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Felix K. Nesi: Orang-Orang Oetimu

Das Manuskript des Romans Orang-Orang Oetimu gewann den jährlich stattfindenen Literaturwettbewerb Jakarta Arts Council Novel Competition 2018 als Bester Roman des Jahres und wurde 2019 unter dem selben Titel von Marjin Kiri veröffentlicht. Der Roman wurde 2021 in der Kategorie Prosa für den prestigereichsten Literaturpreis Indonesiens, Kusala Sastra Khatulistiwa, nominiert.

Ebenfalls im Jahr 2021 wurde Orang-Orang Oetimo mit dem Literaturpreis des Ministeriums für Bildung, Kultur, Wissenschaft und Technologie der Republik Indonesien in der Kategorie Roman ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich durch die Behörde für Sprachentwicklung und -förderung unter dem Dach des Ministeriums verliehen. Die Jury, bestehend aus fünfzehn bekannten indonesischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern, würdigte den Roman als herausragendes literarisches Werk.

Felix K. Nesi: Orang-Orang Oetimu. Marjin Kiri Publisher, Tangerang, 2. Aufl. 2019 (ISBN: 978-979-1260-89-3)


Felix K. Nesi: (AT) Die Leute von Oetimu

Kapitel I

Oetimu, 1998

Am Abend des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft und eine Stunde bevor die Killer sich Zutritt zu seinem Haus verschafften, wurde Martin Kabiti von Sergeant Ipi mit dem Motorrad abgeholt. Das Motorrad, eine Yahmaha RX King, war frisiert worden und nun verstärkte der Auspuff die Motorengeräusche zu einem ohrenbetäubenden Dröhnen, das die Häuser der armen Leute erzittern ließ, die Hunde zum Bellen brachte und die Fledermäuse in den Wipfeln der Kapokbäume aufscheuchte. In der kühlen Abendluft hatten sich feine Nebelschleier zwischen den Bananenstauden verfangen und sich auf den Oberflächen der Blätter niedergeschlagen, sodass diese im Scheinwerferlicht des Motorrads silbrig schimmerten. Drei Hunde jagten dem Gefährt hinterher, und als einer von ihnen Sergeant Ipi beinahe ins Bein gebissen hätte, ließ dieser sein Motorrad noch stärker aufheulen, als wolle er die dürren Kläffer herausfordern. Es war dies ein glücklicher Abend für ihn. Er hatte bereits alle Vorbereitungen für ein bescheidenes Gastmahl in der Polizeiwache, in der arbeitete und lebte, getroffen. Es würde Rica Anjing, Gulasch aus Hundefleisch, gegrilltes Schwein, Reh und allerlei Getränke geben, und zwar solche mit den offiziellen Zollaufklebern auf der Flasche, die er aus der Stadt mitgebracht hatte, als auch Sopi Kepala, das Gebräu, das man hier im Dorf bekam.

„Lass uns das Endspiel gemeinsam ansehen. Komm zu mir und freue dich mit mir!“, so lautete die Einladung, die er zwei Tage zuvor an Martin Kabiti gerichtet hatte.

Sergeant Ipis Einladung galt aber nicht nur Martin Kabiti. Er hatte zwei Schuljungen aufgetragen, allen Männern im Dorf, angefangen von den Oberschülern ohne Bartwuchs und Motorradtaxifahrern über die Unruhestifter und Kleinganoven, die nicht selten Schläge von ihm einzustecken hatten, bis hin zu den Dorfältesten und honorigen Herren von seinem Gastmahl zu berichten. Martin Kabiti einzuladen war für ihn jedoch etwas ganz Besonderes und er fühlte sich verpflichtet, diesen Mann persönlich mit seinem Motorrad abzuholen.

Martin Kabiti, der schon vor Längerem den bewaffneten Kampf an den Nagel gehängt hatte und keinen Gedanken an die Möglichkeit eines bevorstehenden Unheils verschwendete, zog sich seine dicke Jacke mit Tarnmotiv über, die er noch aus der Zeit besaß, als er am Berg Matebian Jagd auf Aufständische machte, steckte seine Füße in schwarze Socken und in Carvil-Sandalen, nahm seinen Hausschlüssel und eilte aus dem Haus. Seine Frau ließ ihn ohne die leiseste Vorahnung ziehen, und seine Kinder schliefen bereits tief und fest, in den Schlaf gesungen vom Chor der Zikaden und der nachtaktiven Tiere der Wildnis. Martin Kabiti nahm auf dem Beifahrersitz Platz. Auf dem gesamten Weg zur Polizeiwache überholten sie junge Männer in Jacken und alte Männer in Sarongs, die man hier bete nannte, sie alle eilten zu Fuß in dieselbe Richtung. Ein anderes Motorrad, besetzt mit zwei Soldaten von der Grenzwache, heulte hinter ihnen auf. Der Fahrer beschleunigte, so wie er das Dröhnen der RX King von Sergeant Ipi erkannte. Martin Kabiti hatte die beiden Soldaten eingeladen. Er hatte ihnen schon mehrere Male geraten, sich der zivilen Bevölkerung anzunähern. Und dieser Abend bot eine besonders günstige Gelegenheit dafür, denn so würden sie sich unter die Dorfbewohner mischen und ihre Begeisterung für dieselbe Sache mit ihnen teilen können. Die beiden Motorräder fuhren das letzte Stück des Weges nebeneinander her, und die Männer aus dem Dorf, an denen sie vorbeifuhren, hoben  respektvoll grüßend die Hand.

Die Leute von Oetimu hatte das Fußballfieber gepackt. Allabendlich versammelten sie sich vor dem Fernseher und feuerten die Männer an, die auf dem grünen Rasen einem Ball hinterherjagten. Sie schnitten sich die aktuellen Spielpläne aus der Zeitung aus und klebten sie an die Wand im Wohnzimmer oder im Schlafzimmer oder sogar in der Hütte auf dem Feld; sie machten mit dem Bleistift ein Zeichen hinter dem Land, welches bereits ein Spiel verloren hatte, und ein anderes Zeichen hinter dem Land, welches ihrer Meinung nach noch ein Spiel verlieren würde. Sie hatten einen Favoriten, von dessen Sieg sie fest überzeugt waren, nämlich Brasilien, denn abgesehen davon, dass die brasilianischen Fußballer spielten als würden sie tanzen, besaß die brasilianische Elf  einen unbezwingbaren Stürmer: Ronaldo Luis Nazário de Lima. Die Leute vergötterten Ronaldo, sie nannten ihre Hunde Ronaldo und auch andere Tiere in Haus und Hof, und wenn Brasilien spielte, blieben in den Häusern nur die Frauen und Kinder zurück, während die Männer, jung und alt, sich vor dem Fernseher versammelten und ihrem Idol zujubelten.

Im Dorf gab es bereits drei Fernsehgeräte. Eines in der Polizeiwache, eines im Haus von Mas Zainal und eines im Haus von Baba Ong, dem Besitzer des Ladens Subur. Baba Ong war ungemein geizig und würde die Leute aus dem Dorf niemals in sein Haus lassen, außer sie wollten etwas bei ihm kauften. Er besaß lange, blickdichte Vorhänge, die den Fernseher im Wohnzimmer vor den Augen der Kinder, die gerne durch seine Fenster linsten, abschirmte. Mas Zainal hatte derart vorstehende Zähne, dass er jedem Besucher seines Hauses den Eindruck vermittelte, er würde ihn freundlich anlächeln. Allerdings war Mas Zainal Alteisensammler, und in seinem Haus fernzusehen bedeutete, sich zwischen verrosteten und scharfkantigen Eisenwaren sowie gebrauchten Akkus und Batterien zu zwängen. Zudem herrschten starke Gerüche vor: Der Duft nach Essen drang aus der Küche und machte hungrig, aber gleichzeitig wurde einem von dem Gestank nach Öl speiübel. Tatsächlich wäre es allen am liebsten gewesen in der Polizeiwache fernzusehen – auf der geräumigen Fläche des Fußbodens würde man sich mit ausgestreckten Beinen fläzen können, zur Abwechslung könnte man sich gegen die glatt verputzte Wand lehnen, und, falls keine wichtigen Leute anwesend waren, könnte man sich auf das weich gepolsterte Sofa setzen – doch der Fernseher in der Polizeiwache wurde üblicherweise nur für wichtige Leute wie Martin Kabiti, die Dorfältesten, Lehrer oder andere respektable Persönlichkeiten eingeschaltet. So hatten die gewöhnlichen Leute, wenn sie fernsehen wollten, keine andere Wahl als sich im Haus von Mas Zainal umgeben von allerlei Eisenschrott und unangenehmen Gerüchen zu versammeln.

Den Männern hatte Sergeant Ipi daher mit seiner Einladung, an diesem Abend bei ihm in der Polizeiwache fernzusehen, eine riesengroße Freude bereitet. Umso größer war ihre Freude, als sie von der üppigen Auswahl an Fleischspeisen und Getränken erfuhren, die der junge Polizist bereits besorgt hatte. Die Männer strömten also in Scharen herbei, und auch Mas Zainal schaltete sein Fernsehgerät aus und machte sich auf zur Polizeiwache, um dort fernzusehen.

Als die beiden Motorräder nebeneinander in den Hof der Polizeiwache einfuhren, hatte sich dort bereits eine erwartungsvolle Menschenmenge versammelt, die Männer rauchten oder kauten Betel. Die Polizeiwache war zu klein als dass man sie Polizeirevier hätte nennen können, aber auch zu groß als dass man sie Polizeiposten hätte nennen können. Das Gebäude war aus Stein gebaut und verfügte über zwei Räume, einen Raum im hinteren Bereich, in welchem Sergeant Ipi schlief, und einen deutlich größeren Raum, den er zum Arbeiten nutzte. In letzterem schrieb er seine Berichte, sah fern, empfing Gäste und hier aß er auch.

aus: Felix K. Nesi: Orang-Orang Oetimu, CV Marjin Kiri, Tangerang 2019, Übersetzung von Sabine Müller

© Sabine Müller

Felix Nesi: Orang-Orang Oetimu

I

Oetimu, 1998

Satu jam sebelum para pembunuh itu menyerang rumah Martin Kabiti, di malam final Piala Dunia, Sersan Ipi menjemput Martin Kabiti dengan sepeda motornya. Itu adalah sepeda motor RX King yang telah ia modifikasi knalpotnya, sehingga raungannya menggelegar membelah rumah orang-orang miskin, membikin anjing melolong dan kelelawar beterbangan dari pucuk-pucuk bunga kapuk. Kabut tipis yang membikin dingin terperangkap di permukaan daun-daun pisang, menjadi keperakan terpapar cahaya lampu sepeda motor. Tiga ekor anjing memburu dan nyaris menggigit kakinya, tetapi Sersan Ipi terus menggeru-gerukan sepeda motornya, seolah makin ingin ia
menggoda anjing-anjing kurus itu. Itu malam yang bahagia untuknya. Ia telah menyediakan jamuan kecil di pos polisi yang ia tinggali—rica anjing dan babi panggang, dendeng rusa dan berjenis-jenis minuman, baik minuman dengan label cukai yang
ia bawa dari kota, maupun sopi kepala yang ia dapatkan di kampung itu.

“Datanglah ke rumah. Nonton pertandingan final, dan berbahagialah bersama saya,” begitu katanya kepada Martin Kabiti dua hari yang lalu.

Tidak hanya kepada Martin Kabiti undangan itu ia alamatkan. Ia telah menyuruh dua anak sekolahan mengabarkan jamuan itu kepada seluruh laki-laki di penjuru kampung, mulai dari anak SMA yang belum tumbuh jenggot, tukang ojek dan berandal yang kerap kena tinjunya, hingga tetua kampung dan orang-orang yang terhormat. Namun Martin Kabiti adalah undangan yang istimewa baginya, sehingga ia merasa harus menjemput
sendiri laki-laki itu dengan sepeda motornya.

Martin Kabiti yang telah lama berhenti berperang dan tidak mengira akan terjadi musibah di malam itu, mengenakan jaket tebal bermotif loreng yang ia dapat saat mengejar gerilyawan di gunung Matebian, memasang kaus kaki hitam dan sandal
Carvil di kakinya, mengambil kunci rumah dan bergegas.

Istrinya membiarkan ia pergi tanpa firasat apa pun, sementara anak-anaknya telah lelap tertidur, dininabobokan oleh derik jangkrik dan lagu binatang malam dari tepian sabana. Martin Kabiti duduk di boncengan, dan sepanjang jalan menuju pos
polisi itu mereka menjumpai anak-anak muda yang mengenakan jaket dan orang-orang tua yang bersampir betê, bergegas ke arah yang sama. Sebuah sepeda motor lain menderu dari belakang mereka, ditumpangi oleh dua orang tentara dari pos jaga
perbatasan turut bergegas begitu mendengar raung sepeda motor Sersan Ipi. Martin Kabiti telah mengajak tentara-tentara itu.

Ia selalu menyarankan agar mereka berbaur bersama masyarakat sipil, dan malam itu adalah kesempatan yang baik, sebab mereka akan hadir di tengah masyarakat dan merasakan kegembiraan yang sama. Dua sepeda motor itu berjalan beriringan, dan orang-orang kampung yang berjalan kaki menyalami mereka dengan hormat.

Orang-orang di kampung itu baru saja kena demam sepak-bola. Setiap malam mereka berkumpul di depan televisi dan menyemangati orang-orang yang berebut bola di lapangan hijau. Mereka menggunting jadwal pertandingan dari koran dan menempelkannya di ruang tamu, di kamar tidur maupun di pondok-pondok kebun, dan memberi tanda dengan pensil negara mana yang telah kalah dan negara mana yang akan kalah.

Mereka mempunyai idola yang mereka yakin pasti akan menang, yaitu Brazil, sebab selain punya tim yang bermain seperti menari, Brazil punya seorang penyerang tak terkalahkan bernama Ronaldo Luís Nazário de Lima. Mereka sungguh mengidolakan Ronaldo, menamai anjing dan segala binatang peliharaan mereka Ronaldo, dan apabila tiba giliran Brazil bertanding, sungguh rumah-rumah hanya ditinggali oleh perempuan
dan kanak-kanak, sementara laki-laki remaja hingga orang-orang tua berkumpul di depan televisi dan menyoraki idola mereka itu.

Sudah ada tiga buah televisi di kampung itu. Satu di pos polisi, satu di rumah Mas Zainal, dan satu di rumah Baba Ong pemilik Toko Subur. Baba Ong pelit bukan main dan tidak akan membiarkan orang kampung masuk ke rumahnya jika bukan untuk berbelanja. Ia mempunyai gorden yang tebal dan panjang untuk menutupi televisi di ruang tamunya dari pandangan anak-anak yang suka mengintip di jendela. Mas Zainal mempunyai gigi yang tonggos, yang membuat ia kelihatan selalu tersenyum ramah kepada siapa pun yang datang ke rumahnya.

Namun ia adalah seorang pengepul besi tua, dan menonton televisi di rumahnya berarti duduk di antara besi-besi yang berkarat dan tajam, juga aki bekas, dan segala macam bau: baik bau masakan yang menguar dari dapur dan membikin lapar,
maupun bau oli yang membikin mual.

Sumber: ; Felix K. Nesi: Orang-Orang Oetimu. Marjin Kiri Publisher, Tangerang, 2019 © Marjin Kiri Publisher

Eka Kurniawan: Schönheit ist eine Wunde

Einundzwanzig Jahre nach ihrem Tod erhebt sich Dewi Ayu aus ihrem Grab. Die einstmals beliebteste Prostituierte Halimundas findet, es sei an der Zeit, ihre jüngste Tochter kennenzulernen. Wieder in der Welt der Lebenden, muss sie feststellen, dass ihre Töchter grausame Schicksale erdulden müssen. Alle, bis auf die jüngste – denn die ist mit unsagbarer Hässlichkeit gesegnet.

Dewi Ayu begibt sich auf die Suche nach der Ursache für den Fluch, der auf ihrer Familie lastet. Eine Suche, die im Zweiten Weltkrieg beginnt, über einen despotischen Herrscher führt und dem Aufstreben einer jungen Nation beiwohnt. Zwischen fliegenden Frauen, rachsüchtigen Geistern und besessenen Totengräbern spinnt sich ein Netz der Wahrheit, das die Geschichte einer Familie und eines ganzen Landes einfängt.

Eka Kurniawan: Schönheit ist eine Wunde. Roman Aus dem Indonesischen von Sabine Müller. Unionsverlag, Zürich 2017

Hardcover (ISBN-13: 978-3-293-00521-1ISBN-10: 3-293-00521-7)


Eka Kurniawan: Tigermann

Ein dörfliches Wohngebiet am Rand einer Kleinstadt an Javas Südküste: Jeder kennt jeden, Alteingesessene leben neben neu Zugezogenen, die einen recht gutgestellt, die anderen mühsam um Arbeit und ein Auskommen kämpfend. Die Erzählung beginnt mit der Nachricht von einem brutalen Mord. Margio, ein stiller Junge, zwanzig Jahre alt, als Treiber bei der Wildschweinjagd allseits geschätzt, hat überraschend seinen Nachbarn getötet, nicht mit einer Waffe – er hat ihm vielmehr die Kehle durchgebissen.

Der Roman kreist um die Hintergründe der Tat. Sprachlich präzise, dicht und mit ungewöhnlichen Metaphern lässt Eka Kurniawan Margios Welt entstehen: schwierige Familienverhältnisse, die Beziehungen zwischen den Nachbarn, die Bindung an die Großeltern, Margios Geschick bei der Jagd, die Unsicherheiten der ersten Liebe.

Der Roman bietet eine überzeugende soziale und psychologische Darstellung, wobei der Rekurs auf den Tigermythos ein magisches Element einflicht und mit deren Grenzen spielt.

Tigermann aus dem Jahr 2004 ist beispielhaft für den eleganten Erzählstil von Eka Kurniawan und zeigt ihn als Meister der Beobachtung und psychologischen Deutung.

Der Roman wurde bereits ins Englische, Französische, Italienische und Koreanische übersetzt.

Eka Kurniawan: Tigermann. Reihe Phönixfeder 30
OSTASIEN Verlag

Paperback-Ausgabe, 2015.
ISBN-13: 978-3-940527-92-9 (978-3940527929, 978394052929) ISBN-10: 3-940527-92-0 (3940527920)

Hardcover-Ausgabe, 2016. 
ISBN-13: 978-3-940527-93-6 (978-


Okky Madasari: Gebunden. Stimmen der Trommel

„Gebunden. Stimmen der Trommel“ ist die Übersetzung von Okky Madasaris viertem Roman Pasung Jiwa. Der Roman erschien in Indonesien 2013, und wurde ins Englische, Arabische und von Gudrun Ingratubun ins Deutsche übersetzt, wo er im Jahr 2015 im sujet Verlag erschien. Noch während seines Erscheinungsjahrs 2013 wurde Pasung Jiwa in Indonesien für den Khatulistiwa Literaturpreis nominiert.

Der Roman erzählt die Geschichte zweier Freunde, die in den späten 1990er Jahren während der zu Ende gehenden Regierungszeit des Diktators Suharto ihr Studium abbrechen und eine Straßenband gründen. Sie engagieren sich politisch und werden bei einer Razzia verhaftet.

Schwer traumatisiert durch das, was ihnen im Gefängnis angetan wurde, gehen beide nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis getrennte Wege. Während der transsexuelle Sasana als Sängerin Sasa auf lokalen Bühnen auftritt, muss Jaka sich als Fabrikarbeiter verdingen. Im Zuge der Finanzkrise und dem damit einhergehenden Ende der Regierungszeit des Diktators Suharto Ende der 1990er Jahre wird Jaka jedoch arbeitslos und findet im islamischen Extremismus einen Halt. Bei einem Konzert von Sasa begegnen sich die beiden wieder.

Okky Madasari engagiert sich in diesem Buch gegen Extremismus und Diskriminierung und zeigt, dass in Indonesien auch nach Einführung der Demokratie Bewegungen erstarkt sind, die gesellschaftliche Freiheit und Toleranz akut bedrohen.

Okky Madasari: Gebunden. Stimmen der Trommel. sujet Verlag, 2. Auflage 2017
(ISBN: 978–3-944201–83-2)


Iksaka Banu: Alles für Hindia!

Nur wer sich kritisch mit der Geschichte auseinandersetzt, vermag es, andere Handlungsoptionen zu erkennen und aufzuzeigen, und kann so dazu beitragen, dass Wut und Enttäuschung, Misstrauen und Zweifel, in der Vergangenheit gesät, nicht immer weiter ihre verhängnisvollen Früchte treiben.

In den dreizehn Kurzgeschichten des vorliegendes Bandes führt uns Iksaka Banu auf eine sich über rund drei Jahrhunderte erstreckende Zeitreise durch Hindia. Der indonesische Name Hindia – oder auch Hindia-Belanda – steht für Niederländisch-Indien und bezeichnet den indonesischen Archipel unter der Herrschaft der Niederländer seit Anfang des 17. Jahrhunderts bis zur Unabhängigkeit der Republik Indonesien 1945.

Damit steht der Name auch für die zahlreichen Schauplätze erbitterter Kämpfe zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Kolonialherren, blutiger interethnischer Konflikte, skrupellosen Bestrebens nach Macht und Reichtum, schwelenden politischen und gesellschaftlichen Konflikten geprägt von Verrat, rassistischer Diskriminierung und Bigotterie.

Dass sich der Autor intensiv mit der kolonialen Geschichte seines Heimatlandes auseinandersetzt, spiegelt sich in jeder seiner Erzählungen. Neben einer sorgfältigen Recherche historischer Ereignisse auf der Grundlage historischer Sachbücher und Archivmaterial inspirieren Iksaka Banu literarische Werke indonesischer und internationaler Autoren, aber auch aktuelle Presseberichte und Reportagen.

Iksaka Banu: Alles für Hindia! Gossenberg, Ostasien-Verlag 2020 (ISBN: 978-3-946114-59-8)


Iksaka Banu: Lebewohl, Hindia!

Eine Kurzgeschichte von Iksaka Banu, in der Übersetzung von Sabine Müller

Der alte Chevrolet, in dessen Fond ich saß, verlangsamte seine Fahrt, bis er schließlich am Ende der Noordwijk-Straße vor einer Barrikade aus Bambusstangen zum Stehen kam. Nur einen Augenblick später tauchte, einem Albtraum gleich, von der linken Seite eines Gebäudes her eine Gruppe langhaariger Männer auf, die ihre Waffen auf uns gerichtet hielten…

Rio Johan: Aksara Amananunna

Die 12 Kurzgeschichten dieser Sammlung erzählen von 12 Menschen aus der Zeit der Sumerer bis in das Jahr 8475. Sie alle versuchen, sich etwas Größerem als sich selbst zu stellen. 2014 wurde das Buch vom Magazin Tempo als Prosabuch des Jahres ausgezeichnet.

Rio Johan: Aksara Amananunna. April 2014, Kepustakaan Populer Gramedia (Taschenbuch)


Rio Johan: Amananunnas Schrift

Kurzgeschichte von Rio Johan im Original und in der Übersetzung von Gudrun Ingratubun.

Monate waren vergangen, seitdem Gott die Sprachverwirrung geschickt hatte und Amananunna hatte seine Sprache noch nicht gefunden. Es war als laste ein Fluch auf seiner Schicksalslinie…

Lala Bohang: The Book of Imaginary Beliefs

Wie schon seine beiden Vorgänger „The Book of Invisible Questions“ und The Book of Forbidden Feelings“ ist auch dieser dritte Band der Trilogie „The Book of Siblings“ von Lala Bohang wundervoll mit ihren eigenen Grafiken und ganz in grün illustriert. Die Texte handeln von den Gefühlen der Autorin und geben einen tiefen und bewegenden Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt. Es sind Geschichten über das eigene Ich, das Leben, Einsamkeit, Trauer und Liebe.

Lala Bohang: The Book of Imaginary Beliefs. PT. Gramedia Pustaka Februar Utama, 2019.


Leseproben aus dem Buch zum Download:

Feby Indirani: Bukan Perawan Maria

Der Kurzgeschichtenband Bukan Perawan Maria wurde von dem renommierten indonesischen Dichter und Publizisten Gunawan Mohamad herausgegeben. Die Sammlung von 18 satirischen Geschichten fand nicht nur in Indonesien, sondern auch international große Beachtung und wurde unter anderem von der Deutschen Welle und der BBC besprochen. 2018 erschien das Buch in der englischen Version, im darauf folgenden Jahr in der Übersetzung ins Italienische.

Feby Indiranis Erzählungen sind unkompliziert, beißend, witzig und humorvoll, nicht aufdringlich und nicht provokativ nur um der Provokation willen. Vielmehr veranlassen ihre Geschichten den Leser immer wieder, über sich selbst zu lachen. Mit Phantasie, Witz und viel Verständnis für Fragen des Glaubens lädt Feby uns ein, den Islam neu zu interpretieren. Ihre Dschinns und Engel zeigen uns die magischen Seiten, die Mythen und Märchen des Islam. Diesen Stil bezeichnet Feby Indirani selbst als Magischen Islamismus.

Feby Indirani: Bukan Perawan Maria. Pabrikultur 2017.


Feby Indirani: Die Frau, die ihr Gesicht verlor

Kurzgeschichte von Feby Indirani im Original und in der Übersetzung von Gudrun Ingratubun

Eines Morgens erwachte Annisa und sah in den Spiegel. Da stellte sie fest, dass sie keine Nase mehr hatte….