal para perwira. Saya memasak untuk mereka. Tidak boleh pergi. Itulah sebabnya saya tidak bisa menengok Nona,” Iyah kembali terisak. “Mana Tuan, Ibu, dan Sinyo Robert?”

“Mama meninggal bulan lalu. Kolera,” Geertje mendorong pintu lebih lebar, lalu masuk rumah. Aku dan Iyah menyusul. “Papa dan Robert dikirim ke Burma. Sudah kuminta komandan kamp mencari berita tentang mereka,” lanjut Geertje.

“Barang berharga disita. Foto-foto di dinding musnah. Diganti bendera Jepang. Tapi belum lama ini mereka buru-buru pergi. Entah ke mana. Banyak barang tidak dibawa,” kata Iyah. “Saya ambil alat-alat masak dulu di gubuk. Sekalian ajak suami ke sini. Sejak jadi koki Jepang, saya pindah ke gubuk belakang. Setelah mereka pergi, saya tetap tidak berani tinggal di sini. Tapi setiap ada kesempatan, pasti menengok, membersihkan yang perlu.”

“Ajak suamimu. Kita bangun rumah ini. Kalau bank sudah berjalan normal, mungkin aku bisa mengambil sedikit simpanan,” Geertje membiarkan Iyah berlari ke luar, lalu meneruskan memeriksa rumah. Meja-kursi tersisa beberapa, juga lemari. Tetapi tak ada isinya. Sebuah kejutan kami temukan di ruang keluarga: piano hitam yang anggun. Cukup mengherankan, Jepang tidak menyita atau merusaknya. Mungkin dulu dipakai sebagai hiburan.

Geertje meniup debu tipis, membuka penutup tuts. Sepotong irama riang menjelajahi ruangan.

“Lagu rakyat?” tanyaku.

“Si Patoka’an,” Geertje mengangguk, lalu bersenandung menimpali ketukan tuts.

“Engkau menyatu dengan alam dan penduduk di sini. Mereka juga menyukaimu. Mungkin mencintaimu setulus hati,” kataku. “Tapi zaman ‘tuan’ dan ‘babu’ ini akan segera berakhir. Amerika semakin memperlihatkan ketidaksukaan mereka akan kolonialisme. Dunia luar juga mulai mengawasi setiap denyut perubahan yang terjadi di sini. Dan kehadiran kita selama beberapa ratus tahun sebagai penguasa negeri ini, bahkan makan jantung negeri ini, semakin memperburuk posisi tawar kita. Kurasa Hindia Belanda tak mungkin kembali, sekeras apapun upaya kita merebut dari tangan para nasionalis bumiputra ini.”

“Bila api revolusi telah berkobar, tak ada yang bisa menahan,” Geertje menghentikan laju jemarinya di atas tuts. “Mereka hanya ingin mandiri, seperti kata ayahku dulu. Ayah pengagum Sneevlit. Ia siap kehilangan hak-hak istimewanya di sini. Aku sendiri seorang guru sekolah bumiputra. Lahir, besar di tengah para bumiputra. Saat Jepang berkuasa, kusadari bahwa Hindia Belanda bersama segala keningratannya telah usai. Aku harus berani mengucapkan selamat tinggal kepadanya. Dan apapun yang ada di ujung nasib, aku akan tetap tinggal di sini. Bukan sebagai ‘penguasa’, seperti istilahmu. Entah sebagai apa. Jepang telah memberi pelajaran, pahitnya menjadi jongos atau babu. Setelah kemarin hidup makmur, bukankah memalukan lari di saat orang-orang ini butuh bimbingan kita? ”

“Orang-orang itu…” aku tidak meneruskan kalimat.  Sunyi sesaat.

“Konon, seorang pemburu menemukan bayi harimau,” akhirnya aku menghela napas. “Dirawatnya hewan itu penuh kasih. Ia menjadi jinak. Makan-tidur bersama si pemburu hingga dewasa. Tak pernah diberi daging. Suatu hari, tangan si pemburu tergores piring kaleng milik si harimau. Darah mengucur.”

“Si harimau menjilati darah itu, menjadi buas, lalu menerkam si pemburu,” potong Geertje. “Engkau mencoba mengatakan bahwa suatu saat para bumiputra akan menikamku dari belakang. Betul?”

“Kita ada di tengah pergolakan besar dunia. Nilai-nilai bergeser. Setelah berabad, kita menyadari tanah ini bukan Ibu Pertiwi kita,” jawabku. “Untuk ketigakalinya kuminta, pergilah selagi bisa.”

“Ke Belanda?” Geertje menurunkan tutup piano. “Aku bahkan tak tahu, di mana letak negara nenek moyangku itu.”

“Di kampung halamanku, di Zundert, ada beberapa rumah kontrakan dengan harga terjangkau. Sambil menunggu kabar tentang ayahmu, kau bisa tinggal di sana.”

“Terima kasih,“ Geertje tersenyum. “Kau sudah tahu di mana aku ingin tinggal.”

Itu jawaban Geertje beberapa bulan lalu. Sempat dua kali aku menemuinya kembali. Memasang kaca jendela, dan mengantarnya ke pasar. Setelah itu, aku tenggelam dalam pekerjaan. Geertje juga tak memikirkan hal lain kecuali membangun rumah. Sulit mengharapkan percik asmara hadir di antara kami.

Lalu datanglah berita tentang pertempuran keras tadi malam, yang merambat dari Meester Cornelis sampai ke Kramat. Beberapa kesatuan pemuda melancarkan serangan besar-besaran ke pelbagai wilayah secara rapi dan terencana. Di sekitar Senen – Gunung Sahari, sebuah tank NICA bahkan berhasil dlumpuhkan.

Aku mengkhawatirkan Geertje. Sebaiknya wanita itu kujemput saja. Biarlah ia tinggal bersama kami sementara waktu. Semoga ia tidak menolak. Schurck sedang ke luar kota. Tak bisa meminjam motornya. Untunglah, meski agak mahal, pihak hotel bersedia menyewakan mobil berikut sopirnya.

“Di depan itu, Tuan?” suara Dullah membawa diriku kembali berada di dalam kabin Chevrolet yang panas ini.

“Betul. Tunggu sini,” aku melompat ke luar dengan cemas. Di muka rumah Geertje, beberapa tentara NICA berdiri dalam posisi siaga. Sebagian hilir-mudik di halaman belakang. Beranda rumah rusak. Pintu depan roboh, penuh lubang peluru. Lantai dan tembok pecah, menghitam, bekas ledakan granat.

“Permisi, wartawan!” sambil menerobos kerumunan, kuacungkan kartu pengenal. Mataku nyalang. Kumasuki setiap kamar dengan perasaan teraduk, seolah berharap melihat tubuh Geertje tergolek mandi darah di lantai. Tetapi tak kunjung kutemui pemandangan mengerikan semacam itu. Seorang tentara mendekat. Agaknya komandan mereka. Kusodorkan kartu pengenal.

“Apa yang terjadi, Sersan…Zwart?” tanyaku sambil melirik nama dada tentara itu. “Korban serangan tadi malam? Di mana penghuni rumah?”

“Kami yang menyerang. Penghuninya lari. Tuan seorang wartawan? Kebetulan sekali. Kita sebarkan berita ini, agar semua waspada,” Sersan Zwart mengajak berjalan ke arah dapur. “Ini tempat para pemberontak berkumpul. Banyak bahan propaganda anti NICA,” lanjutnya.

“Maaf,” aku menyela. “Setahuku rumah ini milik Nona Geertje, seorang warga Belanda.”

“Tuan kenal? Kami akan banyak bertanya nanti. Ada dugaan bahwa Nona Geertje alias ‘Zamrud Khatulistiwa’ alias ‘Ibu Pertiwi’, yaitu nama-nama yang sering kami tangkap dalam siaran radio gelap belakangan ini, telah berpindah haluan.”

Geertje? Aku ternganga, siap protes. namun Sersan Zwart terlalu sibuk menarik pintu besar yang terletak di tanah, dekat gudang. Sebuah bunker. Luput dari perhatianku saat mengunjungi Geertje tempo hari. Kuikuti Sersan menuruni tangga.

Tak ada yang aneh. Warga Belanda yang sejahtera biasanya memiliki ruangan semacam ini. Tempat berlindung saat terjadi serangan udara di awal perang kemarin. Sebuah ruangan lembab, kira-kira empat meter persegi. Ada meja panjang, kursi, serta lemari usang berisi peralatan makan dan tumpukan kertas. Benar, kertas itu berisi propaganda anti NICA.

Sersan Zwart membuka kain selubung sebuah obyek di balik lemari. Pemancar radio!

“Warisan Jepang,” kata Sersan.

Aku membisu. Sulit mempercayai ini semua. Tetapi yang membuat tubuhku membeku sesungguhnya adalah pemandangan di dinding sebelah kiri. Pada dinding lapuk itu, tergantung satu set wastafel lengkap dengan cermin. Di atas permukaan cermin, tampak sederetan tulisan. Digores bergegas, menggunakan pemerah bibir: ‘Selamat tinggal Hindia Belanda. Selamat datang Repoeblik Indonesia’.

Aku membayangkan Geertje dan lesung pipinya, duduk di tengah hamparan sawah, bernyanyi bersama orang-orang yang ia cintai: “Ini tanahku. Ini rumahku. Apapun yang ada di ujung nasib, aku tetap tinggal di sini.”

Sejak awal Geertje tahu di mana harus berpijak. Perlahan-lahan kuhapus kata ‘pengkhianat’ yang tadi sempat hinggap di benak.

                                                                                   Jakarta, 12 Oktober 2012

Sumber: Iksaka Banu: Semua untuk Hindia! Jakarta, Kepustakaan Populer Gramedia, 2014; © Kepustakaan Populer Gramedia, Iksaka Banu

Rio Johan: Aksara Amananunna

Die 12 Kurzgeschichten dieser Sammlung erzählen von 12 Menschen aus der Zeit der Sumerer bis in das Jahr 8475. Sie alle versuchen, sich etwas Größerem als sich selbst zu stellen. 2014 wurde das Buch vom Magazin Tempo als Prosabuch des Jahres ausgezeichnet.

Rio Johan: Aksara Amananunna. April 2014, Kepustakaan Populer Gramedia (Taschenbuch)


Rio Johan: Amananunnas Schrift

Kurzgeschichte von Rio Johan im Original
und in der Übersetzung von Gudrun Ingratubun.

Monate waren vergangen, seitdem Gott die Sprachverwirrung geschickt hatte und Amananunna hatte seine Sprache noch nicht gefunden. Es war als laste ein Fluch auf seiner Schicksalslinie…