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Okky Madasari: Gebunden. Stimmen der Trommel

„Gebunden. Stimmen der Trommel“ ist die Übersetzung von Okky Madasaris viertem Roman Pasung Jiwa. Der Roman erschien in Indonesien 2013, und wurde ins Englische, Arabische und von Gudrun Ingratubun ins Deutsche übersetzt, wo er im Jahr 2015 im sujet Verlag erschien. Noch während seines Erscheinungsjahrs 2013 wurde Pasung Jiwa in Indonesien für den Khatulistiwa Literaturpreis nominiert.

Der Roman erzählt die Geschichte zweier Freunde, die in den späten 1990er Jahren während der zu Ende gehenden Regierungszeit des Diktators Suharto ihr Studium abbrechen und eine Straßenband gründen. Sie engagieren sich politisch und werden bei einer Razzia verhaftet.

Schwer traumatisiert durch das, was ihnen im Gefängnis angetan wurde, gehen beide nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis getrennte Wege. Während der transsexuelle Sasana als Sängerin Sasa auf lokalen Bühnen auftritt, muss Jaka sich als Fabrikarbeiter verdingen. Im Zuge der Finanzkrise und dem damit einhergehenden Ende der Regierungszeit des Diktators Suharto Ende der 1990er Jahre wird Jaka jedoch arbeitslos und findet im islamischen Extremismus einen Halt. Bei einem Konzert von Sasa begegnen sich die beiden wieder.

Okky Madasari engagiert sich in diesem Buch gegen Extremismus und Diskriminierung und zeigt, dass in Indonesien auch nach Einführung der Demokratie Bewegungen erstarkt sind, die gesellschaftliche Freiheit und Toleranz akut bedrohen.

Okky Madasari: Gebunden. Stimmen der Trommel. sujet Verlag, 2. Auflage 2017
(ISBN: 978–3-944201–83-2)


Okky Madasari: Auszug aus dem Roman „Gebunden. Stimmen der Trommel“

18. September 2003

Mein ganzes Leben ist eine Falle.

Mein Körper war meine erste Falle. Die nächste meine Eltern, dann alle anderen Menschen, die ich kannte. Weiterhin alle Dinge, mit denen ich in Berührung kam, alles was ich je getan habe. All dies sind Fallen, die sich wie ein roter Faden durch mein Leben ziehen. All dies sperrt mich ein, fesselt mich –, hohe Mauern, in denen ich in meinen 30 Lebensjahren gefangen bin.

Jetzt bin ich hier. In einer Falle, die mit bloßem Auge erkennbar ist.

Von tatsächlichen Mauern umschlossen. Eingesperrt, hinter Gittern, im Gefängnis. Ich weiß nicht wie lange.

Vielleicht werde ich genug Willenskraft haben, meinen Weg weiterzugehen, warten bis der Tag der Freilassung kommt – obwohl es keine wirkliche Befreiung sein würde. Denn wenn dieser Tag käme, würde ich nur wieder in eine andere Falle geraten.

Oder aber ich beende alles, renne weg, so weit es geht. Renne davon, um meinen Körper zu verlassen, die mich begrenzenden Mauern zurückzulassen, mein Leben hinter mir zu lassen.

Ich weiß es noch nicht. Wenn ich diese Geschichte morgen fortsetze, bedeutet es, dass ich noch da bin. Dass ich gewählt habe, in meinem eigenen Leben weiterhin in der Falle zu sitzen, gewählt habe, eingesperrt und gefangen zu sein. Gewählt habe, nicht in Freiheit zu sein, weil ich mich offen gestanden zu sehr vor dieser Freiheit fürchte, da ich schon gewohnt bin, gefangen zu sein, es mir zur Gewohnheit geworden ist, über meine Fesseln zu klagen.

Aber wenn diese Geschichte morgen nicht weitergeht, könnt ihr mit mir zusammen glücklich sein. Ich werde dann frei sein. Ich werde keine Angst mehr haben. Ich werde mich dann nicht mehr fügen; nicht mehr kapitulieren, weil ich Angst habe. Ist das nicht die wahre Freiheit?

Sasana

Die Falle des Körpers

Die erste Stimme, die ich je kennengelernt habe, war die Stimme des Klaviers. Nicht die Stimme meiner Mutter, auch nicht die meines Vaters. Das erste Mal, als ich diese Stimme hörte, befand ich mich noch in der Gebärmutter meiner Mutter. Ich hörte sie nicht nur, ich kannte die Töne und konnte sie unterscheiden. Ich konnte kräftige, stampfende Töne fühlen, die mich immer aufweckten und in Bewegung versetzten. Bei sanften Tönen hingegen wiegte ich mich hin und her, schlief fest ein, konnte ruhig schlafen.

Keine andere Stimme hörte ich so. Ich hatte meine Mutter nie flüstern, meinen Vater nie schreien hören. Die Stimmen meiner Eltern lernte ich erst richtig kennen, als ich zur Welt kam. Doch zu dieser Zeit hörte ich dann zu viele Stimmen. Laut, sich überlagernd, flüchtig. Bis ich eigentlich nichts mehr wirklich hören konnte. Nicht die Stimme meiner Mutter, nicht die Stimme meines Vaters, auch nicht den Klang des Klaviers.

Zu dieser Zeit bereute ich schon, geboren worden zu sein. Die Welt war nicht für mich. Die Welt brauchte mich nicht. Nichts bereitete mir Freude. Ich schien am falschen Ort zu sein. Immer machte ich alles falsch.

So wie der Klang des Klaviers das erste war, was ich kennenlernte, so war das Klavier auch die erste Sache, die meine Eltern mir zeigten, nachdem ich geboren war. Es machte ihnen eine große Freude, mich vor das Klavier zu setzen und meine Hände zu führen, um die einzelnen Tasten herunterzudrücken. Ich mochte das nicht, ganz im Gegensatz zu meinen Eltern. Sie lachten immer und sahen glücklich aus, wenn ich eine Taste anschlug und zum Klingen brachte. Ich tat dies jeden Tag, wenn nicht sogar den ganzen Tag lang. Es gibt nichts anderes aus meiner frühen Kindheit, an das ich mich erinnere, außer dem Klavier.

Als ich schon kein Baby mehr war, meine Kindheit begann, ließen meine Eltern einen Klavierlehrer kommen, um mich zu unterrichten. Dieser Lehrer kam zweimal in der Woche nachmittags. An den Tagen, an denen dieser Klavierlehrer kam, wurde ich immer nachmittags früher als sonst gebadet. Meine Kinderfrau brachte mich dann ins Wohnzimmer, wo das Klavier meiner Familie stand. Jeweils eine Stunde lang unterrichtete mich dieser Lehrer. Ich hatte keinen Spaß daran. Der Klang des Klaviers war in meinen Ohren nicht mehr schön. Er war zu einem störenden Geräusch geworden, das mir das Gefühl gab, getrieben zu werden, oder in einem Raum gefangen zu sein. Was konnte ich tun? Es gab nichts, was ich hätte tun können. Ich war ein kleiner Junge, hatte keine Macht, konnte nur tun, was meine Eltern von mir verlangten. So spielte ich weiter Klavier.

Sieben Lehrer haben mich unterrichtet. Jeder Lehrer hörte aus einem anderen Grund auf, mir Unterricht zu geben. Einer wollte heiraten, eine Lehrerin wurde schwanger und bekam ein Kind, ein weiterer Lehrer zog in eine andere Stadt, der nächste fand eine andere Anstellung und einem wurde es sogar zu langweilig. Langeweile. Es imponierte mir, dass jemand aufhörte etwas zu tun, weil er es langweilig fand. Leider war mir das nicht vergönnt. Mir war langweilig, aber ich hörte nicht auf, Klavier zu spielen. Ich hatte keinen Spaß daran, hatte aber keine andere Wahl.

Als ich in die Grundschule kam, beherrschte ich bereits die Werke der klassischen Komponisten: Beethoven, Chopin, Mozart, Bach, Brahms … Welchen großen Komponisten ihr mir auch genannt hättet, ich hätte ihn spielen können. Ich konnte all diese Stücke spielen. Schön sogar. Wenn ich spielte, benutzte ich allerdings nur meinen Verstand – nicht mein Gefühl. Klavier spielen hieß, ein Gerät bedienen, dachte ich zu jener Zeit. Wenn es nur darum ging, den Anweisungen eines Lehrers zu folgen, gelang mir dies mit Leichtigkeit. Obwohl es mir eigentlich keinen Spaß machte und ich mich dabei quälte, als sei in mir drin etwas falsch und mit allen Dingen um mich herum auch. Wie gesagt, ich fühlte mich immer fehl am Platz.

Auch Beifall und lobende Worte konnten mir nicht das Gefühl geben, am rechten Platz zu sein. In ziemlich jungen Jahren schon, ich war gerade in die vierte Klasse gekommen, hatte ich also bereits dutzende Male vor vielen Leuten Klavier gespielt. Von der Schule bis zum Einkaufszentrum. Manchmal nur zur Übung, manchmal im Rahmen eines Wettbewerbs. Meine Pokale standen alle in einer Reihe aufgereiht. Meine Fotos waren gerahmt und aufgehängt. In der Schule zählte ich immer zu den zehn Kindern mit den besten Noten. Ich war der Stolz meiner Eltern und ein Vorbild für Andere.

Als ich eben in dieser vierten Klasse war, wurde mein Geschwisterchen geboren. Ein hübsches Mädchen mit vollen, zarten Wangen. Ihr Körper war winzig, ihre Augen groß. Ich bewunderte sie. Ich liebte sie mehr als alles andere. Ich war sehr gern in ihrer Nähe. Es machte mir großen Spaß, sie anzuschauen, ihr Verhalten zu beobachten, ihr Lächeln zu sehen. Es fiel mir jedes Mal auf, wenn man ihr ein neues Kleidungsstück anzog, rosa Kleider, süße Schühchen. Jetzt gab es etwas anderes, abgesehen vom Klavier und dessen Klang, an das ich mich erinnerte: Melati. Ein wunderschöner Name, nicht wahr?

Melati. Wie gern ich diesen Namen wieder und wieder aussprach. Er war so anders als mein eigener Name: Sasana. Überhaupt nicht schön. Zu grimmig, zu hart. Mein Name erinnerte mich immer an Kampf und Blut. Wie ein Boxring. Aber meine Mutter bestritt immer, dass dies die Bedeutung meines Namens sei. Für sie bedeutete Sasana Männlichkeit, Mut, Stärke.

Melati wurde so erzogen wie ich. Doch ihr Leben schien ihr mehr Spaß zu machen. Immer lächelte und lachte sie. Von Tag zu Tag sah man mehr Schönheit in ihrem Gesicht. Wie ich wurde auch sie zuerst mit dem Klavier vertraut gemacht.

Dem Klavier kam in unserem Elternhaus in der Tat eine besondere Rolle zu. Für meine Eltern war das Klavierspiel eine Tradition, der die höchste Achtung gebührte. Ich selbst frage mich, woher ihre Ehrerbietung kam. Meine Eltern sind keine Musiker. Sie können zwar Klavier spielen, sind bei den Anfängen geblieben, weit entfernt von dem, was ich bereits in der vierten Klasse konnte. Auch ihre Berufe haben nichts mit Musik zu tun. Mein Vater ist Jurist und meine Mutter Chirurgin. Sie haben sich während des Studiums kennengelernt. Ihre gemeinsame Vorliebe für klassische Musik, die Freude an der Diskussion ernsthafter Themen von Politik bis Philosophie vereinte sie. Nachdem sie geheiratet und ein Haus gekauft hatten, war das Klavier, das wir bis heute besitzen, ihre erste Anschaffung. Etwas Besonderes für ein junges Paar, das gerade von niemanden mehr abhängig war. Sie bezahlten das Klavier in zwanzig Raten ab. Sie waren überzeugt, dass es ihnen sehr nützlich sein würde. Nicht nur für ihrer beider Glück, sondern auch für die Zukunft ihrer Kinder. Sie waren überzeugt, dass die auf diesem Klavier gespielte Musik ihren Kindern Intelligenz geben würde. Diese Überzeugung hatten sie aus Büchern gewonnen, die sie gelesen hatten. Melati und ich waren die Verwirklichung dieser Überzeugung. Und ich hatte den Beweis schon erbracht. Ein guter Junge, folgsam, liebevoll und klug. Zudem spielte ich sehr gut Klavier, wovon beide besessen waren. Sie liebten mich und waren stolz auf mich. Der erstgeborene, der einzige Junge. Bis ich mich zu verändern begann.

Ich weiß nicht mehr genau, wie es anfing. Es waren Schulferien. Ich hatte gerade sechs Jahre Grundschule hinter mir und war bereit für die Mittelschule. An jenem Abend war ich in einem Dorf hinter unserem Wohnkomplex. Ich stand zwischen Dutzenden Männern und Frauen und sah mir einen Auftritt an. Eine Frau in einem schillernden Kleid stand auf der Bühne. Sie hatte soeben ein Lied zu Ende gesungen. Sie sah die Zuschauer eindringlich und kokett an, was die Zuschauer sogleich mit Jubel und Beifall bedachten. Einige Leute riefen: „Zugabe! … Zugabe!“. Die Rufe wurden lauter. Das Publikum verlor fast die Geduld. Die Sängerin lächelte glücklich, spürte wie begehrt sie war. Die Trommel wurde geschlagen, die Gitarre gezupft, die Musik setzte ein. Musik, die ich nie zuvor gehört hatte. Ganz anders als die Kompositionen, die ich spielte, anders auch als die Stücke, die ich sonst hörte. Dann sang die Sängerin ein Lied, das mir völlig unbekannt, aber nicht fremd war. Es ging mir sofort ins Ohr, sein Text prägte sich mir mühelos ein.

So trällerte ich inmitten der singenden Menge der Stimme der Sängerin folgend dieses Lied mit:

Einmal habe ich im Riapark Musik erlebt
Der malaiische Rhythmus, Duhai, sehr angenehm
Der malaiische Rhythmus, Duhai, sehr angenehm

Die Flöte war aus Bambus, die Trommel aus Rindsleder
Dangdut, Stimme der Trommel, animiert mich zum Mitsingen
Dangdut, Stimme der Trommel, animiert mich zum Mitsingen

Terajana … terajana
Dies ist ein Lied, ein Lied aus Indien
Ei, so süß seine Melodie, ei, so süß seine Melodie
Süß die Stimme des Sängers
Passend zu seinem schönen Outfit.

In meiner Begeisterung bin ich schier bewusstlos
Die Hüfte schwingt zur Stimme, die mich zum Singen bringt
Die Hüfte schwingt zur Stimme, die mich zum Singen bringt

Die Frau sang und bewegte sich dazu im Takt. Solche Körperbewegungen hatte ich noch nie gesehen. Die Stimme der Gitarre und die Trommel wurden eins – schön und voller Leidenschaft. Auch die Leute um mich herum bewegten sich nun im Takt zur Musik. Die Köpfe neigten sich nach vorn, zur Seite, guckten herausfordernd, während der Mund weiterhin mitsang.

Mein Körper wiegte sich, zunächst sanft. Ich war mir nicht bewusst, dass ich tanzte. Am Anfang war es nur eine leichte Bewegung, dann bewegte sich mein Arm, mein Körper neigte sich nach links und nach rechts. Ich ahmte die Tanzbewegungen meiner Nachbarn nach und rief auch mit ihnen: „Uoooo!”, „Ahoooo!“, oder „Ah… ah… ah…!” und tanzte, war wie in Trance. Trieb dahin. Genau wie es in diesem Lied beschrieben wurde:

In meiner Begeisterung bin ich schier bewusstlos
Die Hüfte schwingt zur Stimme, die mich zum Singen bringt
Die Hüfte schwingt zur Stimme, die mich zum Singen bringt

Ich schloss die Augen ein ums andere Mal und genoss diese Momente sehr. Plötzlich zog mich jemand am Arm, sehr grob. Ich erschrak und erkannte meine Mutter. Sie hatte mich am Arm gepackt. Wortlos zerrte sie mich hinter sich her durch die Zuschauermenge und stieß mich ins Auto. Sie war mit dem Auto gekommen, obwohl sie den kurzen Weg hierher auch hätte zu Fuß gehen können. Auch ich war ja zu Fuß hergekommen, allein, zum ersten Mal. Viele Dinge erlebte ich an jenem Abend zum ersten Mal. Jener Abend war der schönste meiner zwölf Lebensjahre gewesen. Ich würde ihn nie vergessen und nie damit abschließen. Obwohl ich seine Folgen ertragen musste.

Übersetzung von Gudrun Ingratubun aus: Okky Madasari: Gebunden. Stimmen der Trommel. sujet Verlag, 2. Auflage 2017, (ISBN: 978–3-944201–83-2)

© sujet Verlag

Okky Madasari: Kutipan dari „Pasung Jiwa“

18. September 2003

Seluruh hidupku adalah perangkap.

Tubuhku adalah perangkap pertamaku. Lalu orangtuaku, lalu semua orang yang kukenal. Kemudian segala hal yang kuketahui, segala sesuatu yang kulakukan. Semua adalah jebakan-jebakan yang tertata di sepanjang hidupku. Semuanya mengurungku, mengungkungku, tembok-tembok tinggi yang menjadi perangkap sepanjang tiga puluh tahun usiaku.

Sekarang aku di sini. Dalam perangkap yang terlihat mata. Diimpit tembok-tembok tinggi yang sebenarnya. Terkurung, tertawan, terpenjara. Entah berapa lama.

Mungkin aku akan tabah menjalaninya. Menunggu hingga hari pembebasanku tiba—walaupun bukan hari pembebasan yang sebenarnya. Karena saat hari itu tiba, aku akan kembali masuk ke perangkap-perangkap lainnya.Atau mungkin aku akan mengakhiri semuanya, lari sejauh- jauhnya. Lari meninggalkan tubuhku, meninggalkan tembok- tembok yang mengungkungku, meninggalkan hidupku.

Aku masih belum tahu. Jika besok pagi aku masih melanjutkan cerita ini, itu berarti aku masih ada di sini. Memilih terperangkap dalam hidupku sendiri, memilih terkurung dan tertawan. Memilih untuk tak mendapatkan kebebasan, karena sesungguhnya aku terlalu takut untuk mendapat kebebasan itu. Sebab aku terbiasa tertawan, sebab aku terbiasa meratap dalam kungkungan.

Tapi jika ceritaku tak berlanjut esok pagi, ikutlah berbahagia! Aku telah bebas. Sebab aku tak lagi takut. Sebab aku tak lagi menyerah dan berserah karena takut. Bukankah itu kebebasan yang sesungguhnya?

Sasana

Perangkap Tubuh

Suara pertama yang kukenal adalah denting piano. Bukan suara ibuku, bukan pula suara ayahku. Pertama kali aku mendengar suara itu saat masih berada di rahim ibuku. Tak hanya mendengar, aku bisa mengenali dan membedakannya. Aku bisa merasakan nada yang mengentak, yang membuatku selalu terbangun dan bergerak-gerak. Aku terbuai oleh nada- nada lembut, yang membuatku terlelap, tidur dengan tenang.

Tak ada suara lain yang benar-benar kudengar seperti itu. Aku bahkan tak pernah benar-benar mendengar apa yang dibisikkan ibuku, juga yang diteriakkan ayahku. Aku baru benar-benar mengenali suara orangtuaku saat aku lahir ke dunia. Tapi saat itu pula, aku bisa mendengar terlalu banyak suara. Berisik, tumpang-tindih, acak-acakan. Hingga tak ada lagi yang bisa benar-benar kudengarkan. Tidak suara ibuku, tidak suara ayahku, tidak pula denting piano.

Saat itu aku sudah menyesal kenapa aku harus dilahirkan. Dunia bukan untukku. Dunia tak membutuhkanku. Aku tak menyukai semuanya. Aku seperti berada di tempat yang salah. Dan selalu salah.

Jika bunyi piano adalah suara yang pertama kali kukenali saat berada dalam rahim ibuku, piano pula benda pertama yang dikenalkan Ayah dan Ibu setelah aku lahir. Mereka suka sekali mendudukkan aku di depan piano, menuntun tanganku untuk memencet-mencet tiap tutsnya. Aku tak menyukainya. Tapi orangtuaku sebaliknya. Mereka selalu tertawa dan terlihat bahagia setiap aku bisa memencet dan membunyikannya. Aku melakukannya setiap hari, jangan-jangan juga sepanjang hari. Tak ada lagi yang bisa kuingat dari masa kecilku selain piano itu.

Ketika aku sudah bukan lagi bayi dan memasuki masa kanak-kanak, orangtuaku mendatangkan seorang guru piano untuk mengajariku. Guru itu datang seminggu dua kali pada sore hari. Pada hari-hari guru itu datang, aku selalu dimandi- kan lebih awal. Lalu pengasuhku membawaku ke ruang tengah, tempat piano keluargaku berada. Hanya satu jam guru itu mengajariku. Tapi rasanya sangat lama. Aku tak menyukainya. Bunyi piano tak lagi indah menyapa telingaku. Ia kini telah menjelma jadi bunyi-bunyian yang mengganggu, yang membuatku selalu merasa dikejar-kejar atau terkurung dalam ruangan. Apa yang harus kulakukan? Tak ada. Aku laki-laki kecil tak berdaya, yang hanya bisa melakukan setiap hal yang orangtuaku tunjukkan. Aku terus memainkan piano itu.

Sudah tujuh guru yang mengajariku. Setiap guru berhenti dengan beragam alasan. Ada yang hendak menikah, ada yang hamil dan punya anak, ada yang pindah kota, ada yang punya pekerjaan baru, juga ada yang berhenti karena bosan. Bosan. Senang sekali mendengar seseorang bisa berhenti melakukan sesuatu karena bosan. Tapi sayangnya tidak denganku. Aku bosan, tapi tak berhenti melakukan. Aku tak suka, tapi harus selalu bisa.

Saat masuk sekolah dasar, aku sudah mahir memainkan komposisi-komposisi klasik dunia. Beethoven, Chopin, Mozart, Bach, Brahms… Sebutkan saja! Aku bisa memainkan semuanya dengan indah. Aku bermain dengan menggunakan akalku, bukan dengan perasaanku. Memainkan piano hanya soal menggunakan alat, pikirku saat itu. Kalau sekadar mengikuti apa yang diajarkan guru, aku dengan mudah melakukannya. Meski sebenarnya aku tak suka dan selalu tersiksa. Seperti ada yang selalu salah dalam diriku dan semua yang ada di sekelilingku. Seperti yang tadi aku katakan, aku selalu merasa seperti berada di tempat yang salah.

Tepuk tangan dan kata-kata pujian tak pernah membuatku merasa telah melakukan sesuatu yang benar. Pada usia yang sangat muda, baru naik kelas 4 SD, aku sudah puluhan kali memainkan piano di depan banyak orang. Di sekolah sampai di pusat-pusat perbelanjaan. Untuk hanya sekadar latihan hingga untuk lomba. Piala-pialaku berjajar, foto-fotoku dipamerkan. Di sekolah, aku selalu termasuk sepuluh murid yang paling pintar. Aku adalah kebanggaan, aku pujaan semua orang.

Saat aku kelas 4 SD itu, adikku lahir. Bayi perempuan yang cantik. Pipinya montok dan halus. Badannya mungil, matanya lebar. Aku mengaguminya. Aku mencintainya lebih dari apa pun. Aku senang berada di dekatnya. Aku senang memperhatikannya, melihat tingkahnya, mengamati senyum- nya. Aku memperhatikan setiap pakaian yang dikenakannya. Baju-baju warna merah jambu, sepatu-sepatu lucu. Kini ada sesuatu yang bisa kuingat selain piano dan nada-nada itu: Melati. Nama yang indah, bukan?

Melati. Aku suka mengucapkannya berulang kali. Berbeda sekali dengan namaku: Sasana. Sama sekali tak indah. Terlalu garang, terlalu keras. Selalu mengingatkanku pada perkelahian dan darah. Seperti tempat orang bertinju. Tapi ibuku selalu meyakinkan bukan itu arti namaku. Sasana bagi dia adalah kejantanan, keberanian, keperkasaan.

Melati dibesarkan dengan cara yang tak berbeda denganku. Tapi sepertinya hidupnya lebih menyenangkan. Dia selalu tersenyum dan tertawa. Dari hari ke hari, semakin terlihat kecantikan di wajahnya. Sama sepertiku, piano adalah benda yang pertama kali dikenalkan padanya.

Piano memang benda istimewa di rumah ini. Bagi ayah dan ibuku, memainkan piano adalah bagian tradisi yang harus dijunjung tinggi. Aku sendiri heran kenapa mereka sampai bersikap seperti itu. Ayah dan ibuku bukan pemain musik. Mereka memang bisa memainkan piano. Tapi permainan mereka hanya sekadarnya, jauh berbeda dengan kemampuanku saat kelas 4 SD. Pekerjaan mereka sehari-hari juga jauh dari musik. Ayahku ahli hukum, ibuku dokter bedah. Mereka bertemu saat masih kuliah. Sama-sama mencintai musik klasik, sama-sama suka berdiskusi tentang hal-hal berat, dari politik hingga filsafat. Setelah menikah dan punya rumah, benda pertama yang mereka beli adalah piano yang sekarang kami miliki. Sebuah barang mewah untuk pasangan muda yang tak lagi mengandalkan siapa-siapa. Piano itu dibeli dengan dicicil dua puluh kali. Mereka percaya, benda ini akan sangat berguna. Tak hanya untuk kebahagiaan mereka berdua, tapi juga demi masa depan anak-anak mereka. Mereka yakin, musik yang dimainkan dengan piano itu akan memberikan kecerdasan pada anak-anak mereka. Itu keyakinan yang mereka dapat dari buku-buku yang mereka baca. Aku dan Melati menjadi perwujudan keyakinan itu. Dan aku telah memberikan buktinya. Anak laki-laki yang baik, penurut, penuh kasih sayang, dan cerdas. Lebih dari itu, aku pandai bermain piano. Hal yang menjadi obsesi mereka berdua. Akulah anak ke- sayangan dan kebanggaan. Anak pertama, laki-laki satu-satunya. Hingga kemudian aku mulai berulah.

Aku tak ingat bagaimana awalnya. Saat itu sedang masa libur sekolah. Aku baru lulus SD, bersiap masuk SMP. Ma- lam itu aku sudah berada di kampung di belakang kompleks rumahku, berdiri di antara puluhan laki-laki dan perempuan, menonton sebuah pertunjukan. Seorang perempuan berbaju gemerlap berdiri di panggung. Ia baru selesai menyanyikan satu lagu. Menyapa penonton dengan akrab dan genit, yang langsung disambut sorakan dan tepuk tangan penonton. Beberapa orang mulai berteriak, ”Lagi… lagi…!” Teriakan semakin keras, penonton sudah tak sabar. Si penyanyi tersenyum senang, merasa ia begitu diinginkan. Gendang ditabuh, gitar dipetik, musik mulai dimainkan. Musik yang tak pernah kudengar sebelumnya. Yang sangat berbeda dengan komposisi- komposisi yang kumainkan, juga lagu-lagu yang aku dengar- kan. Lalu penyanyi itu mulai menyanyikan lagu yang juga belum pernah aku tahu. Tapi entah kenapa lagu itu seperti tak asing buatku. Lagu itu langsung akrab di telingaku, bahkan liriknya dengan mudah kuhafalkan.

Kini aku ikut bersenandung di antara penonton yang semuanya bernyanyi, mengikuti suara si penyanyi.

Pernah aku melihat musik di Taman Ria Iramanya melayu duhai
sedap sekali Iramanya melayu duhai sedap sekali

Sulingnya suling bambu, gendangnya kulit lembu Dangdut suara
gendang rasa ingin berdendang Dangdut suara gendang rasa ingin
berdendang

Terajana… terajana Itu lagunya lagu India Hai
merdunya… hai merdunya Merdu suara oh penyanyinya
Serasi dengan indah gayanya

Karna asyiknya aku hingga tak kusadari Pinggul bergoyang-goyang
rasa ingin berdendang Pinggul bergoyang-goyang rasa ingin
berdendang

Perempuan itu menyanyi sambil menggoyangkan badannya. Goyangan yang tak pernah kusaksikan. Suara gitar, gendang, seruling… semua berpadu indah dan bergairah. Orang-orang di sekelilingku juga ikut bergoyang. Kepala mereka menunduk, miring, menengadah, sambil mulut tetap terus menyanyi.

Perlahan tubuhku mulai bergerak. Tanpa aku sadari aku ikut bergoyang. Awalnya hanya goyangan kecil, lalu tanganku mulai bergerak, lalu tubuhku meliuk ke kanan dan ke kiri, lalu seluruh tubuhku. Aku menirukan goyangan orang-orang di sekitarku, mengikuti suara-suara yang mereka keluarkan seperti ”Uoooooo”, ”Ahoooo”, atau ”Ah… ah… ah…” Aku terus bergoyang. Aku terbius. Aku melayang. Persis seperti yang dikatakan dalam lagu itu:

Karna asyiknya aku hingga tak kusadari
Pinggul bergoyang-goyang rasa ingin berdendang
Pinggul bergoyang-goyang rasa ingin berdendang

Sesekali aku memejamkan mata dan merasakan nikmat yang berbeda. Saat mataku terpejam, tiba-tiba tanganku ditarik orang. Tarikan yang sangat kasar. Aku tergelagap. Baru kemudian aku sadari siapa yang menarik tanganku: ibuku. Tak ada kata-kata yang Ibu ucapkan. Aku ditarik membelah kerumunan orang, dibawa masuk ke mobil. Ibu menjemputku dengan mobil, meski sebenarnya tempat ini tak terlalu jauh dari rumahku. Karena itu aku bisa datang ke sini sendiri dengan jalan kaki, walaupun baru pertama kali.

Ya, ini baru pertama kali. Banyak sekali hal pertama yang kudapatkan malam ini. Malam ini adalah malam terindah dalam 12 tahun usiaku. Aku tak akan melupakan dan menyesalinya. Meski aku harus menanggung akibatnya.

Sumber: Okky Madasari: Pasung Jiwa. Apa Itu Kebebasan? Gramedia Pustaka Utama, Jakarta
(ISBN: 2015 978-602-03-2220-9 )

Triyanto Triwikromo: Das Wirrwarr der Verwandlung

Als Franz Kafka eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett in ein Rind verwandelt. Gewiss erschrak er, wälzte sich hin und her. Ihm wurde bewusst, dass er selbst – in der Gestalt eines Tierkörpers mit Buckel und Wamme – das Zimmer ausfüllte, was ihm kaum noch Raum für Bewegung ließ.

„Das ist bestimmt ein Traum. Es war doch Gregor Samsa gewesen, der sich in ein Ungeziefer, einen riesigen Mistkäfer verwandelt hatte. Nicht ich selbst. Und in ein Rind hätte ich mich bestimmt nicht verwandeln mögen“, murmelte Kafka, „Was wäre an einem Rind schon interessant?“

„Daran ist doch nichts Merkwürdiges“, sagte ein Tier mit aufgeblähtem Bauch, panzerartiger Rückenplatte und einer Vielzahl von Beinen, das ihm als der verwandelte Gregor Samsa vertraut war. Es krabbelte in Kafkas Ohr und flüsterte: „Ich habe mich in einen Mistkäfer verwandelt und niemand stört sich daran.“

„Doch merkwürdig: Wie würden die Leute wohl reagieren, wenn sie erführen, dass ein Mann jüdischer Herkunft, am 3.Juli 1883 in Prag geboren, von keinem Regime der Welt verfolgt, sich plötzlich in ein Buckelrind verwandelt hätte? Hat etwa die Bourgeoisie sich gegen mich verschworen und mein Denken derart beeinflusst, dass ich mich selbst als Rind sehe?“

„Oh“, sagte Gregor Samsa, seine Fühler flink hin und her bewegend, „denke nicht wie ein ängstlicher Dichter! Du hast Der Verschollene, Der Prozess, Das Schloss und Die Verwandlung geschrieben. Doch deine Werke bringen lediglich deine Angst zum Ausdruck. Angst, beiseite gedrängt zu werden. Angst, nicht genügend Raum zum Leben zu haben. Angst, zu sterben. Angst, als Dichter vergessen zu werden.“

Kafka fühlte sich verletzt, hörte Gregor Samsas Worten jedoch weiterhin zu.

„Denke wie ein Versicherungsangestellter! Nimm an, dass alle Menschen dumm sind, sich keine Gedanken machen, was Versicherungsagenten tun. Denn dann kannst du jeden überzeugen, obwohl du ein Rind geworden bist: Ich bin Kafka. Ein perfekter Schriftsteller. Bin nicht impotent und gebe immer das Beste für meine Leser.“

„Nichtsdestotrotz bin ich ein Rind, das Schwierigkeiten hat, aufrecht zu stehen“, erwiderte Kafka, „und du bist nur ein winziger Mistkäfer.“

Gregor Samsa schwieg. Er war nicht ansatzweise imstande, Kafka bei frostigen 2 Grad Celsius aus seinem Zimmer in der Heidestraße in Berlin-Zehlendorf herauszuziehen.

„Wäre ich doch nur ein riesiger Mistkäfer, dann könnte ich dich aus dem Zimmer zerren“, lamentierte Gregor Samsa. „Leider bin ich nur ein sehr kleines Tier. Dann brauche ich nur zu Gott zu beten, er möge dich in eine winzige Kuh verwandeln und mich in einen riesigen Mistkäfer.“

Kafka fühlte seinen widerwärtigen Buckel und versuchte erneut, aufzustehen, scheiterte aber. Er rief nach Dora, aber die Antwort seiner Geliebten stimmte ihn missmutig.

„Muhe doch nicht wie ein Rind, Liebling“, sagte Dora, „Schlaf wieder ein!“

Oh, sogar Dora hält mich für ein Rind, dachte Kafka. Wie beschämend, wenn sie dieses Tier mit Buckel, Wamme und dem Maul voller Speichel im Zimmer ihres Geliebten entdeckt. Ich muss sofort eine Strategie entwickeln, wie ich dieses Problem lösen kann. Und diesen Plan kann nur ein Rind ausführen. Weil allerdings nur Gregor Samsa meine Stimme hören kann, werde ich meine Bitte an diesen idiotischen reisenden Handelsvertreter richten.

„Gregor“, rief Kafka, „ich bin davon überzeugt, mich irgendwann in einen Menschen zurück zu verwandeln. Ist dies geschehen, bitte ich dich um Folgendes: Erstens, all meine handschriftlichen Werke zu retten. Zweitens, all meine bereits gedruckten und zu druckenden Werke einschließlich der Meditationen zu verbrennen. Es ist mein Wunsch, dass die Verehrer meiner Literatur durch das Lesen meiner Werke dümmer werden. Drittens  möchte ich dir mitteilen, dass Die Verwandlung wirklich ein Werk für den Müll ist. Lese sie niemals – am allerwenigsten, wenn du mit der Bahn fährst.“

Gregor, der noch in Kafkas Ohr saß, nickte. Er dachte, Kafka hätte sich eigentlich in eine Erbse verwandeln sollen oder in eine Erdnuss im Teigmantel. Wir könnten dann leicht auf die Straße rollen, wenn das von Kafka gemietete Haus in Flammen aufginge. Ich halte Erbsen und Erdnüsse bei weitem für mehr sexy als bucklige Tiere.

Zunehmend verwirrt durch diese Situation, die sich nicht sogleich wieder normalisierte, summte Gregor: „Deine Geschichte ist mir gleichgültig. Sollten wir nicht versuchen, den besten Weg zu finden, wieder Menschen zu werden?“

„Wieder Menschen zu werden?“, kicherte Kafka, „Glaubst du noch, dass die Menschen die edelsten Geschöpfe sind?“

„Gewiss“, entgegnete Gregor Samsa, der sich in seiner menschlichen Würde durch seine Tiergestalt erniedrigt fühlte.

„Du irrst dich, Gregor“, erklärte Kafka. „Vielleicht sind die Menschen sogar die verachtenswertesten Geschöpfe geworden und Gott hat uns deshalb in Tiere verwandelt.“

„Nun, wenn der Mensch schon als stinkendes Geschöpf betrachtet wird, warum verwandelst du dich nicht einfach in ein Nashorn und ich in einen Schmetterling?“

„Warum müssen es gerade ein Nashorn und ein Schmetterling sein?“

„Was stört dich denn an einem Nashorn und einem Schmetterling?“

„Glaubst du, dass ich, nachdem wir ein Nashorn und Schmetterling geworden sind, nach dem Aufwachen immer noch ein Nashorn sein werde und du ein Schmetterling? Oder glaubst du, dass wir morgen früh immer noch dasselbe Nashorn und derselbe Schmetterling sein werden? Ich denke, es ist sinnlos, jetzt zu diskutieren, was wir werden möchten? Adam hat auch nie gefragt, warum er Adam werden musste, warum der Wind der Wind wurde, der Nebel der Nebel und Jesus Jesus. Wir sollten uns lieber Gedanken machen, wie wir aus dieser misslichen Lage herauskommen.“

Franz Kafka und Gregeor Samsa verfielen in tiefes Nachdenken.

„Wie wäre es, wenn du deinem engen Freund Max Brod einen Brief schreibst, ob er uns aus dieser absurden Situation befreien kann?“

„Einen Brief schreiben? Rede kein dummes Zeug! In meinem Zustand kann ich unmöglich Briefe schreiben.“

Gregor Samsa war über Kafkas Antwort amüsiert. Er wunderte sich, warum er selbst noch sein menschliches Gehirn benutzte, obwohl er ein Mistkäfer geworden war. Aber er wollte nicht in ein verwirrendes Gedankenlabyrinth geraten. Deshalb ermunterte er Kafka, noch intensiver nachzudenken.

„Eigentlich ist es einfach, uns aus dieser absurden Situation zu befreien“, sagte Gregor. „Wir werden unsere Situation nicht als absurd empfinden, wenn wir alles, was uns passiert, für normal halten.“

„Wie meinst du das?“

„Du wirst meine Absicht verstehen, nachdem du einige Fragen beantwortet hast. Erstens, ist das Zimmer, in dem wir uns jetzt befinden, für dich der Himmel? Wenn ja, dann bedeutet es, dass wir uns daraus nicht befreien müssen. Wir akzeptieren unser Schicksal, ein Rind und ein Mistkäfer geworden zu sein. Zweitens, ist es dir wichtig, dass der Welt berichtet wird, dass Kafka noch lebt, von der Tuberkulose geheilt ist und lächerliche Geschichten über die Vertreibung der Juden schreibt? Wenn nicht, müssen wir niemanden darum bitten, ein Rind und einen Mistkäfer in Menschen zu verwandeln. Drittens, möchtest du noch immer der Welt erzählen, dass es Kafkas sehnlichster Wunsch ist, ein Kampfhund zu werden? Wenn nicht, lass uns einfach unser Leben in Ruhe in diesem Zimmer verbringen. Meditieren, bis wir alt werden. Bis niemand mehr unseren Zustand beachtet.“

Kafka bemühte sich, Gregor Samsas Fragen und Erkenntnisse zu interpretieren.

„Ich weiß keinerlei Antwort auf deine drei Fragen“, sagte Kafka. „Ich stelle mir gerade vor, wie unsere Körper allmählich auf die zehnfache Größe anwachsen, bis sie die Wände dieses Zimmers durchbrechen. Ich denke, das ist kein absurder Gedanke, denn ein Rind und ein Mistkäfer zu werden ist ja auch nicht absurd.“

„Durchbrechen?“, kicherte Gregor Samsa. „Durchbrechen ist das schönste Wort auf der Welt. Ja, wir werden die Zimmerwände auf mehrfache Weise durchbrechen.“

Kafka schwieg. Ihm war bewusst, dass er die Wand im Moment unmöglich durchbrechen konnte. Es war unvorstellbar schwer, sich mit diesem fetten Körper mit Buckel und Wamme überhaupt zu bewegen. Noch schwieriger sich hinzustellen. Fast unmöglich den Kopf zu bewegen, die Hörner gegen die Wand zu stoßen.

„Denkst du, dass ich dir nicht helfen kann? Denkst du etwa, dass eine Figur, die du geschaffen hast, nichts erreichen kann?“

Kafka nickte.

„Du hast wohl vergessen, dass ich ein reisender Handelsvertreter bin. Du hast vergessen, dass ein reisender Handelsvertreter einen Instinkt besitzt, zur rechten Zeit aufzustehen, sich eilig die Schuhe anzuziehen, wie ein verrückt gewordener Hund zu rennen, um den Zug noch zu erreichen und sich jederzeit durch die Zimmertür befreien kann.“

Kafka nickte, konnte aber immer noch nicht erraten, was Gregor Samsa vorhatte.

„Schließe die Augen, Kafka, und fühle, wie dunkel unsere Welt ist.“

Kafka schloss seine Augen. Er hatte seine Augen noch nicht lange geschlossen, da konnte er sich nicht mehr darauf konzentrieren, das Gefühl der Dunkelheit zu genießen, weil er einen stehenden Schmerz an seinem Ohr spürte.

„Gregor, Gregor“, rief Kafka. „Beiße mir nicht ins Ohr. Sofort raus aus meinem Ohr!“

Gregor Samsa kümmerte sich nicht darum. Er biss immer wieder in Kafkas Ohr. Biss, biss und biss, bis Kafka, dieses riesige Buckelrind mit Wamme, schnaubte, sich erhob, und um den Schmerz zu lindern, gegen die verschiedensten Gegenstände polterte.

Die Schreibsachen wurden verwüstet, die Bücher durcheinander geworfen. Das Bett zerbarst.

„Gregor“, schrie Kafka erneut. „hör auf zu beißen!“

Er erhielt keine Antwort. Gregor biss ihn so lange, bis es ihm schließlich gelang die Zimmerwände zu durchbrechen und ins Freie auf die Straße zu laufen. Da rief Dora Diamant: „Warum schnaubst du wie ein Rind, Liebling. Lass dieses absurde Geräusch!“

Aber Kafka hörte ihr Rufen nicht. Er hörte auch die Menschen auf der Straße nicht, die sagten: „Kafka, warum krabbelst du nachts auf der Straße herum?“

Nachdem er eine Zeitlang die Strommasten und die vorüberfahrenden Kutschen betrachtet hatte, sagte Kafka schließlich zu Gregor Samsa: „Es hat sich nicht gelohnt, das Haus zu verlassen. Lass uns zurück ins Zimmer gehen. Schlafen und morgen mit neuer Erfahrung, neuer Hoffnung aufwachen.“

„Neuer Hoffnung?“, fragte Gregor Samsa. „Du glaubst noch, dass wir neue Hoffnung schöpfen werden?“

Übersetzung von Gudrun Ingratubun aus dem noch unveröffentlichten Roman „Metamorkafka“ von Triyanto Triwikromo.

© Triyanto Triwikromo, Gudrun Ingratubun

Triyanto Triwikromo: Kekacauan Metamorfosis

Ketika Franz Kafka terbangun dari mimpi buruk, di atas tempat tidur dia menemukan dirinya berubah menjadi sapi.1  Tentu Kafka kaget. Dia melirik dan mendapatkan dirinya –dalam bentuk tubuh satwa yang berpunuk dan bergelambir– memenuhi kamar, sehingga nyaris tak ada ruang untuk bergerak.

“Ini pasti mimpi. Seharusnya Gregor Samsa yang berubah jadi binatang menjijikkan serupa kecoa atau kumbang raksasa penyebar hama. Bukan aku. Dan metamorfosis menjadi sapi jelas sangat tidak kuharapkan,” gumam Kafka, “Apa yang menarik dari seekor sapi?”

“Tak ada yang aneh,” kata binatang berperut menggelembung, berbuku-buku, dan berkaki banyak yang kaukenal sebagai metamorfosis Gregor Samsa itu,  sambil merayap ke telinga Kafka, “Aku juga berubah satwa yang tidak diinginkan dan tak seorang pun merisaukan.”

“Tentu saja aneh. Apa reaksi orang jika seorang pria keturunan Yahudi kelahiran Praha 3 Juli 1883 yang tidak merasa ditekan rezim mana pun tiba-tiba harus berubah menjadi sapi? Jangan-jangan ada masyarakat borjuis yang bersekongkol mengubah cara berpikirku sehingga aku selalu melihat diriku sebagai sapi.”

“Oo,” ujar Gregor Samsa sambil menggerak-gerakkan sungut, “Kau jangan berpikir seperti para pengarang penakut. Kau memang telah menulis Amerika, Proses, Puri, atau Metamorfosis. Akan tetapi tulisan-tulisanmu itu hanya perwujudan dari rasa takut. Takut tersingkir. Takut tak dapat ruang hidup. Takut mati. Takut tak dikenang sebagai penulis.”

Kafka tersinggung, tetapi dia tetap mendengarkan omongan Gregor Samsa.

“Berpikirlah seperti seorang yang bekerja di kantor asuransi. Anggaplah semua orang bodoh dan tak merisaukan apa pun yang dilakukan oleh para penganjur asuransi. Itu berarti sekalipun sudah menjadi sapi, kau bisa meyakinkan siapa pun, ‘Ini aku Kafka. Aku penulis yang sempurna. Tidak impoten dan selalu memberikan segala yang terbaik untuk pembaca.’”

“Tetapi tetap saja aku hanya seekor sapi yang sulit berdiri,” kata Kafka, “dan kau tetap binatang menjijikkan yang teramat kecil.”

Gregor Samsa terdiam. Dia tidak mungkin menyeret tubuh Kafka keluar dari kamar di sebuah rumah di Busse Heidestraße, Berlin, yang sedang dihajar oleh cuaca 12 derajat celcius.

“Jika saja aku bisa berubah menjadi kecoa raksasa berkaki panjang dan banyak, aku akan bisa memaksamu keluar dari kamar ini,” Gregor Samsa mendebat, “Sayang aku hanya satwa kecil yang ringkih. Itu berarti aku hanya perlu berdoa dan memohon pada Tuhan agar Dia segera mengubahmu menjadi sapi mini dan aku bermetamorfosis menjadi binatang raksasa.”

Sambil merasakan ada punuk besar yang menjijikkan, Kafka mencoba bangkit, tetapi kesulitan. Dia berteriak memanggil Dora Diamant, tetapi suara sang kekasih malah menyebalkan hati.

“Jangan melenguh-lenguh seperti sapi, Sayang,”  kata Dora, “Tidurlah lagi!”

Oo, Dora pun sudah menganggapku sebagai sapi, batin Kafka. Sangat memalukan bagiku jika dia sampai melihat binatang berpunuk dan bergelambir dengan mulut penuh lendir berada di kamar kekasihnya. Karena itu, aku  harus segera punya strategi mengatasi persoalan ini. Strategi yang hanya bisa dilakukan oleh seekor sapi. Lalu, karena hanya Gregor Samsa yang mungkin bisa mendengarkan suaraku, aku akan katakan pesan-pesanku kepada pedagang kelililing sialan itu.

“Gregor,” ujar Kafka, “Aku yakin sewaktu-waktu kau akan bermetamorfosis menjadi manusia kembali. Jika saat itu tiba, aku ingin minta tolong, pertama, selamatkan karya-karya yang kutulis tangan. Kedua, tolong bakar karya-karyaku yang telah dan akan dicetak, termasuk Meditasi. Aku tak ingin penggemarku berpikir dengan cara-cara yang lebih bodoh setelah membaca karyaku. Ketiga, aku ingin mengatakan kepadamu: Metamorfosis itu karya sampah. Jangan pernah kaubaca –terutama saat naik kereta.”

Gregor yang masih berada di telinga Kafka manggut-manggut. Dia berpikir:Kafka seharusnya bermetamorfosis jadi kacang polong dan aku berubah jadi kacang atom. Kami akan mudah menggelinding ke jalanan jika rumah yang disewa Kafka terbakar. Kukira, kacang polong atau kacang atom lebih seksi ketimbang binatang berpunuk.

Kian bingung menghadapi situasi yang tidak segera berubah ke titik normal, Gregor pun mendengung, “Aku aku tidak peduli pada kisah-kisahmu. Apakah tidak sebaiknya kita cari saja cara terbaik bermetamorfosis menjadi manusia?”

“Menjadi manusia kembali?” Kafka terkekeh, “Apakah kau menyangka manusia masih merupakan makhluk termulia?”

“Tentu saja,” kata Gregor Samsa yang merasa menjadi satwa telah menurunkan derajat kemanusiaan.

“Kau keliru, Gregor,” jelas Kafka, “Mungkin saja manusia sudah menjadi makhluk terbusuk sehingga Tuhan mengubah kita menjadi satwa.”

“Wow, jika manusia sudah dianggap sebagai makhluk busuk, mengapa kau tidak berubah jadi badak dan aku menjadi kupu-kupu saja?”

“Mengapa harus jadi badak dan kupu-kupu?”

“Apakah salah menjadi badak dan kupu-kupu?”

“Apakah kau yakin setelah menjadi badak dan kupu-kupu, ketika bangun tidur aku tetap jadi badak dan kau jadi kupu-kupu? Atau apakah kau yakin esok pagi kita akan jadi badak dan kupu-kupu yang sama? Kukira sekarang tidak perlu memperdebatkan kita hendak menjadi apa? Adam tak pernah bertanya mengapa harus jadi Adam, angin jadi angin, kabut jadi kabut, dan Kristus menjadi Kritus. Kita perdebatkan saja bagaimana kita keluar dari situasi terkutuk ini.”

Franz Kafka dan Gregor Samsa pun lalu berpikir keras.

“Bagaimana kalau kau berkirim surat kepada Max Brod, kawan karibmu itu, agar dia membebaskan kita dari situasi yang konyol ini?”

“Menulis surat? Jangan ngawur! Aku tak bisa menulis surat lagi.”

Gregor Samsa geli mendengarkan jawaban Kafka. Dia membatin mengapa dia masih menggunakan otak manusia pada saat telah menjadi kecoa. Tetapi dia tidak ingin berada dalam labirin kebingungan. Karena itu dia mengajak Kafka berpikir lebih keras.

“Sebenarnya gampang melepaskan diri dari situasi konyol ini,” kata Gregor, “Kita tak akan merasa dalam situasi konyol kalau kita anggap apa pun yang terjadi saat ini hanyalah peristiwa yang normal-normal saja.”

“Maksudmu?”

“Kau akan tahu maksudku kalau kau bisa menjawab beberapa pertanyaanku. Pertama, apakah kau menganggap kamar yang sekarang kita tempati ini sebagai surga? Jika ya, berarti kita tidak perlu membebaskan diri dari ruang sempit ini. Kita terima saja nasib yang mengubah kita menjadi sapi dan kecoa. Kedua, apakah masih penting bagimu mewartakan kepada dunia bahwa Kafka masih hidup, bebas dari tuberkulosis, dan masih akan menulis cerita-cerita remeh temeh tentang pengusiran orang-orang Yahudi? Jika tidak, kita tidak perlu memohon kepada apa pun atau siapa pun untuk mengubah seekor sapi dan seekor kecoa berubah jadi manusia. Ketiga, apakah kau masih ingin mengatakan kepada dunia betapa Kafka sesungguhnya bisa menjadi anjing perang? Jika tidak, kita berdiam saja di kamar. Bermeditasi sampai tua. Sampai siapa pun tak peduli pada keberadaan kita.”

Kafka berusaha menafsirkan pertanyaan dan pernyataan Gregor Samsa.

“Aku tak punya jawaban apa pun untuk ketiga pertanyaanmu,” kata Kafka, “Aku hanya membayangkan lambat laun tubuh kita akan membesar sepuluh kali lipat sehingga mampu menjebol kamar ini. Kukira ini bukan pikiran konyol karena menjadi sapi dan kecoa juga bukan peristiwa konyol.”

 “Menjebol?” Gregor Samsa tergelak, “Menjebol adalah kata paling indah di dunia. Ya, kita akan menjebol kamar ini dengan berbagai cara.”

Kafka terdiam. Dia merasa saat ini tidak mungkin menjebol kamar. Sungguh berat menggerakkan tubuh tambun berpunuk dan bergelambir. Apalagi berdiri. Apalagi menggerakkan kepala dan menanduk dinding kamar.

“Kau menyangka aku tak bisa menolongmu? Kau menyangka sosok yang kauciptakan tak bisa berbuat apa-apa?”

Kafka mengangguk.

“Kau lupa aku seorang pedagang kelililing, Kafka. Kau lupa seorang pedagang kelililing punya naluri untuk bangun tidur tepat waktu, mengenakan sepatu dengan cepat, mengejar kereta bagai anjing kesetanan, dan membebaskan diri dari pintu kamar sepanjang waktu.”

Kafka manggut-manggut tetapi tetap tak bisa menebak tindakan yang akan dilakukan oleh Gregor Samsa.

“Pejamkan matamu, Kafka, rasakan betapa gelap dunia kita.”

Kafka pun memejamkan mata. Tak lama dia memejamkan mata. Tak mungkin dia fokus dan merasakan kenikmatan di sebuah dunia yang gelap karena rasa sakit di telinga begitu menusuk-nusuk.

“Gregor, Gregor,” teriak Kafka, “Jangan kaugigit telingaku. Keluar dari telingaku sekarang juga!”

Gregor Samsa tidak peduli. Dia terus menggigit telinga Kafka. Mengigit. Menggigit. Mengigigit hingga Kafka, sapi raksasa berpunuk dan bergelambir itu,  mendengus-dengus, bangkit, dan mencoba mengatasi rasa sakit dengan menanduk segala benda.

Alat-alat tulis berantakan. Buku-buku berhamburan. Ranjang ambrol.

“Gregor,” teriak Kafka lagi, “Hentikan gigitanmu!”

Tak ada jawaban. Gregor terus menggigit hingga akhirnya Kafka bisa menjebol kamar dan berlari dengan bebas di jalanan, hingga akhirnya Dora Diamant berteriak, “Mengapa terus-menerus mendengus seperti sapi, Sayang. Hentikan ulah konyolmu!”

Kafka sudah tidak mendengarkan teriakan itu. Kafka juga tidak lagi mendengarkan orang-orang di jalan yang bilang, “Kafka mengapa kau merangkak di jalanan malam-malam?”

Setelah sekian lama memandang tiang-tiang listrik dan beberapa kereta kuda berseliweran, serta menganggap dunia berjalan dengan monoton, Kafka hanya ingin bilang kepada Gregor Samsa, “Tak ada gunanya keluar rumah. Lebih baik cepat kembali ke kamar. Tidur dan esok bangun pagi dengan pengalaman baru, dengan harapan baru.”

“Harapan baru?” kata Gregor Samsa, “Kau masih percaya akan ada harapan baru, Kafka?”


1 Ini merupakan kalimat pelesetan dari pembuka cerita Kafka, “Metamorfosis”.

© Triyanto Triwikromo

Yusi Avianto Pareanom: Prince Mandasia the Meat Thief (Excerpt)

P. 336ff:
At that, my tongue went heavy in my throat. Before arriving at the Kingdom of Gerbang Agung, known as the High Gate, Old Loki had already warned us about the penchant they had there for executing prisoners. Their methods were varied and often far more unsavory than what we saw that day: some were sentenced to be locked inside the hollow of an iron bull that was then set over a flame; others, brought to a boil in a cauldron over low heat; others, dragged by four horses to rend their bodies to pieces; others, fed to dogs that had been deliberately starved for days prior; still others had their heads crushed by a rather complex method wherein turtles were dropped from great heights by eagles trained specifically for this purpose (such an end was usually met by jesters who failed to entertain the king and his court at the royal banquet) and then there were others still who were stripped naked and tied to a stake, where they were then bitten to death by at least three dwarf slaves, whose orders were always to start at the testicles. When it comes to this last one, I can’t decide whose luck is worse: the corpse-to-be, or his executioners.

Bloody and broken, Sabadu’s body was carried back up. With little delay, Sabadu was thrown once more, this time aimed at a large round stone below the right side of the ledge. At the sound of his neck breaking, it was clear that Sabadu would never cry again.

[…]

P. 338:
He circled the three of us before stopping in front of Old Loki. His hand reached for a boiled egg, still unpeeled, in Old Loki’s basket. They were the ones he’d bought at the market that morning, laid by the silver-crested geese native to Gerbang Agung. These eggs are special, believed to retain different properties depending on the season they are laid. As long as, of course, the egg is boiled—whether for salted, hard-boiled, or
plain boiled eggs—they mustn’t be scrambled into an omelet or fried. When boiled, an egg laid by a silver-crested goose during summer, like the one in the officer’s hand, is believed to bestow on those who eat it a feeling of pleasure and a competitive spirit.
An autumn egg is believed to bring out a sense of loss and a desire to compose sad songs. A winter egg is believed to kindle the desire for mating. A spring egg, however, is best avoided; though the yolk is guaranteed to be exquisitely crumbly when brined and unbearably delicious, it can ignite an urge for violence in its consumer and even awaken an appetite for murder — in particular, the murder of one’s own kin.

Source:
Original text in: Yusi Avianto Pareanom: Raden Mandasia Si Pencuri Daging. Banana Publishing, Jakarta, 2016, Chapter. 10, S. 336ff & 338;

Translation:
© Yusi Avianto Pareanom

Yusi Avianto Pareanom: Raden Mandasia, der Rindfleischdieb (Auszug)

Tabassum, S. 336f

Ich musste schlucken, als ich das hörte. Bevor wir das Königreich von Gerbang Agung erreichten, hatte Loki Tua uns schon gewarnt, dass die Einheimischen dort die merkwürdige Vorliebe hätten, die Todesstrafe an ihren Gefangenen zu vollstrecken. Es gab viele Varianten, häufig noch viel unappetitlicher als die, von der wir heute Zeuge wurden. Einige wurden dazu verurteilt, in einer hohlen eisernen Skulptur eines Stieres eingeschlossen zu werden, unter der man dann ein Feuer anzündete. Andere wurden in einem riesigen Topf auf niedriger Flamme gekocht. Wieder andere wurden von vier Pferden über den Boden geschleift, bis sie in Stücke gerissen wurden. Oder die Gefangenen wurden Hunden zum Fraß vorgeworfen, die man tagelang hatte hungern lassen. Anderen wurde auf eine sehr ausgefeilte Weise der Kopf zertrümmert, nämlich indem man speziell dafür trainierte Adler aus großer Höhe Schildkröten auf die Gefangenen herabwerfen ließ – solch ein Tod wurde zumeist Unterhaltungskünstlern zu Teil, denen es nicht gelungen war den König und die Großen des Landes bei einem Staatsbankett zum Lachen zu bringen. Wieder andere wurden entblößt an einen Pfosten gebunden. Dort wurden sie von mindestens drei Zwergsklaven zu Tode gebissen. Diese hatten den Befehl erhalten, bei den Hoden zu beginnen. Bei dieser letzten Todesart fällt es mir schwer zu entscheiden, wer das schlimmere Los hat, der baldige Leichnam oder die Henker. Sabadus blutüberströmter Körper hatte schon einige Knochenbrüche erlitten und wurde nun erneut auf das Gerüst getragen. Ohne lange zu warten warf man ihn wieder herab, diesmal in Richtung eines großen runden Steins auf der rechten Seite unterhalb des Vorstands. Das Geräusch seines brechenden Genicks sagte uns, dass wir ihn nie wieder weinen hören würden.

S. 338 Der Offizier umkreiste uns drei und blieb dann vor meinem Gefährten Loki Tua stehen. Er griff in Loki Tuas Korb nach einem noch ungeschälten, gekochten Ei und nahm es heraus. Die Eier hatte mein Freund heute früh auf dem Markt erworben. Sie stammten von den Gänsen mit Silberkamm, einer besondere Rasse des Königreichs Gerbang Agung. Den Eiern wurden bestimmte Eigenschaften nachgesagt, abhängig von der Jahreszeit, in der sie von den Gänsen gelegt wurden. Um in den Genuss dieser Wirkungen zu kommen, mussten die Eier gekocht werden –  in Salzlake, hart- oder weichgekocht -, jedoch nicht als Omelett oder Rührei gebraten. Ein gekochtes und im Sommer gelegtes Ei dieser Silberkammgänse, wie es der Offizier nun in der Hand hielt, soll ein Gefühl der Freude und die Motivation zum Wettbewerb hervorrufen. Ein Herbstei bewirkt ein Verlustgefühl und den Wunsch traurige Lieder zu komponieren. Die Menschen glauben, dass Wintereier das Begehren nach Paarung entfachen. Von dem Genuss eines Frühlingseis ist jedoch abzuraten, obwohl es in Salzlake ausgesprochen schmackhaft und die Konsistenz des Eigelbs eine Besondere ist. Denn es kann das Verlangen gewalttätig zu werden entzünden und sogar das Bedürfnis, jemanden zu ermorden – insbesondere jemanden aus der eigenen Familie.

Übersetzung von Gudrun Ingratubun aus: Yusi Avianto Pareanom: Raden Mandasia Si Pencuri Daging. Banana Publishing, Jakarta, 2016, Kap. 10, S. 336-338;

© Yusi Avianto, Gudrun Ingratubun

Triyanto Triwikromo: Metamorkafka

Im Herbst 2017 lebte Triyanto Triwikromo drei Monate als Stipendiat des indonesischen Nationalen Buchkomitees in Berlin, um hier und in Prag für seinen Roman Metamorkafka zu recherchieren. Die Geschichte spielt im letzten Lebensjahr Franz Kafkas in Berlin, wo er sich mit seiner Geliebten Dora Diamant niedergelassen hatte.

In seinem Roman vermag es Triyanto Triwikromo, der Geschichte eine kafkaeske Wendung zu geben, als der in Salatiga, Indonesien geborene Kafka sich in ein Rind verwandelt und seiner eigenen Romanfigur Gregor Samsa begegnet. Triyanto Triwikromo, der in vielen seiner fiktionalen Schriften eine große Nähe zu Kafka zeigt, verbindet in diesem Roman die Romanze zwischen Kafka und Dora Diamant geschickt und mit Humor mit der javanischen Philosophie. Besonderen Bezug nimmt er auf Kafkas Roman „Die Verwandlung“, über den er sagt: „Wäre Kafka in Java geboren worden, hätte er das gleiche Buch geschrieben, denn in Java ist das Leben, das Kafka beschrieb, ganz normal. Im javanischen Realismus wird das Sichtbare und das Unsichtbare ohne Unterscheidung miteinander vermischt. Das Satanische und das Göttliche sind im Körper eines Javaners lediglich Attribute, die Seite an Seite gehen und nicht in Frage gestellt werden können“ (dw.com).

Der Roman sollte ursprünglich Anfang 2019 erscheinen, ist aber bis zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes (Oktober 2020) noch nicht publiziert.


Sutan Takdir Alisjahbana: Verlieren und Gewinnen

Das epische Drama, das während des Zweiten Weltkriegs in Asien spielt, erzählt die Geschichte des japanischen Offiziers Okura, des indonesischen Nationalisten Hidayat und der deutsch-schweizerischen Humanistin Elisabeth. Alisjahbana gelingt es, die große Geschichte im Kleinen und die kleinen Geschichten im Großen widerzuspiegeln. Es geht um Krieg und Frieden, um Liebe und Tod, um den Kampf für die Unabhängigkeit Indonesiens gegen Japan und die frühere Kolonialmacht Niederlande. Es entsteht ein Bild der indonesischen Gesellschaft während des Zweiten Weltkriegs, in dem neben antijapanischen Rebellen, neben traditionellen Muslimen und anderen eher nach Westen hin orientierten Indonesiern auch die Hüter altjavanischer Traditionen und Mythen ihre Rolle spielen. Annäherung und Entfremdung zwischen europäischer, japanischer und javanischer Kultur sind das Thema. Ein Ringen um Menschenrechte, Demokratie und Freiheit. Ein Buch, wie es in seiner Grundaussage in der heutigen Zeit kaum moderner sein könnte.

Sutan Takdir Alisjahbana: Verlieren und gewinnen. Deutsch von Heinrich Seemann
Bibliothek der Entdeckungen, Bd. 12
. MItteldeutscher Verlag, Dezember 2017

Das Buch auf der Webseite des Verlages.