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Iksaka Banu: Lebewohl, Hindia!

Der alte Chevrolet, in dessen Fond ich saß, verlangsamte seine Fahrt, bis er schließlich am Ende der Noordwijk-Straße vor einer Barrikade aus Bambusstangen zum Stehen kam. Nur einen Augenblick später tauchte, einem Albtraum gleich, von der linken Seite eines Gebäudes her eine Gruppe langhaariger Männer auf, die ihre Waffen auf uns gerichtet hielten. Sie trugen abgetragene, offenbar aus unterschiedlichen Armeebeständen stammende Uniformen und rotweiße Tücher um ihre Köpfe.

„Aufständische“, raunte Dullah, mein Fahrer, mir zu.

„Sie müssen unbedingt den Presseausweis sehen!“, flüsterte ich zurück.

Dullah deutete mit der Hand auf das an der Frontscheibe angebrachte Stück Papier. Einer der Männer, die allem Anschein nach die Straßenblockade errichtet hatten, schaute durchs Seitenfenster,

„Wohin gehts?“, fragte er mit bedrohlich funkelnden Augen. Er trug einen schwarzen Peci. Sein dichter Schnurrbart teilte sein Gesicht in eine obere und eine untere Hälfte.

„Freiheit, Herr! Wir sind auf dem Weg nach Gunung Sahari. Er ist Journalist. Er ist in Ordnung“, erwiderte Dullah mit einer Miene, mit der er größtmögliche Ruhe auszustrahlen versuchte, und deutete mit dem Daumen nach hinten auf mich.

„Steig aus, bevor du mit mir redest, Idiot!“, fuhr ihn der Schnurrbart an und schlug mit der flachen Hand auf die Motorhaube, dann setzte er hinzu: „Sag dem Weißen, er soll auch aussteigen!“

Eilig kamen Dullah und ich seinem Befehl nach. Mit Hilfe einiger seiner Kameraden durchsuchte uns der Schnurrbart von oben bis unten. Ein Päckchen Davros, aus dem ich erst eine einzige Zigarette geraucht hatte, wechselte sogleich hinüber in seine Hemdtasche. Ebenso wie ein Bündel Geldscheine in der japanischen Militärwährung aus meiner Brieftasche. Einer der Aufständischen stieg ins Auto, durchsuchte erst das Handschuhfach, setzte sich dann auf den Fahrersitz und drehte das Lenkrad hin und her wie ein kleines Kind.

„Martinus Witkerk. De Telegraaf“, las der Schnurrbart aus meinem Auftragsschreiben vor, dann wandte er sich zu mir: „Niederländer?“

„Er spricht kein Malaiisch, er stammt von dort“, schaltete sich Dullah ein. Das war natürlich eine Lüge.

„Ihn hab ich gefragt, nicht dich. Verflucht nochmal!“.

Der Anführer schlug Dullah ins Gesicht. „Deine Landsleute werden von Kugeln durchsiebt und sterben, und du machst bei den Kolonialisten mit. Los, verschwindet von hier! Haut bloß ab!“ Er gab mir meine Brieftasche zurück und steckte sich eine seiner erbeuteten Zigaretten an.

„Danke, Dullah“, sagte ich nach einer Weile, nachdem unser Wagen sich wieder in Bewegung gesetzt hatte. „Ist alles in Ordnung?“

„Nichts passiert, Herr. Ein paar von diesen Männern sind eben so. Sie geben vor, Freiheitskämpfer zu sein, aber dann dringen sie einfach in die Häuser einfacher Leute ein und verlangen nach Essen und Geld. Und Frauen belästigen sie auch oft“, erklärte Dullah. „Zum Glück saß ich am Steuer.

Ich glaube, wenn Herr Schurck gefahren wäre, hätten Sie das beide nicht überlebt. Männer wie die von vorhin zögern nicht, Europäer zu töten, die leicht aus der Haut fahren wie Herr Schurck. Egal ob Journalist oder nicht.“

„Jan Schurck hat in der Tat ein Händchen dafür, sich in Schwierigkeiten zu bringen“, sagte ich nunmehr schmunzelnd.

„Das ist der Grund, warum ihm das Life-Magazin ein so hohes Gehalt zahlt.“

„Sind Sie sich bei der Adresse der jungen Dame sicher?“

„Ja, gegenüber dem Topografisch Bureau muss es sein. Sie wollte einfach nicht von dort weg. So ein Dickkopf.“

Der Dickkopf. Maria Geertruida Welwillend.

Geertje! Ja, so nannte man sie.

Ich war dieser Frau zum ersten Mal im Internierungslager Struiswijk begegnet, das war kurz nachdem bekannt gegeben wurde, dass die Japaner vor den Alliierten kapituliert hatten.

Vor unserer Begegnung hatte ich im Hotel Des Indes, das inzwischen wieder von Niederländern geführt wurde, mit ein paar der anderen Journalisten über die Niederlage Japans und deren Folgen für die Bevölkerung Niederländisch-Indiens diskutiert.

„Die Unabhängigkeitserklärung hat im Zusammenspiel mit der Reaktionslosigkeit der Gemeindeoberhäupter dazu geführt, dass die einheimische Jugend nicht mehr klaren Kopfes unterscheiden kann, was es heißt, „für die Freiheit zu kämpfen“ oder „kriminell zu sein“. Der ewig schwelende Hass gegenüber den Weißen und allen mutmaßlichen Kollaborateuren scheint sich plötzlich Bahn zu brechen in den verlassenen Straßen jener Wohnviertel, in denen vornehmlich Europäer leben und die unmittelbar an jene der Einheimischen grenzen“, sagte Jan Schurck und warf einen Stapel Fotos auf den Tisch.

„God Almachtig. Die Leichen sind ja kaum mehr als Hackfleisch“, stieß Hermanus Schrijven vom Utrechts Niewsblad aus und bekreuzigte sich, nachdem er einen Blick auf die Fotos geworfen hatte. „Es heißt, die Schlächter seien Rädelsführer oder Räuber, die man als Soldaten rekrutiert hat. Einen Teil ihrer Beute verteilen sie unter den Einwohnern. Aber das Meiste behalten sie selbst.“

„Patriotische Räuber“, erwiderte Jan schulterzuckend.

„Die gab es auch zu Zeiten der Französischen Revolution oder der bolschewistischen Revolutionen oder heutzutage auch unter den jugoslawischen Partisanen.“

„Bastarde der Revolution“, warf ich ein.

„Ich hasse den Krieg“, sagte Hermanus und schnippte seine Zigarettenkippe fort.

„Die Europäer hier sind sich der Gefahren nicht bewusst“, sagte ich. „Nach ihrer langen Leidenszeit in den Internierungslagern wollen sie nichts anderes mehr, als so rasch wie möglich nach Hause zurückzukehren. Sie ahnen nicht, dass sich ihre Diener und Hausjungen inzwischen in Freiheitskämpfer verwandelt haben.“

„Ich befürchte“, ergriff Eddy Taylor vom Manchester Guardian das Wort, „die meisten von ihnen haben noch gar nichts von dem Appell Lord Mountbattens gehört, so lange in den Lagern zu bleiben, bis die Alliierten eintreffen.“

„Ja, und die japanischen Kommandanten, die nach ihrer Niederlage jeglichen Lebensmut verloren haben, lassen die Gefangenen einfach laufen. Das ist das Beängstigende daran“, sagte Jan und zündete sich die x-te Zigarette an.

„Es könnte schlimmer sein. Am 15. September landeten die britischen Truppen in der Bucht von Batavia“, ich deutete auf die entsprechende Stelle auf der Landkarte, die auf dem Tisch vor uns ausgebreitet lag. „Ein niederländischer Kreuzer, der bei der Landung ebenfalls dabei war, so heißt es, habe hiesige Militärkreise in mächtige Aufruhr versetzt. In deren Augen scheint dies den Verdacht zu erhärten, die Niederländer wollten nach Niederländisch-Indien zurückkehren.“

„Well“, warf Eddy Taylor ein und sah abwechselnd zu Jan und zu mir. Mal ganz unter uns, glaubt ihr daran, die Niederländer haben wirklich ein Interesse daran zurückzukommen?“

Unsere Diskussion wurde jäh unterbrochen, als Andrew Waller, Journalist des Sydney Morning Herald, der mit beachtlicher Ausdauer die Berichterstattung über die aktuellen Entwicklungen am Funkgerät verfolgt hatte, plötzlich ausrief: „Das ist ein Ding! Hört euch das an! Das ist höchst interessant! Ehemalige Soldaten der KNIL und britische Soldaten haben heute morgen damit begonnen, die Insassen der Internierungslager Cideng und Struiswijk zu verlegen.“

Ohne auch nur einen Augenblick Zeit zu verlieren, brachen wir alle miteinander auf. Jan und ich entschieden uns, das Internierungslager Struiswijk aufzusuchen.

Dort angekommen trafen wir den japanischen Kommandanten Major Adachi, der dem gesamten Unterfangen der Massenverlegung erleichtert entgegen sah.

„Unsere Patrouillen stoßen ständig auf die Leichen von Europäern, die aus dem Lager flohen. Am Straßenrand, verstümmelt und in Säcke gesteckt“, sagte er.

Ich nickte und machte mir Notizen. Tatsächlich aber haftete mein Blick an Geertje, die – mit einem Koffer in der Hand und seelenruhig – an uns vorüber spazierte. Sie ging allerdings nicht auf einen der bereitstehenden Lastwagen zu, sondern schlug die Richtung Drukkerwijweg ein, offenbar dazu entschlossen, dort eine Fahrradrikscha zu nehmen.

„Hei Martin!“ rief Jan Schurck mir zu. „Das Mädchen hat schon die ganze Zeit ein Auge auf dich geworfen. Schlag dein Glück nicht aus. Los, lauf ihr nach!“

Ich ging ihr tatsächlich nach, erlebte aber eine große Überraschung.

„Ich komme nicht mit“, sagte Geertje und blickte mich scharf an. „Ein paar Lastwagen fahren nach Bandung. Zu einem Aufnahmelager an der Ursulinen-Kapelle. Andere Lastwagen fahren nach Tanjung Priok. Aber ich muss nach Hause nach Gunung Sahari. Ich habe dort alle Hände voll zu tun“, erklärte sie.

„Willst du damit sagen, dass du in Gunung Sahari gelebt hast, bevor die Japaner kamen, und jetzt wieder dorthin zurückkehren willst?“, fragte ich.

„Was ist falsch daran?“, fragte Geertje zuruck.

„So einiges. Es ist der falsche Zeitpunkt und der falsche Ort. Immer mehr Weiße, Chinesen und mutmaßliche Kollaborateure der Niederländer werden umgebracht. Wie kannst du dorthin zurückwollen?“

„Weil dort mein Zuhause ist. Und nun bitte ich um Entschuldigung“,

Geertje kehrte mir den Rücken zu und nahm ihren Koffer, den sie kurz abgestellt hatte, wieder auf.

Ich war sprachlos. In einiger Entfernung sah ich diesen Mistkerl von Jan, der mit dem Daumen nach unten zeigte. „So warte doch!“ Ich lief Geertje hinterher. „Ich begleite dich.“

Diesmal wies sie mich nicht ab. Und Jan erklärte sich glücklicherweise bereit, mir sein Motorrad auszuleihen.

„Nimm dich vor diesem jungen Herrn in acht, Nyonya“, sagte er augenzwinkernd zu Geertje. „In den Niederlanden warten zahllose Frauen schmachtend auf seine Rückkehr.“

„Ach, ist das so?“, gab sie zurück. „Aber nenn mich doch Nona oder einfach Geertje.“

„Wenn das so ist, nenn du mich doch einfach Jan.“

„Und das hier ist Martin“, sagte ich und klopfte mir gegen die Brust. „Willst du nicht endlich diese Holzschuhe aus dem Lager loswerden?“, fragte ich mit einem Blick auf Geertjes Füße. „Haben die Soldaten im Lager etwa keine Schuhe an Frauen und Kinder ausgegeben? Sie haben doch auch Lippenstifte und Puder verteilt. Ihr werdet bald alle wieder hübsch aussehen können.“

„Ich bin noch nicht wieder an Schuhe gewohnt, daher habe ich sie im Koffer verstaut. Im Lager konnte ich mit den Holzschuhen richtig gut laufen“, erwiderte Geertje lachend, während sie sich auf den Rücksitz des Motorrads setzte.

Mijn God. Ihr frisches Lachen und diese Grübchen in ihren Wangen. Und wie diese sich auf ausnehmende Weise mit ihren im leichten Winkel zueinander stehenden Augenbrauen verbanden. Ihr Gesicht gab mir Rätsel auf. Ob sie wohl noch Familie hatte? Einen Ehemann? Nein, letzteres konnte nicht sein, vorhin wollte sie Nona, „Fräulein“, genannt werden.

„Das Zehnte Bataillon patrouilliert zwar häufig in Gunung Sahari“, räumte ich ein. „Sie bewachen die Viertel der Europäer. Aber natürlich weiß niemand, wann mit einem Angriff zu rechnen ist. Denk nochmal über meinen Vorschlag nach.“ Ich konnte Geertjes Gesicht im Rückspiegel sehen. Sie schien etwas sagen zu wollen, doch der Motor von Jans Motorrad dröhnte zu laut. Schließlich schwiegen wir die restliche Fahrt über.

An der Kreuzung Kwitang bog ich rechts ab, und so entfernten wir uns von der Kolonne der mit Frauen und Kindern beladenen Lastwagen. Ach, die Kinder. Ausgelassen klatschten sie in ihre Hände, sangen fröhliche Lieder. Sie ahnten nichts von dem so gut wie Unvermeidlichen, nämlich dass Hindia, das Land, in dem sie geboren worden waren, bald nur noch der Erinnerung angehören würde.

„Vor dem Fischteich da vorn ist es“, rief Geertje und schwenkte ihren Arm.

Ich fuhr an die Seite. Das recht große Haus war in erbärmlichem Zustand. Die Außenwände waren verschmutzt. Hier und dort waren Fensterscheiben zerborsten. Merkwürdig war jedoch, dass der Rasen im Hof erst vor Kurzem geschnitten worden zu sein schien.

„Warte!“, stieß ich aus und griff nach Geertjes Arm, als sie bereits im Begriff war, auf die Veranda zuzulaufen. Aus meiner Tasche auf dem Gepäckträger zog ich einen Dolch, den ich mir vorhin ebenfalls von Jan geborgt hatte. Ich stieß gegen die Vordertür. Sie war verschlossen.

„Willst du wirklich immer noch hinein?“, fragte ich Geertje.

„Ja“, war ihre Antwort. „Und steck deinen Dolch weg!

Lass mich anklopfen. Hoffentlich hat sich das Haus keine andere europäische Familie genommen.“

„Oder Aufständische“, gab ich zurück.

Geertje klopfte mehrere Male. Keine Antwort. Wir gingen um das Haus herum. Die Hintertüre stand einen Spalt weit offen. Wir wollten gerade eintreten, da hörten wir Schritte vom Garten her. Eine Einheimische von etwa fünfzig Jahren kam auf uns zu.

„Nona!“, rief sie aus, fiel auf die Knie und schlang ihre Arme um Geertjes Beine.

Geertje nahm sie bei den Schultern und hieß sie aufstehen.

„Die Japaner haben verloren. Ich komme wieder nach Hause, Iyah. Wo ist Ihr Mann? Haben Sie die ganze Zeit über hier gewohnt?“, fragte Geertje. „Das ist Herr Witkerk, ein Bekannter von mir. Martin, das ist Iyah, unsere Haushälterin.“

Iyah verneigte sich kurz vor mir und wandte sich dann wieder Geertje zu.

„Nachdem ich Sie das letzte Mal im Lager besuchte, haben die Japaner sich das Haus genommen. Offiziere wohnten hier. Ich habe für sie gekocht. Ich durfte nicht fortgehen. Deshalb habe ich Sie auch nicht mehr besuchen können.“

Iyah schluchzte abermals. „Wo ist Ihr Vater, Ihre Mutter, und der junge Herr Robert?“

„Mama ist im letzten Monat gestorben. Die Cholera.“.

Geertje schob die Tür weiter auf und trat ins Haus. Iyah und ich folgten ihr.

„Papa und Robert wurden nach Burma deportiert“, fuhr Geertje fort. „Ich habe schon den Lagerkommandanten darum gebeten, sich nach ihnen zu erkundigen.“

„Alles, was wertvoll war, hat man beschlagnahmt. Die Fotos an den Wanden wurden vernichtet und durch eine japanische Fahne ersetzt. Aber es ist noch nicht lange her, da sind sie plötzlich von hier fort. Ich weiß nicht wohin. Viel haben sie nicht mitgenommen“, erklärte Iyah. „Ich hole die Sachen zum Kochen aus dem Schuppen. Und ich hole meinen Mann hierher; denn als ich für die Japaner zu kochen anfing, bin ich in den Schuppen hinter dem Haus gezogen.

Auch als sie fort waren, habe ich mich nicht getraut, hier im Haus zu wohnen. Aber bei jeder Gelegenheit bin ich sofort hierher und habe, wo es nötig war, sauber gemacht.“

„Holen Sie Ihren Mann. Wir richten das Haus wieder her. Wenn die Banken wieder normal arbeiten, kann ich vielleicht etwas von meinem Sparbuch abheben.“ Geertje wartete, bis Iyah hinausgelaufen war, und setzte dann ihre Hausinspektion fort. Ein paar Tische und Stühle waren noch da, auch mehrere Schränke, diese waren allerdings leergeräumt. Im Wohnzimmer erwartete mich eine Überraschung: ein edles schwarzes Klavier. Erstaunlicherweise hatten es die Japaner weder beschlagnahmt noch zerstört. Vielleicht hatten sie es zu ihrer Unterhaltung genutzt.

Geertje blies über die dünne Staubschicht auf dem Deckel und öffnete ihn. Eine heitere Melodie erfüllte sogleich den Raum.

„Ist das ein Volkslied?“, fragte ich.

„‚Si Patoka’an‘“, sagte Geertje und nickte zustimmend, dann summte sie zu ihren Anschlägen der Tasten.

„Du bist wohl mit der ganzen Umgebung und den Leuten hier eng verbunden. Und sie scheinen dich ebenfalls zu mögen. Wahrscheinlich lieben sie dich von ganzem Herzen“, sagte ich. „Aber die Zeiten von Herr und Diener werden bald vorüber sein. Amerika zeigt immer deutlicher, wie sehr ihm der Kolonialismus missfällt. Die Welt hat begonnen, jeden noch so zarten Pulsschlag des Wandels, der hier zu verzeichnen ist, zu beobachten. Und unsere Jahrhunderte währende Präsenz als Herrscher über dieses Land oder vielmehr als nimmersatte Blutsauger macht unsere Verhandlungsposition nicht gerade besser. Ich denke, Niederländisch-Indien ist nicht mehr zurückzugewinnen, ganz gleich wie erbittert wir darum kämpfen, das Land den Händen der einheimischen Nationalisten zu entreißen.“

„Wenn das Feuer der Revolution einmal entfacht ist, kann es niemand mehr aufhalten“, Geertje hielt im Tastenschlag ihrer Finger inne. „Sie wollen einfach ihre Autonomie, wie mein Vater stets zu sagen pflegte. Mein Vater verehrte Henk Sneevliet. Er war bereit, seine Privilegien, die er hier genossen hatte, zu verlieren. Ich selbst bin Lehrerin an einer Schule für einheimische Kinder. Ich bin unter Einheimischen geboren und aufgewachsen. Als die Japaner an die Macht kamen, ist mir bewusst geworden, dass Niederländisch-Indien mit all seinem aristokratischen Gehabe an sein Ende gelangt ist. Ich muss den Mut aufbringen, dem Land Lebewohl zu sagen. Aber was auch immer das Schicksal letzten Endes für mich bereithalten mag, ich werde hier bleiben. Nicht als eine der „Herrschenden“, wie du es vorhin nanntest. Wer weiß, was ich sein werde. Die Japaner haben uns eine Lektion erteilt, wie bitter es ist, anderen zu dienen.

Nachdem wir früher all die Zeit im Wohlstand gelebt haben, wäre es da nicht beschämend, ausgerechnet dann die Flucht zu ergreifen, wenn die Menschen hier unseren Beistand benötigen?“

„Die Menschen…“, ich beendete den Satz nicht. Einen Augenblick lang herrschte Schweigen.

„Es gibt diese Geschichte“, sagte ich endlich und schöpfte Atem. „Ein Jäger findet ein Tigerjunges, er zieht das Tier liebevoll auf. Es wird zahm. Es isst und schläft gemeinsam mit dem Jäger, bis es ausgewachsen ist. Es bekommt niemals Fleisch zu fressen. Eines Tages aber schneidet der Jäger sich am Futternapf des Tigers. Blut fließt von seiner Hand.“

„Der Tiger leckt von dem Blut, wird wild und fällt den Jäger an“, unterbrach mich Geertje. „Du versucht mir wohl damit zu sagen, dass mich eines Tages Einheimische hinterrücks erstechen werden. Ist es nicht so?“

„Wir befinden uns in Zeiten eines gewaltigen Umbruchs, er erfasst die ganze Welt“, erwiderte ich. „Ganze Wertegefüge verschieben sich. Nach Jahrhunderten wird uns jetzt bewusst, dass dieses Land nicht unser Vaterland ist. Zum dritten Mal bitte ich dich, geh von hier fort, solange du es noch kannst.“

„Soll ich etwa in die Niederlande?“ Geertje schloss den Klavierdeckel. „Ich weiß nicht einmal, wo dieses Land meiner Vorfahren überhaupt liegt.“

„In dem Ort, aus dem ich komme, in Zundert, gibt es ein paar Häuser zu erschwinglichen Mietpreisen. Dort könntest du wohnen, wenigstens solange du auf Neuigkeiten von deinem Vater wartest.“

„Danke“, sagte Geertje lächelnd. „Aber du weißt ja, wo ich leben will.“

So hatte Geertjes Antwort vor inzwischen mehreren Monaten gelautet. Ich sah sie danach noch zwei Male wieder. Das eine Mal setzten wir in ihrem Haus neue Fenster ein und das andere Mal begleitete ich sie zum Markt. Danach hatte ich mich in die Arbeit gestürzt. Auch Geertje schien mit nichts anderem beschäftigt zu sein als mit der Instandsetzung ihres Hauses. Da war kaum anzunehmen, dass sich zwischen uns auch nur ein Funke von Leidenschaft entfachen würde.

Dann kam die seit langem befürchtete Meldung über die bewaffneten Kämpfe in der vergangenen Nacht. Diese weiteten sich auf mehrere Stadtviertel Batavias, von Meester Cornelis bis nach Kramat, aus. Einheiten von jungen Aufständischen hatten in einer konzertierten Aktion eine flächendeckende Offensive in verschiedenen Vierteln unternommen.

In der Nähe von Senen-Gunung Sahari war es ihnen gelungen, einen Panzer der NICA fahruntüchtig zu machen. Ich machte mir große Sorgen um Geertje. Am besten würde es sein, sie aus ihrem Haus zu holen. Sie konnte vorerst bei uns wohnen. Ich hoffte nur, diesmal würde sie nicht ablehnen. Schurck war zu diesem Zeitpunkt nicht in der Stadt, daher konnte ich mir sein Motorrad nicht ausleihen.

Zum Glück war jemand vom Hotel bereit, mir, wenn auch völlig überteuert, ein Auto mit Fahrer zu vermieten.

„Ist es das Haus dort vorne?“, erklang Dullahs Stimme und holte mich zurück in das heiße Wageninnere des Chevrolets.

„Richtig. Warte hier!“, beunruhigt sprang ich aus dem Wagen.

Vor Geertjes Haus standen ein paar NICA-Soldaten in Bereitschaft. Einige andere marschierten im Hinterhof des Hauses auf und ab. Die Veranda war beschädigt. Die Vordertür lag auf dem Boden, von Kugeln durchsiebt. In Fußboden und Wänden klafften schwarz umränderte Löcher, – eine Granate musste hier detoniert sein.

„Entschuldigung, ich bin Journalist!“, rief ich und hielt, während ich mir einen Weg durch die Menge hindurch bahnte, meinen Presseausweis in die Höhe. Ich blickte mich aufmerksam um. Mit gemischten Gefühlen betrat ich jedes Zimmer, als erwartete ich, jeden Augenblick Geertjes Leiche in einer Blutlache liegend vorzufinden. Dieser schreckliche Anblick blieb mir erspart. Ein Soldat kam auf mich zu, er schien der Kommandant zu sein. Ich hielt ihm meinen Ausweis entgegen.

„Was ist hier passiert, Sergeant… Zwart?“, fragte ich ihn und las den Namen vom Aufnäher an seiner Uniform ab.

„Ist das bei einem der Angriffe in der letzten Nacht passiert? Wo sind die Bewohner dieses Hauses?“

„Wir waren das, wir haben das Haus gestürmt. Seine Bewohner sind geflohen. Sind Sie Journalist? So ein günstiger Zufall. Wir werden die Nachricht von dieser Sache verbreiten, als Warnung an alle.“ Sergeant Zwart forderte mich auf, ihm in die Küche zu folgen. „Hier haben sich die Aufständischen getroffen“, erklärte er. „Hier fand sich jede Menge Propagandamaterial, das sich gegen NICA richtet.“

„Entschuldigen Sie, soweit ich weiß, gehört das Haus einer Niederländerin, Nona Geertje.“

„Sie kennen sie? In diesem Fall werden wir einige Fragen an Sie haben. Es besteht der Verdacht, dass Nona Geertje die Seiten gewechselt hat. Ihre möglichen Aliasnamen „Zamrud Khatulistiwa“ (Smaragd des Aquators) oder „Ibu Pertiwi“ (Mutterland), die wir in letzter Zeit immer wieder im Funkverkehr des Untergrunds aufgegriffen haben, lassen sich vermutlich ihr zuordnen.“

Geertje? Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Ich wollte widersprechen. Sergeant Zwart aber war bereits damit beschäftigt, eine große, in der Erde neben dem Schuppen eingelassene Türe anzuheben und sie zu öffnen. Ein Bunker.

Bei meinen Besuchen bei Geertje hatte sich dieser Zugang meiner Aufmerksamkeit völlig entzogen. Ich folgte Sergeant Zwart die Stufen hinab.

An sich war ein solcher Bunker nichts Außergewöhnliches. Nicht selten besaßen wohlhabende Niederländer einen gesonderten Raum, in dem sie Schutz vor allem bei Luftangriffen suchten. Dieser Raum hier war etwa vier Quadrat-meter groß und feucht. Darin standen ein langer Tisch, ein paar Stuhle sowie ein schäbiger Schrank gefüllt mit Kochgeschirr und einigen Stapeln Papier. Und tatsächlich, das Papier enthielt Anti-NICA-Propaganda.

Sergeant Zwart schob eine Abdeckung aus Stoff von einem Objekt, das hinter dem Schrank stand. Ein Funksender! „Eine Hinterlassenschaft der Japaner“, erklärte er.

Ich war sprachlos. Ich konnte das alles nicht glauben. Doch was mir wirklich das Blut in den Adern gefrieren ließ, war der Anblick an der Wand zu meiner Linken. An dieser mit Schimmel überzogenen Wand war eine Kombination aus Waschbecken und Spiegel angebracht. Auf der Oberfläche des Spiegelglases war mit einem Lippenstift und offenbar in Eile eine Zeile geschrieben worden: „Lebewohl, Hindia! Willkommen Republik Indonesien!“

Ich stellte mir Geertje mit ihren Grübchen vor, wie sie inmitten eines Reisfeldes saß und gemeinsam mit den Menschen, die sie liebte, sang: „Dies ist mein Land. Dies ist mein Haus. Was immer das Schicksal für mich bereit hält, ich werde bleiben.“

Von Anfang an hatte Geertje gewusst, wo sie zu stehen hatte. Langsam löschte ich das Wort „Verräter“ aus meinen Gedanken, das sich darin vorhin kurz niedergelassen hatte.

Jakarta, 12. Oktober 2012

aus: Iksaka Banu: Alles für Hindia! Gossenberg, Ostasien-Verlag 2020.

© Ostasien-Verlag, Iksaka Banu, Sabine Müller

Iksaka Banu: Selamat Tinggal Hindia

Chevrolet tua yang kutumpangi semakin melambat, sebelum akhirnya berhenti di muka barikade bambu yang dipasang melintang di ujung jalan Noordwijk. Sebentar kemudian, seperti sebuah mimpi buruk, dari sebelah kiri bangunan muncul beberapa orang pria berambut panjang dengan ikat kepala merah putih dan aneka seragam lusuh, menodongkan senapan.

“Laskar,” gumam Dullah, supirku.

“Pastikan mereka melihat tanda pengenal wartawan itu,” bisikku.

Dullah menunjuk kertas di kaca depan mobil. Salah seorang penghadang melongok melalui jendela.

“Ke mana?” tanya orang itu. Ia berpeci hitam. Kumisnya lebat, membelah wajah. Sepasang matanya menebar ancaman.

“Merdeka, Pak! Ke Gunung Sahari. Ini wartawan. Orang baik,” Dullah, dengan raut muka dibuat setenang mungkin, mengarahkan ibu jarinya kepadaku.

“Turun dulu baru bicara, sontoloyo!” bentak si kumis sambil memukul bagian depan mobil. “Suruh Londo itu turun juga!” sambungnya.

Tergesa, Dullah dan aku menuruti perintahnya. Dibantu beberapa rekannya, si kumis menggeledah seluruh tubuh kami. Sebungkus rokok Davros yang baru kunikmati sebatang segera berpindah ke saku bajunya. Demikian pula beberapa lembar uang militer Jepang di dalam dompet. Seorang laskar lain masuk ke dalam mobil, memeriksa laci, lalu duduk di kursi sopir. Memutar-mutar roda kemudi seperti seorang anak kecil.

“Martinus Witkerk. De Telegraaf,” si kumis membaca surat tugas, lantas menoleh kepadaku. “Belanda?”

“Tidak bisa bahasa Melayu, asli dari sana,” sergah Dullah. Tentu saja ia berdusta.

“Aku tanya dia, bukan kamu. Sompret!” si komandan menampar pipi Dullah. “Teman-temanmu mati kena peluru, kamu ikut penjajah. Sana, minggat!” ia mengembalikan dompetku sambil menikmati rokok rampasannya.

“Terima kasih, Dullah,” kataku beberapa saat setelah kendaraan kembali melaju. “Kamu baik-baik saja?”

“Tak apa, Tuan. Begitulah sebagian dari mereka. Mengaku pejuang, tapi masuk-keluar rumah penduduk, minta makanan atau uang. Sering juga mengganggu perempuan,” sahut Dullah. “Untung saya yang mengemudi.  Bila Tuan Schurck yang pegang, saya rasa tuan berdua tidak akan selamat. Mereka suka menghabisi orang Eropa yang mudah marah seperti Tuan Schurck. Tidak peduli wartawan.”

“Jan Schurck memang pandai membahayakan diri,” aku tersenyum. “Itu sebabnya majalah Life memberinya gaji tinggi.”

“Tuan yakin alamat si nona ini?”

“Ya, seberang Topografisch Bureau. Tidak mau pergi dari situ. Si kepala batu.”

Kepala batu. Maria Geertruida Welwillend.

Geertje! Ya, itu nama sebutannya.

Aku bertemu wanita itu di kamp internir Struiswijk, tak lama setelah pengumuman resmi takluknya Jepang kepada Sekutu.

Waktu itu di hotel Des Indes, yang sudah kembali ditangani oleh manajemen Belanda, aku dan beberapa rekan wartawan tengah membahas dampak sosial di Hindia seiring kekalahan Jepang.

“Proklamasi kemerdekaan serta lumpuhnya otoritas setempat membuat para pemuda pribumi kehilangan batas logika antara ‘berjuang’ dan ‘bertindak jahat’. Rasa benci turun-temurun terhadap orang kulit putih serta mereka yang dianggap kolaborator tiba-tiba seperti menemukan pelampiasannya di jalan-jalan lengang, di permukiman orang Eropa yang berbatasan langsung dengan kampung pribumi,” Jan Schurck melemparkan seonggok foto ke atas meja.

God Almachtig. Mayat-mayat ini seperti daging giling,” Hermanus Schrijven dari Utrechts Nieuwsblad membuat tanda salib setelah mengamati foto-foto itu. “Kabarnya, para jagal ini adalah jawara atau perampok yang direkrut menjadi tentara. Sebagian rampasan dibagikan kepada penduduk. Tapi kerap pula diambil sendiri.”

“Bandit patriot,” Jan mengangkat bahu. “Terjadi pula semasa Revolusi Prancis, Revoulsi Bolshevik, dan di antara para partisan Yugoslavia hari ini.”

“Anak-anak haram revolusi,” aku menimpali.

“Aku benci perang,” Hermanus membuang puntung rokoknya

“Warga Eropa tidak menyadari bahaya itu,” kataku. “Setelah lama menderita di kamp, tak ada lagi yang mereka inginkan kecuali selekasnya pulang. Mereka tak tahu, Si Jongos dan Si Kacung telah berubah menjadi pejuang.” 

“Kurasa banyak yang tidak mendengar maklumat dari Lord Mounbatten agar tetap tinggal di kamp sampai pasukan Sekutu datang,” Eddy Taylor, dari The Manchester Guardian, angkat bicara.

“Ya. Dan para komandan Jepang, yang sudah tidak memiliki semangat hidup sejak kekalahan mereka, cenderung membiarkan tawanannya minggat. Ini mengkhawatirkan,” Jan menyulut rokok, entah yang ke berapa.

“Bisa lebih buruk. Tanggal 15 September kemarin, pasukan Inggris tiba di Teluk Batavia,” aku menujuk peta di meja. “Sebuah cruiser Belanda yang menyertai pendaratan itu konon telah memicu keresahan kalangan militan di sini. Bagi mereka, hal itu seperti menguatkan dugaan bahwa Belanda akan kembali masuk Hindia.”

Well, ini di antara kita saja. Menurut kalian, apakah Belanda berniat kembali?” Eddy Taylor menatap Jan dan aku, ganti-berganti.

Mendadak pembicaraan terpotong teriakan Andrew Waller, wartawan Sydney Morning Herald, yang setia memantau perkembangan situasi melalui radio: “Menarik! Ini menarik! Para mantan tentara KNIL dan tentara Inggris pagi ini memindahkan para penghuni kamp Cideng dan Struiswijk.” 

Tanpa membuang waktu, kami semua berangkat pergi. Aku dan Jan memilih mengunjungi Kamp Tawanan Struiswijk.

Mayor Adachi, komandan Jepang yang kami temui, menyambut gembira upaya pemindahan massal ini.

“Patroli kami kerap menjumpai mayat orang Eropa yang melarikan diri dari kamp. Tercincang dalam karung  di tepi jalan,” katanya.

Aku mengangguk sembari mencatat. Tetapi sesungguhnya mataku terpaku pada Geertje yang berjalan santai menenteng koper. Bukan menuju rombongan truk, melainkan ke jalan Drukkerijweg, bersiap memilih becak.

“Hei, Martin!” teriak Jan Schruck. “Gadis itu melirikmu sejak tadi. Jangan tolak keberuntunganmu. Kejar!”

Aku memang mengejarnya, tetapi segera menerima kejutan besar.

“Aku tidak ikut,” Geertje menatapku tajam. “Truk-truk ini menuju Bandung. Ke tempat penampungan di Kapel Ursulin. Sebagian lagi ke Tanjung Priok. Aku harus pulang ke Gunung Sahari. Banyak yang harus kukerjakan,” katanya.

“Maksudmu, sebelum Jepang datang, engkau tinggal di Gunung Sahari, dan sekarang hendak kembali ke sana?” tanyaku.

“Ada yang salah?” Geertje balik bertanya.

“Ya. Salah waktu dan tempat. Pembunuhan terhadap orang kulit putih, Tionghoa, dan orang-orang yang dianggap kolaborator Belanda semakin menjadi. Mengapa ke sana?”

“Karena itu rumahku. Permisi,” Geertje membalikkan badan, menenteng kembali kopernya.

Aku tertegun. Dari jauh kulihat si keparat Jan menjungkirkan ibu jarinya ke bawah.

“Tunggu!” aku mengejar Geertje. “Biar kuantar.”

Kali ini Geertje tak menolak. Dan aku bersyukur, Jan bersedia meminjamkan motornya.

“Hati-hati sinyo satu ini, Nyonya,” Jan mengedipkan mata. “Di Nederland banyak wanita merana menunggu kedatangannya.”

“Begitukah? Panggil ‘nona’, atau sebut namaku saja,” sahut Geertje.

“Oh, kalau begitu panggil aku Jan.”

“Dan ini Martin,” aku menebah dada. “Apakah kau tak ingin membuang bakiak kamp itu?” tanyaku sambil melirik kaki Geertje. ”Bukankah para tentara di sana menyediakan sepatu untuk wanita dan anak-anak? Mereka juga membagikan gincu dan bedak. Kalian akan kembali rupawan.”

“Belum terbiasa bersepatu lagi, jadi kusimpan di koper. Di kamp, aku mahir berlari dengan bakiak,” Geertje tertawa, meletakkan tubuhnya di jok belakang.

Mijn God. Tawa renyah dan lesung pipinya. Betapa ganjil berpadu dengan sepasang alis curam itu. Wajah yang sarat teka-teki. Apakah wanita ini masih memiliki keluarga? Suami? Tapi tadi ia minta dipanggil ‘nona’.

“Gunung Sahari sering dilewati Batalyon 10. Mereka menjaga permukiman Eropa. Tetapi tentu saja tak ada yang tahu, kapan serangan datang. Coba pikirkan usulku tadi,” dari kaca spion, kutengok Geertje. Ia tampak ingin mengatakan sesuatu, tetapi suara motor Jan teramat bising. Akhirnya kami membisu saja sepanjang perjalanan.

Di perempatan Kwitang aku meliuk ke kanan, meninggalkan iringan truk berisi wanita dan anak-anak di belakangku. Ah, anak-anak itu. Riuh bertepuk tangan, menyanyikan lagu-lagu gembira. Tidak menyadari bahwa kemungkinan besar tanah Hindia, tempat mereka lahir, sebentar lagi tinggal kenangan.

“Depan empang itu,” Geertje melambai.

Aku membelokkan sepeda motor. Rumah besar itu terlihat menyedihkan. Dindingnya kotor. Kaca jendela pecah di sana-sini. Anehnya, rumput pekarangan tampak seperti belum lama dipangkas.

“Sebentar!” kuraih lengan Geertje saat ia ingin berlari ke teras.  Dari tas di belakang motor, kukeluarkan belati yang tadi dipinjamkan oleh Jan. Kudorong pintu depan. Terkunci.

“Masih ingin masuk?” tanyaku.

“Ya,” jawab Geertje. “Singkirkan belatimu. Biar aku yang mengetuk. Semoga rumah ini belum diambil alih keluarga Eropa lain.”

“Atau oleh laskar,” sahutku.

Geertje mengetuk beberapa kali. Tak ada jawaban. Kami berputar ke belakang. Pintunya terbuka sedikit. Saat hendak masuk, terdengar langkah kaki dari kebun. Seorang wanita pribumi. Mungkin berusia lima puluh tahun.

“Nona!” wanita itu meraung, memeluk kaki Geertje.

Geertje menarik bahu si wanita agar berdiri.

“Jepang sudah kalah. Aku pulang, Iyah. Mana suamimu? Apakah selama ini engkau tinggal di sini?” tanya Geertje. “Ini Tuan Witkerk, teman saya. Martin, ini Iyah. Pengurus rumah tangga kami.”

Iyah membungkuk kepadaku, lalu kembali menoleh kepada Geertje.

“Setelah terakhir menengok Nona, rumah ini diambil Jepang. Tempat tinggal para perwira. Saya memasak untuk mereka. Tidak boleh pergi. Itulah sebabnya saya tidak bisa menengok Nona,” Iyah kembali terisak. “Mana Tuan, Ibu, dan Sinyo Robert?”

“Mama meninggal bulan lalu. Kolera,” Geertje mendorong pintu lebih lebar, lalu masuk rumah. Aku dan Iyah menyusul. “Papa dan Robert dikirim ke Burma. Sudah kuminta komandan kamp mencari berita tentang mereka,” lanjut Geertje.

“Barang berharga disita. Foto-foto di dinding musnah. Diganti bendera Jepang. Tapi belum lama ini mereka buru-buru pergi. Entah ke mana. Banyak barang tidak dibawa,” kata Iyah. “Saya ambil alat-alat masak dulu di gubuk. Sekalian ajak suami ke sini. Sejak jadi koki Jepang, saya pindah ke gubuk belakang. Setelah mereka pergi, saya tetap tidak berani tinggal di sini. Tapi setiap ada kesempatan, pasti menengok, membersihkan yang perlu.”

“Ajak suamimu. Kita bangun rumah ini. Kalau bank sudah berjalan normal, mungkin aku bisa mengambil sedikit simpanan,” Geertje membiarkan Iyah berlari ke luar, lalu meneruskan memeriksa rumah. Meja-kursi tersisa beberapa, juga lemari. Tetapi tak ada isinya. Sebuah kejutan kami temukan di ruang keluarga: piano hitam yang anggun. Cukup mengherankan, Jepang tidak menyita atau merusaknya. Mungkin dulu dipakai sebagai hiburan.

Geertje meniup debu tipis, membuka penutup tuts. Sepotong irama riang menjelajahi ruangan.

“Lagu rakyat?” tanyaku.

“Si Patoka’an,” Geertje mengangguk, lalu bersenandung menimpali ketukan tuts.

“Engkau menyatu dengan alam dan penduduk di sini. Mereka juga menyukaimu. Mungkin mencintaimu setulus hati,” kataku. “Tapi zaman ‘tuan’ dan ‘babu’ ini akan segera berakhir. Amerika semakin memperlihatkan ketidaksukaan mereka akan kolonialisme. Dunia luar juga mulai mengawasi setiap denyut perubahan yang terjadi di sini. Dan kehadiran kita selama beberapa ratus tahun sebagai penguasa negeri ini, bahkan makan jantung negeri ini, semakin memperburuk posisi tawar kita. Kurasa Hindia Belanda tak mungkin kembali, sekeras apapun upaya kita merebut dari tangan para nasionalis bumiputra ini.”

“Bila api revolusi telah berkobar, tak ada yang bisa menahan,” Geertje menghentikan laju jemarinya di atas tuts. “Mereka hanya ingin mandiri, seperti kata ayahku dulu. Ayah pengagum Sneevlit. Ia siap kehilangan hak-hak istimewanya di sini. Aku sendiri seorang guru sekolah bumiputra. Lahir, besar di tengah para bumiputra. Saat Jepang berkuasa, kusadari bahwa Hindia Belanda bersama segala keningratannya telah usai. Aku harus berani mengucapkan selamat tinggal kepadanya. Dan apapun yang ada di ujung nasib, aku akan tetap tinggal di sini. Bukan sebagai ‘penguasa’, seperti istilahmu. Entah sebagai apa. Jepang telah memberi pelajaran, pahitnya menjadi jongos atau babu. Setelah kemarin hidup makmur, bukankah memalukan lari di saat orang-orang ini butuh bimbingan kita? ”

“Orang-orang itu…” aku tidak meneruskan kalimat.  Sunyi sesaat.

“Konon, seorang pemburu menemukan bayi harimau,” akhirnya aku menghela napas. “Dirawatnya hewan itu penuh kasih. Ia menjadi jinak. Makan-tidur bersama si pemburu hingga dewasa. Tak pernah diberi daging. Suatu hari, tangan si pemburu tergores piring kaleng milik si harimau. Darah mengucur.”

“Si harimau menjilati darah itu, menjadi buas, lalu menerkam si pemburu,” potong Geertje. “Engkau mencoba mengatakan bahwa suatu saat para bumiputra akan menikamku dari belakang. Betul?”

“Kita ada di tengah pergolakan besar dunia. Nilai-nilai bergeser. Setelah berabad, kita menyadari tanah ini bukan Ibu Pertiwi kita,” jawabku. “Untuk ketigakalinya kuminta, pergilah selagi bisa.”

“Ke Belanda?” Geertje menurunkan tutup piano. “Aku bahkan tak tahu, di mana letak negara nenek moyangku itu.”

“Di kampung halamanku, di Zundert, ada beberapa rumah kontrakan dengan harga terjangkau. Sambil menunggu kabar tentang ayahmu, kau bisa tinggal di sana.”

“Terima kasih,“ Geertje tersenyum. “Kau sudah tahu di mana aku ingin tinggal.”

Itu jawaban Geertje beberapa bulan lalu. Sempat dua kali aku menemuinya kembali. Memasang kaca jendela, dan mengantarnya ke pasar. Setelah itu, aku tenggelam dalam pekerjaan. Geertje juga tak memikirkan hal lain kecuali membangun rumah. Sulit mengharapkan percik asmara hadir di antara kami.

Lalu datanglah berita tentang pertempuran keras tadi malam, yang merambat dari Meester Cornelis sampai ke Kramat. Beberapa kesatuan pemuda melancarkan serangan besar-besaran ke pelbagai wilayah secara rapi dan terencana. Di sekitar Senen – Gunung Sahari, sebuah tank NICA bahkan berhasil dlumpuhkan.

Aku mengkhawatirkan Geertje. Sebaiknya wanita itu kujemput saja. Biarlah ia tinggal bersama kami sementara waktu. Semoga ia tidak menolak. Schurck sedang ke luar kota. Tak bisa meminjam motornya. Untunglah, meski agak mahal, pihak hotel bersedia menyewakan mobil berikut sopirnya.

“Di depan itu, Tuan?” suara Dullah membawa diriku kembali berada di dalam kabin Chevrolet yang panas ini.

“Betul. Tunggu sini,” aku melompat ke luar dengan cemas. Di muka rumah Geertje, beberapa tentara NICA berdiri dalam posisi siaga. Sebagian hilir-mudik di halaman belakang. Beranda rumah rusak. Pintu depan roboh, penuh lubang peluru. Lantai dan tembok pecah, menghitam, bekas ledakan granat.

“Permisi, wartawan!” sambil menerobos kerumunan, kuacungkan kartu pengenal. Mataku nyalang. Kumasuki setiap kamar dengan perasaan teraduk, seolah berharap melihat tubuh Geertje tergolek mandi darah di lantai. Tetapi tak kunjung kutemui pemandangan mengerikan semacam itu. Seorang tentara mendekat. Agaknya komandan mereka. Kusodorkan kartu pengenal.

“Apa yang terjadi, Sersan…Zwart?” tanyaku sambil melirik nama dada tentara itu. “Korban serangan tadi malam? Di mana penghuni rumah?”

“Kami yang menyerang. Penghuninya lari. Tuan seorang wartawan? Kebetulan sekali. Kita sebarkan berita ini, agar semua waspada,” Sersan Zwart mengajak berjalan ke arah dapur. “Ini tempat para pemberontak berkumpul. Banyak bahan propaganda anti NICA,” lanjutnya.

“Maaf,” aku menyela. “Setahuku rumah ini milik Nona Geertje, seorang warga Belanda.”

“Tuan kenal? Kami akan banyak bertanya nanti. Ada dugaan bahwa Nona Geertje alias ‘Zamrud Khatulistiwa’ alias ‘Ibu Pertiwi’, yaitu nama-nama yang sering kami tangkap dalam siaran radio gelap belakangan ini, telah berpindah haluan.”

Geertje? Aku ternganga, siap protes. namun Sersan Zwart terlalu sibuk menarik pintu besar yang terletak di tanah, dekat gudang. Sebuah bunker. Luput dari perhatianku saat mengunjungi Geertje tempo hari. Kuikuti Sersan menuruni tangga.

Tak ada yang aneh. Warga Belanda yang sejahtera biasanya memiliki ruangan semacam ini. Tempat berlindung saat terjadi serangan udara di awal perang kemarin. Sebuah ruangan lembab, kira-kira empat meter persegi. Ada meja panjang, kursi, serta lemari usang berisi peralatan makan dan tumpukan kertas. Benar, kertas itu berisi propaganda anti NICA.

Sersan Zwart membuka kain selubung sebuah obyek di balik lemari. Pemancar radio!

“Warisan Jepang,” kata Sersan.

Aku membisu. Sulit mempercayai ini semua. Tetapi yang membuat tubuhku membeku sesungguhnya adalah pemandangan di dinding sebelah kiri. Pada dinding lapuk itu, tergantung satu set wastafel lengkap dengan cermin. Di atas permukaan cermin, tampak sederetan tulisan. Digores bergegas, menggunakan pemerah bibir: ‘Selamat tinggal Hindia Belanda. Selamat datang Repoeblik Indonesia’.

Aku membayangkan Geertje dan lesung pipinya, duduk di tengah hamparan sawah, bernyanyi bersama orang-orang yang ia cintai: “Ini tanahku. Ini rumahku. Apapun yang ada di ujung nasib, aku tetap tinggal di sini.”

Sejak awal Geertje tahu di mana harus berpijak. Perlahan-lahan kuhapus kata ‘pengkhianat’ yang tadi sempat hinggap di benak.

                                                                                   Jakarta, 12 Oktober 2012

Sumber: Iksaka Banu: Semua untuk Hindia! Jakarta, Kepustakaan Populer Gramedia, 2014; © Kepustakaan Populer Gramedia, Iksaka Banu

Rio Johan: Aksara Amananunna

Die 12 Kurzgeschichten dieser Sammlung erzählen von 12 Menschen aus der Zeit der Sumerer bis in das Jahr 8475. Sie alle versuchen, sich etwas Größerem als sich selbst zu stellen. 2014 wurde das Buch vom Magazin Tempo als Prosabuch des Jahres ausgezeichnet.

Rio Johan: Aksara Amananunna. April 2014, Kepustakaan Populer Gramedia (Taschenbuch)


Rio Johan: Amananunnas Schrift

Kurzgeschichte von Rio Johan im Original und in der Übersetzung von Gudrun Ingratubun.

Monate waren vergangen, seitdem Gott die Sprachverwirrung geschickt hatte und Amananunna hatte seine Sprache noch nicht gefunden. Es war als laste ein Fluch auf seiner Schicksalslinie…

Lala Bohang: The Book of Imaginary Beliefs

Wie schon seine beiden Vorgänger „The Book of Invisible Questions“ und The Book of Forbidden Feelings“ ist auch dieser dritte Band der Trilogie „The Book of Siblings“ von Lala Bohang wundervoll mit ihren eigenen Grafiken und ganz in grün illustriert. Die Texte handeln von den Gefühlen der Autorin und geben einen tiefen und bewegenden Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt. Es sind Geschichten über das eigene Ich, das Leben, Einsamkeit, Trauer und Liebe.

Lala Bohang: The Book of Imaginary Beliefs. PT. Gramedia Pustaka Februar Utama, 2019.


Leseproben aus dem Buch zum Download:

Rio Johan: Amananunnas Schrift

Monate waren vergangen, seitdem Gott die Sprachverwirrung geschickt hatte und Amananunna hatte seine Sprache noch nicht gefunden. Es war, als laste ein Fluch auf seiner Schicksalslinie. Woche um Woche wanderte er um den Fuß des großen Zikkurat-Turms von König Nimrod, dem Auslöser von Gottes Zorn. Er strengte seine Ohren an, bemühte sich redlich, die Laute aus den Mündern der ihn umgebenen Menschen wahrzunehmen. Nicht die Bedeutung eines einzigen Lautes erschloss sich ihm. Eine Sprache war völlig anders als die des nächsten Vorübergehenden. Oft nahm er nur Strukturen wahr, die er weder begreifen noch nachsprechen konnte. Alles klang nur wie unkoordinierter Lärm, der eher störend wirkte, verstörend, da es für Amananunna keinen Sinn ergab. Voller Ärger versetzte er dem Fuß des Zikkurat-Turms, Symbol für die Hybris König Nimrods, einen Tritt. Drei Wochen blieb er im Lande Babylon, doch nicht eine Sprache der Menschen hier klang seinem Ohr vertraut. Er wunderte sich jedoch, dass die Leute in seiner Umgebung ihre Sprachen weiterhin eifrig benutzten, obwohl niemand sicher sein konnte, ob der Nachbar die eigene Sprache verstand. Er fragte sich, wie es sein könne, dass er offensichtlich der einzige Mensch war, dessen Ohr und Mund sich nicht in Harmonie mit auch nur einem einzigen anderen Menschen dieser Gegend befand. Einmal wollte er sein Sprachvermögen testen, versuchte am Rande des Marktes die Worte eines eloquenten Marktleiters nachzusprechen. Das Ergebnis war ernüchternd. Der Marktleiter verstand nicht, was er sagte. Dessen Antwort wiederum ergab für Amannunna keinen Sinn. Schließlich beschloss Amananunna auf Wanderschaft zu gehen, in der Hoffnung eine Sprache zu finden, die mit seinem Mund und seinem Ohr im Einklang war. Er durchquerte Wüstengebiete und bezwang eine Reihe von Bergen. Das Land der Lullubi. Die Stadt Hamazi. Uri-ki. Susin. Schubur. Er erreichte das Land der Mar-tu. Dilmun. Er gelangte sogar zu den namenlosen Stämmen im Land Anshan. Hunger und Erschöpfung musste er durchstehen. Manchmal, wenn ihm das Schicksal wohlgesonnen war, bekam er ein Stück Wild oder süßes Gebäck von freundlichen Nomaden, auf die er traf – mit ihnen kommunizierte er unter Zuhilfenahme seiner Körpersprache, nicht etwa seines Mundes. Denn die Forderungen seines Magens duldeten keinen Aufschub mehr: Einmal hatte er in seiner Not schon Gras vom Wegesrand gegessen, ein Wüstenreptil, sogar Kadaver, die noch einen essbaren Eindruck machten. All dies nahm Amananunna auf sich in der Hoffnung, seine Sprache wiederzufinden. Doch nicht eine der Sprachen, auf die er traf, harmonisierte mit seinem Ohr. Sein Ohr fühlte sich verflucht, weil es nicht mehr die Macht besaß Worte wahrzunehmen. Er war doch nicht taub. Einige Leute hatten ihn auch schon für taub gehalten. Seine Ohren konnten zwar Laute wahrnehmen, aber keine Wörter. Andere bezeichneten ihn als einen Idioten. Ein weiteres Mal war er von einem Stamm, der am Fuße eines Berges wohnte, vertrieben worden, weil sie glaubten, er bringe Unglück. Trotz alledem setzte er seine Wanderschaft fort. Er ging immer weiter auf der Suche nach seiner Sprache. Das Land Schinar hatte er bereits hinter sich gelassen. Als er wenig später die Gelegenheit erhielt, auf einem Fischerboot mitgenommen zu werden, war seine Fähigkeit, sich mit Gebärden auszudrücken, durch die Erfahrung schon gut geschult – und die großen, zwischen den Booten ausgebreiteten Netze spendeten dem Wasser Schatten. Er erreichte die Städte Eridu. Uruk. Ur. Samarra. Den Fluss Tigris. Und schließlich die Länder am Mittelmeer. Er wusste nicht, wie lange er schon unterwegs war. Er wusste nicht, bis wohin er inzwischen vorgedrungen war, fühlte sich ausgelaugt. Da setzte er sich auf einen Stein in einer Gegend, von der er keine Vorstellung hatte. Eine steile Schlucht tat sich vor ihm auf. Ärgerlicherweise öffnete sich die Schlucht zur falschen Seite, so dass sie seinem Körper keinen Schutz vor der stechenden Hitze des Tages gab. Der Schweiß brach aus ihm heraus, strömte von seiner Stirn herab; einige Tropfen, die auf seinen Lippen Halt machten, schluckte er absichtlich hinunter, andere ließ er auf die heiße trockene Erde tropfen. Irgendwie spürte er das Geräusch der den Boden berührenden Schweißtropfen. Es klang wie eine Art Gähnen in seinem Ohr. Plötzlich entwich seinem Gehörgang heiße Luft  – und flüsterte! Sprache! In der nächsten Sekunde gelangte er wieder zu Bewusstsein. Sein Körper lag ausgestreckt auf dem unfruchtbaren Land. Die stechenden Sonnenstrahlen trafen noch immer auf seine schon glühenden Wangen. Die Sandkörner drangen in die Poren seines Gesichtes ein. Zum ersten Mal fühlte er eine Art von Erleuchtung. Amananunna fasste einen Entschluss: er würde eine eigene Sprache schaffen.

Mit diesem neuen Ziel setze er seine Wanderschaft fort. Er erfand eigene Wörter, inspiriert von dem, was er sah und hörte. Nicht selten schuf er ganz plötzlich ein neues Wort. Ein andermal nahm er ein Wort, das er irgendwo aufgeschnappt, aber nicht verstanden hatte, experimentierte ein bisschen mit dem Klang und machte es in abgewandelter Form zu einem Wort seiner eigenen Sprache. Er wanderte von Stadt zu Stadt, von Volk zu Volk, von Land zu Land, nicht nur um seine Sprache weiterzuentwickeln, sondern auch um seinen mündlichen Wortschatz zu verbreiten. Denn was für einen Sinn hätte eine Sprache, wenn er der Einzige wäre, der sie spräche. Doch wie hätte Amananunna dies bewerkstelligen sollen? Er war doch nur ein armer, unglücklicher Wanderer inmitten eines Dschungels fremder Sprachen, die schon ihre Berechtigung erlangt hatten. Die Leute, denen er seine Sprache anzubieten versuchte, hielten ihn entweder für verrückt oder dumm. Niemand schenkte ihm Beachtung, nahm ihn ernst. Wie konnte er seine Sprache in diesem Wald von ihm unverständlichen Sprachen verbreiten? Im fehlte die göttliche Macht dazu. Amananunna versank in tiefes Nachdenken. Amananunna begann am Rande eines Flusses in der Nähe einer Stammessiedlung darüber zu meditieren. Er betrachtete die Strömung des Flusses und die Sonnenstrahlen, die in die Wellen des Flusses eintauchten. Die Reflexion seines Gesichtes wippte auf und ab. Nur sein Schatten blieb unverändert. Neben dem Schatten eines anderen Menschen. Ein anderer Mensch! Neben ihm stand eine Frau! Wirklich, noch nie hatte er einen solchen Liebreiz gesehen! Die attraktive Gestalt war in schneeweißen Stoff gehüllt; ihr welliges Haar reichte ihr bis zur Hüfte. Sie lächelte für einen Moment und ihre Augen begegneten sich. Die Frau war zum Fluss gekommen, um ihren Durst zu löschen. Wahrscheinlich war sie auch auf Wanderschaft. Mit einem Zweig ritzte Amananunna ein neues Schriftzeichen in die feuchte Erde: ↭. So entdeckte er das Wort für „Liebe”. Sie reagierte mit einem Lächeln und strahlte schließlich selbstvergessen über das ganze Gesicht. Kurz gesagt, Amananunna wurde seine Gefährtin auf der Wanderschaft. Und dieser Frau, deren Namen er nicht kannte, hatte er – entsprechend der von ihm geschaffenen Schrift und Sprache – den Namen Manatumanna gegeben und sie erwiderte seine Liebe. Er lehrte sie seine Schrift und Sprache. Aus Liebe verzichtete sie ohne Bedauern auf ihre bisherige Schrift und Sprache. Amananunna war überzeugt davon, dass sie ein göttliches Wunder war, eine Brücke für das Fortbestehen seiner Sprache. Während einer Rast auf ihrer Wanderschaft liebten die beiden sich im segensreichen Schutz von Inanna – der Göttin der romantischen Liebe und der Fruchtbarkeit. Nach der ein oder anderen Ruhepause barg Manatumanna etwas in sich, was ihr Nachwuchs werden würde. Amananunnas Freude darüber war übergroß. Er hatte den Fortführer seiner Sprache schon vor Augen. Wegen dieser Aussichten ließen die beiden sich im Dorf eines Stammes nieder, dessen Namen sie nicht auszusprechen vermochten. Viele Wochen später war die Zeit der Geburt gekommen. Sie gaben ihrem Sohn den Namen Ilanumanna, entsprechend der Schrift und Sprache Amananunna. Einige Wochen später setzten sie ihre Wanderung mit dem neuen Familienmitglied fort. Von Stadt zu Stadt, von Volk zu Volk, von Land zu Land. Ab und zu boten sie den Leuten, denen sie begegneten, ihre Sprache an, aber ohne Erfolg. Sie wussten nicht, wie lange sie schon umherzogen, wie viele Ruhepausen sie schon eingelegt hatten, wie viele Nächte sie den segensreichen Schutz von Inanna schon genossen hatten. Die beiden kümmerte es nicht, wenn sie hungrig oder erschöpft waren. Unterdessen wuchs Ilanumanna heran, wurde größer, stattlicher und schöner. Mit seinem Talent zur Jagd und mit seinem Körperbau übertraf er Amanannunna bei weitem. Auf Wunsch seines Vaters brachten die Eltern dem Jungen die Schrift und die Sprache Amananunnas bei und keine andere.

Nach einer unbestimmten Zeit beschenkte die Göttin Inanna sie mit einem zweiten Segen. Amananunnas zweiter Sohn kam zur Welt und erhielt den Namen Ilalumanna. Amananunna hegte für seinen zweiten Sohn ebensolche Hoffnungen wie für den Erstgeborenen. Leider ging diese Hoffnung zu weit. Ilalumanna war ein schwacher und kränklicher Junge. Anstatt sich an der Jagd zu beteiligen, half er seiner Mutter bei leichten Arbeiten. Zwei Gründe, das Bemühen um Sicherheit und Wohlergehen und die Angst vor dem Einfluss anderer Sprachen, veranlassten Amananunna zu dem Entschluss, seine eigene Siedlung zu gründen. Als Ort wählte er die Ebene am Rande der Schlucht, wo er die geflüsterte Eingebung gespürt hatte, eine neue Sprache zu schaffen. Nach seiner Erinnerung gab es dort in der Nähe einen Fluss und eine Wiese, die ihnen als Lebensquelle dienen würde. Nun wohnten sie schon einige Jahre dort, jagten, bauten Gemüse an, züchteten Kühe und Schafe. Doch es gab noch einen Gedanken, der Amananunna Sorgen bereitete: Nachwuchs. Die Fortführung ihrer Familie war für den Fortbestand der Sprache unerlässlich. Doch Inanna bedachte sie mit keinem weiteren Kindersegen. Er hatte keine Tochter, die einer seiner Söhne theoretisch hätte heiraten können. Sein eigener Körper war schon in die Jahre gekommen. Er spürte, dass er bald etwas unternehmen musste. Da befahl er seinem ältesten Sohn, der von Tag zu Tag männlicher und attraktiver wurde, sich in der nächsten Stadt eine Frau zu suchen. Ilanumanna war einverstanden und beeilte sich, den Auftrag seines Vaters zu erfüllen. Pech für Ilalumanna, dass er jetzt zusätzlich die Pflichten seines älteren Bruders übernehmen musste. Wochen, Monate, ich weiß nicht wie viel Zeit schon vergangen war, doch Ilanumanna brachte keine Verlobte nach Hause. Da reiste Amananunna in die Stadt, die Ilanumannas Ziel gewesen war, und musste dort feststellen, dass sein Sohn Schrift und Sprache des Vaters schon nicht mehr verstand. Ilanumanna hatte aus Liebe zu seiner Frau Schrift und Sprache seines Vaters aufgegeben. Amananunna konnte seine Enkel zwar betrachten, aber sein Wissen nicht an sie weitergeben. Sein Ohr und seine Zunge hatten innerhalb seiner eigenen Nachfahren die Kraft verloren. Amananunna kehrte ohne jede Hoffnung nach Hause zurück. Wegen der übermäßigen Aufgaben in Haus und Hof wurde der jüngere Sohn von Tag zu Tag schwächer und kränker. Amananunna konnte in seinen Jüngsten keine Hoffnung mehr setzen. Doch er wollte keinesfalls hinnehmen, dass die von ihm geschaffene Sprache einfach so verloren ging. Amananunna unternahm eine letzte Anstrengung. Der alte Mann ritzte die Buchstaben seiner Sprache in die Wände der Schlucht, in die Felsen, in Höhlenwände. Wenigstens würde er so die Spuren seines Schriftwerkes der Nachwelt hinterlassen.

Surakarta, 19 November 2012

Übersetzt aus: Rio Johan: Aksara Amananunna. Paperback, 240 Seiten; April 2014, Kepustakaan Populer Gramedia

© Rio Johan, Gudrun Ingratubun

Rio Johan: Aksara Amananunna

Berbulan-bulan setelah Tuhan mengacaukan bahasa, Amananunna belum pula menemukan bahasanya. Pemuda yatim piatu itu bagai punya kutuk dalam garis kismatnya. Berminggu-minggu dihabiskannya mengelilingi kaki ziggurat Raja Nimrod yang jadi biang amuk Tuhan, menajamkan telinga dan bersusah-payah menangkap bebunyian yang datang dari mulut-mulut manusia sekitar. Tidak satupun bunyi yang dia mengerti. Lidah yang satu dengan yang lainnya bisa berbeda sama sekali. Seringnya yang dia tangkap cuma suara-suara asing yang coraknya tak bisa dia kenali apalagi rumuskan. Semuanya seperti bunyi kacau yang justru mengganggu ketimbang mampu dimengertinya. Kesal, dia menendang basis ziggurat yang jadi perlambangan hubrisitas Raja Nimrod itu.

Tiga minggu dia bertahan di Tanah Babel, tapi tak satupun lidah manusia-manusianya yang bisa bersahabat dengan telinganya. Dia justru heran bagaimana manusia-manusia sekelilingnya bisa tetap bercakap-cakap sebab bahasa yang satu belum tentu sama dengan lainnya. Dia bertanya-tanya, bagaimana bisa cuma dia seorang yang tak punya keserasian lidah dan telinga dengan satu manusia manapun di penjuru kota ini. Pernah dia mencoba menguji lidahnya, mencoba-coba melafalkan apa yang baru saja keluar dari mulut seorang tetua bermulut besar di satu sisi pasar. Hasilnya sama saja. Yang keluar dari lidahnya tak bisa dimengerti tetua itu. Yang dibalas tetua itu pun tak bisa ditangkap oleh telinganya.

Akhirnya Amananunna memutuskan berkelana dengan harapan menemukan bahasa yang bisa berserasi dengan telinga juga lidahnya. Gurun-gemurun diarunginya, jajaran jejabalan ditalukannya. Tanah Lullubi. Kota Hamazi. Uri-ki. Susin. Shubur. Sampai ke tanah orang-orang Mar-tu. Dilmun. Bahkan suku-suku tanpa nama yang tinggal di Tanah Anshan. Lapar dan lelah harus dia tahan. Kadang-kadang, kalau mujur nasibnya, dia mendapat buruan atau sekedar penganan dari orang-orang nomad baik hati yang ditemuinyasekalipun untuk berkomunikasi, dia mesti menggunakan isyarat badan, bukan lisan. Tersebab tuntutan perutnya sudah tak bisa ditunda-tunda, pernah juga dia terpaksa makan rerumputan, reptil gurun pasir, juga bangkai yang dirasanya masih layak makan. Semua itu dilakukan Amananunna demi pencarian bahasa.

Namun, tidak satupun lidah yang dia temui bisa berserasi dengan telinganya. Telinganya serasa terlaknat sehingga tidak lagi punya kuasa menangkap kata-kata. Dia tidak tuli. Beberapa orang yang dia temui mengira dia tuli. Telinganya mampu menangkap suara-suara, tapi tidak kata-kata. Beberapa orang lagi malah menuduhnya idiot. Dia pernah duisir olah salah satu suku tribal penghuni kaki sebuah jabal karena dianggap membawa kemalangan. Betapapun, dia terus melangkah. Dia terus berkelana mencari bahasa. Hingga melampaui Tanah Sinar. Menumpang sekoci pemukat—beruntunglah keterampilan isyarat badannya sudah dilatih pengalaman—menaungi Laut Merah. Eridu. Uruk. Uru. Samarra. Sungai Tigris. Sampai Tanah Mediterania. Entah sudah berapa masa dia berkelana. Entah sudah sampai mana akhirnya dia merasa lelah. Dia terduduk di sepucuk batu di wilayah yang sama sekali tidak dia mengerti. Ngarai terjal berdiri gagah di hadapannya. Sialnya ngarai itu berpacak di sisi yang salah sehingga tubuhnya tak terlindung dari sengatan siang. Bercucurlah keringatnya, mengalir dari puncak kepala; beberapa bulir yang singgah di mulut sengaja ditelannya, beberapa lagi dibiarkan menitik pada tanah yang kering-panas. Entah bagaimana dia merasa mendengar bunyi bebuliran peluhnya menyuntuh muka tanah. Semacam bebunyian menguap di telinganya. Tahu-tahu ada hawa panas mengembusi liang telinganya—berbisik! Bahasa.

Detik selanjutnya dia siuman. Tubuhnya telah terkapar di tengah hamparan tanah tandus. Sengatan siang masih juga menampar-nampar kulit pipinya yang sudah begitu menyala-nyala. Pepasiran mengembus pori-pori kulit mukanya. Itu juga kali pertama dia merasa begitu tercerahkan. Amananunna memutuskan: dia akan merumuskan bahasanya sendiri.

Dia melanjutkan pengelanaan dengan tujuan baru. Dia menciptakan kata-katanya sendiri berdasarkan apa saja yang bisa dia dengar dan dia lihat. Tak jarang pula dia menciptakannya sepatah kata secara tiba-tiba. Dan, pernah pula dia menyadur dan mengutak-atik ucapan-ucapan manusia-manusia yang pernah ditangkapnya—yang sebetulnya dia tidak mengerti makna aslinya—menjadi bahasanya sendiri. Dia berkelana dari kota ke kota, suku ke suku, tanah ke tanah, selain untuk merumuskan bahasanya sendiri, juga untuk menyebarluaskan khazanah lisannya pada manusia-manusia lain. Sebab, apalah artinya merumuskan bahasa bila hanya dia sendiri penggunanya.

Namun, apadaya Amananunna yang jelaslah bukan siapa-siapa selain pengelana malang di tengah rimbunan bahasa-bahasa asing yang sudah duluan merajalela. Orang-orang yang ditawarinya berbahasa menggunakan bahasanya selalu menganggapnya gila atau idiot. Tak ada yang memedulikannya; tak ada yang menyeriusinya. Bagaimana pula dia bisa menyebarluaskan bahasanya di tengah rimbunan bahasa-bahasa yang telinganya sendiri tidak bisa memahami? Dia tak punya kuasa ilahiah untuk itu.

Amananunna perlu berpikir keras.

Maka, berpikirlah Amananunna di tepian sungai di dekat pemukiman suku-suku tribal. Dipandangnya erat arus-arus juga sinaran siang yang sudah merasuk ke dalam gelombang larung sungai. Pantulannya terombang-ambing. Cuma bayangannya yang menetap di sana. Menetap di dekat bayang-bayang manusia lain. Manusia lain! Ada perempuan di sampingnya! Sungguh, belum pernah dia menyaksikan keindahan yang seperti itu! Wujud indah itu dililit kain-kain bening; rambut ikalnya panjang sepinggang. Setipis senyum timbul manakala mendapati mata Amananunna menancap pada matanya.

Perempuan itu cuma menumpang minum. Barangkali dia juga pengelana. Dengan seranting kayu Amananunna mengukir suatu aksara baru pada tanah basah: ↭. Ketika itulah dia menemukan kata yang maknanya kurang lebih “cinta.” Senyum perempuan itu jadi tumpah-ruah.

Singkat cerita, Amananunna mendapat teman berkelana. Perempuan yang tidak dia ketahui namanya dan kelak dia beri nama Manatumanna—sesuai dengan aksara dan lafal lisan ciptaannya—juga merasa cinta pada dirinya. Perempuan itu diberi pengetahuan aksara dan bahasa Amananunna. Perempuan itu rela menanggalkan aksara dan bahasanya sendiri demi cintanya. Perempuan itu pulalah yang diyakini Amananunna sebagai mukjizat ilahiah, jembatan bagi keberlanjutan bahasanya. Pada pemberhentian tertentu, keduanya bercinta di bawah naungan restu Inanna—dewi asmara dan kesuburan. Entah pada pemberhentian keberapa Manatumanna mengandung bakal keturunan. Amananunna girang sejadi-jadinya. Bakal penerus bahasanya sudah di depan mata. Tersebab kondisi itu pula keduanya memutuskan menetap di sebuah pedusunan suku tribal yang tak pernah bisa mereka eja namanya.

Puluhan minggu berlalu dan tibalah masa kelahiran. Putranya diberi nama Ilanumanna, sesuai dengan aksara dan bahasa Amananunna. Beberapa minggu selanjutnya mereka sudah melanjutkan pengelanaan dengan satu tambahan anggota. Kota ke kota, suku ke suku, tanah ke tanah. Sambil sesekali mencoba menawarkan bahasa ke manusia-manusia yang mereka temui, walaupun hasilnya percuma. Entah sudah berapa masa mereka berkelana. Entah sudah berapa perhentian dan berapa malam bernaungan restu Inanna. Mereka tidak peduli lapar ataupun lelah. Seiring itu, Ilanumanna tumbuh besar, gagah, dan rupawan. Kepiawaiannya berburu serta kebugaran jasmaninya jauh melampaui Amananunna. Juga, sesuai dengan kehendak ayahandanya, pemuda itu tumbuh dalam aksara dan bahasa Amananunna, bukan yang lain.

Entah pada masa keberapa pula Dewi Inanna menjatuhkan restu kedua. Putra kedua Amananunna lahir dan diberi nama Ilalumanna. Harapan Amananunna pada si bungsu sama besarnya dengan si sulung. Sayang harapan itu terlalu muluk. Ilalumanna tumbuh sebagai lelaki lemah dan pesakitan. Ketimbang turut serta dalam perburuan, Ilalumanna malah membantu tugas ringan ibundanya. Karena dua alasan, tuntutan kesejahteraan dan ketakutan akan pengaruh bahasa-bahasa lain, Amananunna memutuskan untuk membentuk koloni sendiri. Tanah yang dipilihnya: tanah ngarai tempat dia pertama kali mendapati bisikan ilham untuk mencipta bahasa. Seingatnya, ada sungai dan sabana yang bisa jadi sumber hidup mereka tak jauh ngarai itu.

Bertahun-tahun mereka menetap, berburu, bercocok-tanam, juga menggembala sapi dan domba, masih ada satu pikiran yang mengusik Amananunna: keturunan. Keberlanjutan keturunan diperlukannya untuk melanjutkan tradisi lisan, tapi Inanna tak lagi memberi restu pada mereka. Dia tak punya anak perempuan yang bisa dikawinkan dengan putra-putranya. Tubuhnya sendiri sudah mulai tua dan renta. Dia merasa perlu mengambil langkah segera. Maka, diperintahkannya putra sulungnya, yang semakin hari semakin gagah nan rupawan, mengawini perempuan dari kota terdekat. Ilanumanna patuh dan bersicepat menjalankan tugas ayahandanya. Sial bagi Ilalumanna, sebab si bungsu itu jadi dibebani tugas-tugas kakandanya.

Berminggu-minggu, berbulan-bulan, entah sudah berapa masa, Ilanumanna tak juga pulang membawa pinangan. Ketika Amananunna mendatangi kota tempat putranya berlabuh, si putra sulung tidak lagi memahami aksara dan bahasa ayahandanya. Ilanumanna sudah menanggalkan aksara dan bahasa ayahandanya demi cintanya pada satu perempuan. Amananunna cuma bisa menyaksikan cucu-cucunya tanpa bisa menurunkan pengetahuan lisannya. Telinga dan lidahnya kehilangan kuasa di tengah keturunannya sendiri.

Amananunna pulang dengan harapan yang sudah lebur. Tersebab kerja berlebihan yang bagai tak tertanggungkan, putra bungsunya semakin hari semakin lemah dan pesakitan. Amananunna tak bisa melihat harapan pada si bungsu. Betapapun, dia tidak ingin aksara dan bahasa ciptaannya lenyap begitu saja. Amananunna menempuh cara terakhir. Pria renta itu mengukir aksara-aksara bahasanya di ceruk-ceruk ngarai, pada bebatuan besar, juga di dinding gua. Setidaknya, dengan cara itu dia bisa meninggalkan jejak ciptaannya.

Surakarta, 19 November 2012

Sumber: Rio Johan: Aksara Amananunna. Jakarta, KPG (Kepustakaan Populer Gramedia), 2014

© Rio Johan

Triyanto Triwikromo: Das Wirrwarr der Verwandlung

Als Franz Kafka eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett in ein Rind verwandelt. Gewiss erschrak er, wälzte sich hin und her. Ihm wurde bewusst, dass er selbst – in der Gestalt eines Tierkörpers mit Buckel und Wamme – das Zimmer ausfüllte, was ihm kaum noch Raum für Bewegung ließ.

„Das ist bestimmt ein Traum. Es war doch Gregor Samsa gewesen, der sich in ein Ungeziefer, einen riesigen Mistkäfer verwandelt hatte. Nicht ich selbst. Und in ein Rind hätte ich mich bestimmt nicht verwandeln mögen“, murmelte Kafka, „Was wäre an einem Rind schon interessant?“

„Daran ist doch nichts Merkwürdiges“, sagte ein Tier mit aufgeblähtem Bauch, panzerartiger Rückenplatte und einer Vielzahl von Beinen, das ihm als der verwandelte Gregor Samsa vertraut war. Es krabbelte in Kafkas Ohr und flüsterte: „Ich habe mich in einen Mistkäfer verwandelt und niemand stört sich daran.“

„Doch merkwürdig: Wie würden die Leute wohl reagieren, wenn sie erführen, dass ein Mann jüdischer Herkunft, am 3.Juli 1883 in Prag geboren, von keinem Regime der Welt verfolgt, sich plötzlich in ein Buckelrind verwandelt hätte? Hat etwa die Bourgeoisie sich gegen mich verschworen und mein Denken derart beeinflusst, dass ich mich selbst als Rind sehe?“

„Oh“, sagte Gregor Samsa, seine Fühler flink hin und her bewegend, „denke nicht wie ein ängstlicher Dichter! Du hast Der Verschollene, Der Prozess, Das Schloss und Die Verwandlung geschrieben. Doch deine Werke bringen lediglich deine Angst zum Ausdruck. Angst, beiseite gedrängt zu werden. Angst, nicht genügend Raum zum Leben zu haben. Angst, zu sterben. Angst, als Dichter vergessen zu werden.“

Kafka fühlte sich verletzt, hörte Gregor Samsas Worten jedoch weiterhin zu.

„Denke wie ein Versicherungsangestellter! Nimm an, dass alle Menschen dumm sind, sich keine Gedanken machen, was Versicherungsagenten tun. Denn dann kannst du jeden überzeugen, obwohl du ein Rind geworden bist: Ich bin Kafka. Ein perfekter Schriftsteller. Bin nicht impotent und gebe immer das Beste für meine Leser.“

„Nichtsdestotrotz bin ich ein Rind, das Schwierigkeiten hat, aufrecht zu stehen“, erwiderte Kafka, „und du bist nur ein winziger Mistkäfer.“

Gregor Samsa schwieg. Er war nicht ansatzweise imstande, Kafka bei frostigen 2 Grad Celsius aus seinem Zimmer in der Heidestraße in Berlin-Zehlendorf herauszuziehen.

„Wäre ich doch nur ein riesiger Mistkäfer, dann könnte ich dich aus dem Zimmer zerren“, lamentierte Gregor Samsa. „Leider bin ich nur ein sehr kleines Tier. Dann brauche ich nur zu Gott zu beten, er möge dich in eine winzige Kuh verwandeln und mich in einen riesigen Mistkäfer.“

Kafka fühlte seinen widerwärtigen Buckel und versuchte erneut, aufzustehen, scheiterte aber. Er rief nach Dora, aber die Antwort seiner Geliebten stimmte ihn missmutig.

„Muhe doch nicht wie ein Rind, Liebling“, sagte Dora, „Schlaf wieder ein!“

Oh, sogar Dora hält mich für ein Rind, dachte Kafka. Wie beschämend, wenn sie dieses Tier mit Buckel, Wamme und dem Maul voller Speichel im Zimmer ihres Geliebten entdeckt. Ich muss sofort eine Strategie entwickeln, wie ich dieses Problem lösen kann. Und diesen Plan kann nur ein Rind ausführen. Weil allerdings nur Gregor Samsa meine Stimme hören kann, werde ich meine Bitte an diesen idiotischen reisenden Handelsvertreter richten.

„Gregor“, rief Kafka, „ich bin davon überzeugt, mich irgendwann in einen Menschen zurück zu verwandeln. Ist dies geschehen, bitte ich dich um Folgendes: Erstens, all meine handschriftlichen Werke zu retten. Zweitens, all meine bereits gedruckten und zu druckenden Werke einschließlich der Meditationen zu verbrennen. Es ist mein Wunsch, dass die Verehrer meiner Literatur durch das Lesen meiner Werke dümmer werden. Drittens  möchte ich dir mitteilen, dass Die Verwandlung wirklich ein Werk für den Müll ist. Lese sie niemals – am allerwenigsten, wenn du mit der Bahn fährst.“

Gregor, der noch in Kafkas Ohr saß, nickte. Er dachte, Kafka hätte sich eigentlich in eine Erbse verwandeln sollen oder in eine Erdnuss im Teigmantel. Wir könnten dann leicht auf die Straße rollen, wenn das von Kafka gemietete Haus in Flammen aufginge. Ich halte Erbsen und Erdnüsse bei weitem für mehr sexy als bucklige Tiere.

Zunehmend verwirrt durch diese Situation, die sich nicht sogleich wieder normalisierte, summte Gregor: „Deine Geschichte ist mir gleichgültig. Sollten wir nicht versuchen, den besten Weg zu finden, wieder Menschen zu werden?“

„Wieder Menschen zu werden?“, kicherte Kafka, „Glaubst du noch, dass die Menschen die edelsten Geschöpfe sind?“

„Gewiss“, entgegnete Gregor Samsa, der sich in seiner menschlichen Würde durch seine Tiergestalt erniedrigt fühlte.

„Du irrst dich, Gregor“, erklärte Kafka. „Vielleicht sind die Menschen sogar die verachtenswertesten Geschöpfe geworden und Gott hat uns deshalb in Tiere verwandelt.“

„Nun, wenn der Mensch schon als stinkendes Geschöpf betrachtet wird, warum verwandelst du dich nicht einfach in ein Nashorn und ich in einen Schmetterling?“

„Warum müssen es gerade ein Nashorn und ein Schmetterling sein?“

„Was stört dich denn an einem Nashorn und einem Schmetterling?“

„Glaubst du, dass ich, nachdem wir ein Nashorn und Schmetterling geworden sind, nach dem Aufwachen immer noch ein Nashorn sein werde und du ein Schmetterling? Oder glaubst du, dass wir morgen früh immer noch dasselbe Nashorn und derselbe Schmetterling sein werden? Ich denke, es ist sinnlos, jetzt zu diskutieren, was wir werden möchten? Adam hat auch nie gefragt, warum er Adam werden musste, warum der Wind der Wind wurde, der Nebel der Nebel und Jesus Jesus. Wir sollten uns lieber Gedanken machen, wie wir aus dieser misslichen Lage herauskommen.“

Franz Kafka und Gregeor Samsa verfielen in tiefes Nachdenken.

„Wie wäre es, wenn du deinem engen Freund Max Brod einen Brief schreibst, ob er uns aus dieser absurden Situation befreien kann?“

„Einen Brief schreiben? Rede kein dummes Zeug! In meinem Zustand kann ich unmöglich Briefe schreiben.“

Gregor Samsa war über Kafkas Antwort amüsiert. Er wunderte sich, warum er selbst noch sein menschliches Gehirn benutzte, obwohl er ein Mistkäfer geworden war. Aber er wollte nicht in ein verwirrendes Gedankenlabyrinth geraten. Deshalb ermunterte er Kafka, noch intensiver nachzudenken.

„Eigentlich ist es einfach, uns aus dieser absurden Situation zu befreien“, sagte Gregor. „Wir werden unsere Situation nicht als absurd empfinden, wenn wir alles, was uns passiert, für normal halten.“

„Wie meinst du das?“

„Du wirst meine Absicht verstehen, nachdem du einige Fragen beantwortet hast. Erstens, ist das Zimmer, in dem wir uns jetzt befinden, für dich der Himmel? Wenn ja, dann bedeutet es, dass wir uns daraus nicht befreien müssen. Wir akzeptieren unser Schicksal, ein Rind und ein Mistkäfer geworden zu sein. Zweitens, ist es dir wichtig, dass der Welt berichtet wird, dass Kafka noch lebt, von der Tuberkulose geheilt ist und lächerliche Geschichten über die Vertreibung der Juden schreibt? Wenn nicht, müssen wir niemanden darum bitten, ein Rind und einen Mistkäfer in Menschen zu verwandeln. Drittens, möchtest du noch immer der Welt erzählen, dass es Kafkas sehnlichster Wunsch ist, ein Kampfhund zu werden? Wenn nicht, lass uns einfach unser Leben in Ruhe in diesem Zimmer verbringen. Meditieren, bis wir alt werden. Bis niemand mehr unseren Zustand beachtet.“

Kafka bemühte sich, Gregor Samsas Fragen und Erkenntnisse zu interpretieren.

„Ich weiß keinerlei Antwort auf deine drei Fragen“, sagte Kafka. „Ich stelle mir gerade vor, wie unsere Körper allmählich auf die zehnfache Größe anwachsen, bis sie die Wände dieses Zimmers durchbrechen. Ich denke, das ist kein absurder Gedanke, denn ein Rind und ein Mistkäfer zu werden ist ja auch nicht absurd.“

„Durchbrechen?“, kicherte Gregor Samsa. „Durchbrechen ist das schönste Wort auf der Welt. Ja, wir werden die Zimmerwände auf mehrfache Weise durchbrechen.“

Kafka schwieg. Ihm war bewusst, dass er die Wand im Moment unmöglich durchbrechen konnte. Es war unvorstellbar schwer, sich mit diesem fetten Körper mit Buckel und Wamme überhaupt zu bewegen. Noch schwieriger sich hinzustellen. Fast unmöglich den Kopf zu bewegen, die Hörner gegen die Wand zu stoßen.

„Denkst du, dass ich dir nicht helfen kann? Denkst du etwa, dass eine Figur, die du geschaffen hast, nichts erreichen kann?“

Kafka nickte.

„Du hast wohl vergessen, dass ich ein reisender Handelsvertreter bin. Du hast vergessen, dass ein reisender Handelsvertreter einen Instinkt besitzt, zur rechten Zeit aufzustehen, sich eilig die Schuhe anzuziehen, wie ein verrückt gewordener Hund zu rennen, um den Zug noch zu erreichen und sich jederzeit durch die Zimmertür befreien kann.“

Kafka nickte, konnte aber immer noch nicht erraten, was Gregor Samsa vorhatte.

„Schließe die Augen, Kafka, und fühle, wie dunkel unsere Welt ist.“

Kafka schloss seine Augen. Er hatte seine Augen noch nicht lange geschlossen, da konnte er sich nicht mehr darauf konzentrieren, das Gefühl der Dunkelheit zu genießen, weil er einen stehenden Schmerz an seinem Ohr spürte.

„Gregor, Gregor“, rief Kafka. „Beiße mir nicht ins Ohr. Sofort raus aus meinem Ohr!“

Gregor Samsa kümmerte sich nicht darum. Er biss immer wieder in Kafkas Ohr. Biss, biss und biss, bis Kafka, dieses riesige Buckelrind mit Wamme, schnaubte, sich erhob, und um den Schmerz zu lindern, gegen die verschiedensten Gegenstände polterte.

Die Schreibsachen wurden verwüstet, die Bücher durcheinander geworfen. Das Bett zerbarst.

„Gregor“, schrie Kafka erneut. „hör auf zu beißen!“

Er erhielt keine Antwort. Gregor biss ihn so lange, bis es ihm schließlich gelang die Zimmerwände zu durchbrechen und ins Freie auf die Straße zu laufen. Da rief Dora Diamant: „Warum schnaubst du wie ein Rind, Liebling. Lass dieses absurde Geräusch!“

Aber Kafka hörte ihr Rufen nicht. Er hörte auch die Menschen auf der Straße nicht, die sagten: „Kafka, warum krabbelst du nachts auf der Straße herum?“

Nachdem er eine Zeitlang die Strommasten und die vorüberfahrenden Kutschen betrachtet hatte, sagte Kafka schließlich zu Gregor Samsa: „Es hat sich nicht gelohnt, das Haus zu verlassen. Lass uns zurück ins Zimmer gehen. Schlafen und morgen mit neuer Erfahrung, neuer Hoffnung aufwachen.“

„Neuer Hoffnung?“, fragte Gregor Samsa. „Du glaubst noch, dass wir neue Hoffnung schöpfen werden?“

Übersetzung von Gudrun Ingratubun aus dem noch unveröffentlichten Roman „Metamorkafka“ von Triyanto Triwikromo.

© Triyanto Triwikromo, Gudrun Ingratubun

Triyanto Triwikromo: Kekacauan Metamorfosis

Ketika Franz Kafka terbangun dari mimpi buruk, di atas tempat tidur dia menemukan dirinya berubah menjadi sapi.1  Tentu Kafka kaget. Dia melirik dan mendapatkan dirinya –dalam bentuk tubuh satwa yang berpunuk dan bergelambir– memenuhi kamar, sehingga nyaris tak ada ruang untuk bergerak.

“Ini pasti mimpi. Seharusnya Gregor Samsa yang berubah jadi binatang menjijikkan serupa kecoa atau kumbang raksasa penyebar hama. Bukan aku. Dan metamorfosis menjadi sapi jelas sangat tidak kuharapkan,” gumam Kafka, “Apa yang menarik dari seekor sapi?”

“Tak ada yang aneh,” kata binatang berperut menggelembung, berbuku-buku, dan berkaki banyak yang kaukenal sebagai metamorfosis Gregor Samsa itu,  sambil merayap ke telinga Kafka, “Aku juga berubah satwa yang tidak diinginkan dan tak seorang pun merisaukan.”

“Tentu saja aneh. Apa reaksi orang jika seorang pria keturunan Yahudi kelahiran Praha 3 Juli 1883 yang tidak merasa ditekan rezim mana pun tiba-tiba harus berubah menjadi sapi? Jangan-jangan ada masyarakat borjuis yang bersekongkol mengubah cara berpikirku sehingga aku selalu melihat diriku sebagai sapi.”

“Oo,” ujar Gregor Samsa sambil menggerak-gerakkan sungut, “Kau jangan berpikir seperti para pengarang penakut. Kau memang telah menulis Amerika, Proses, Puri, atau Metamorfosis. Akan tetapi tulisan-tulisanmu itu hanya perwujudan dari rasa takut. Takut tersingkir. Takut tak dapat ruang hidup. Takut mati. Takut tak dikenang sebagai penulis.”

Kafka tersinggung, tetapi dia tetap mendengarkan omongan Gregor Samsa.

“Berpikirlah seperti seorang yang bekerja di kantor asuransi. Anggaplah semua orang bodoh dan tak merisaukan apa pun yang dilakukan oleh para penganjur asuransi. Itu berarti sekalipun sudah menjadi sapi, kau bisa meyakinkan siapa pun, ‘Ini aku Kafka. Aku penulis yang sempurna. Tidak impoten dan selalu memberikan segala yang terbaik untuk pembaca.’”

“Tetapi tetap saja aku hanya seekor sapi yang sulit berdiri,” kata Kafka, “dan kau tetap binatang menjijikkan yang teramat kecil.”

Gregor Samsa terdiam. Dia tidak mungkin menyeret tubuh Kafka keluar dari kamar di sebuah rumah di Busse Heidestraße, Berlin, yang sedang dihajar oleh cuaca 12 derajat celcius.

“Jika saja aku bisa berubah menjadi kecoa raksasa berkaki panjang dan banyak, aku akan bisa memaksamu keluar dari kamar ini,” Gregor Samsa mendebat, “Sayang aku hanya satwa kecil yang ringkih. Itu berarti aku hanya perlu berdoa dan memohon pada Tuhan agar Dia segera mengubahmu menjadi sapi mini dan aku bermetamorfosis menjadi binatang raksasa.”

Sambil merasakan ada punuk besar yang menjijikkan, Kafka mencoba bangkit, tetapi kesulitan. Dia berteriak memanggil Dora Diamant, tetapi suara sang kekasih malah menyebalkan hati.

“Jangan melenguh-lenguh seperti sapi, Sayang,”  kata Dora, “Tidurlah lagi!”

Oo, Dora pun sudah menganggapku sebagai sapi, batin Kafka. Sangat memalukan bagiku jika dia sampai melihat binatang berpunuk dan bergelambir dengan mulut penuh lendir berada di kamar kekasihnya. Karena itu, aku  harus segera punya strategi mengatasi persoalan ini. Strategi yang hanya bisa dilakukan oleh seekor sapi. Lalu, karena hanya Gregor Samsa yang mungkin bisa mendengarkan suaraku, aku akan katakan pesan-pesanku kepada pedagang kelililing sialan itu.

“Gregor,” ujar Kafka, “Aku yakin sewaktu-waktu kau akan bermetamorfosis menjadi manusia kembali. Jika saat itu tiba, aku ingin minta tolong, pertama, selamatkan karya-karya yang kutulis tangan. Kedua, tolong bakar karya-karyaku yang telah dan akan dicetak, termasuk Meditasi. Aku tak ingin penggemarku berpikir dengan cara-cara yang lebih bodoh setelah membaca karyaku. Ketiga, aku ingin mengatakan kepadamu: Metamorfosis itu karya sampah. Jangan pernah kaubaca –terutama saat naik kereta.”

Gregor yang masih berada di telinga Kafka manggut-manggut. Dia berpikir:Kafka seharusnya bermetamorfosis jadi kacang polong dan aku berubah jadi kacang atom. Kami akan mudah menggelinding ke jalanan jika rumah yang disewa Kafka terbakar. Kukira, kacang polong atau kacang atom lebih seksi ketimbang binatang berpunuk.

Kian bingung menghadapi situasi yang tidak segera berubah ke titik normal, Gregor pun mendengung, “Aku aku tidak peduli pada kisah-kisahmu. Apakah tidak sebaiknya kita cari saja cara terbaik bermetamorfosis menjadi manusia?”

“Menjadi manusia kembali?” Kafka terkekeh, “Apakah kau menyangka manusia masih merupakan makhluk termulia?”

“Tentu saja,” kata Gregor Samsa yang merasa menjadi satwa telah menurunkan derajat kemanusiaan.

“Kau keliru, Gregor,” jelas Kafka, “Mungkin saja manusia sudah menjadi makhluk terbusuk sehingga Tuhan mengubah kita menjadi satwa.”

“Wow, jika manusia sudah dianggap sebagai makhluk busuk, mengapa kau tidak berubah jadi badak dan aku menjadi kupu-kupu saja?”

“Mengapa harus jadi badak dan kupu-kupu?”

“Apakah salah menjadi badak dan kupu-kupu?”

“Apakah kau yakin setelah menjadi badak dan kupu-kupu, ketika bangun tidur aku tetap jadi badak dan kau jadi kupu-kupu? Atau apakah kau yakin esok pagi kita akan jadi badak dan kupu-kupu yang sama? Kukira sekarang tidak perlu memperdebatkan kita hendak menjadi apa? Adam tak pernah bertanya mengapa harus jadi Adam, angin jadi angin, kabut jadi kabut, dan Kristus menjadi Kritus. Kita perdebatkan saja bagaimana kita keluar dari situasi terkutuk ini.”

Franz Kafka dan Gregor Samsa pun lalu berpikir keras.

“Bagaimana kalau kau berkirim surat kepada Max Brod, kawan karibmu itu, agar dia membebaskan kita dari situasi yang konyol ini?”

“Menulis surat? Jangan ngawur! Aku tak bisa menulis surat lagi.”

Gregor Samsa geli mendengarkan jawaban Kafka. Dia membatin mengapa dia masih menggunakan otak manusia pada saat telah menjadi kecoa. Tetapi dia tidak ingin berada dalam labirin kebingungan. Karena itu dia mengajak Kafka berpikir lebih keras.

“Sebenarnya gampang melepaskan diri dari situasi konyol ini,” kata Gregor, “Kita tak akan merasa dalam situasi konyol kalau kita anggap apa pun yang terjadi saat ini hanyalah peristiwa yang normal-normal saja.”

“Maksudmu?”

“Kau akan tahu maksudku kalau kau bisa menjawab beberapa pertanyaanku. Pertama, apakah kau menganggap kamar yang sekarang kita tempati ini sebagai surga? Jika ya, berarti kita tidak perlu membebaskan diri dari ruang sempit ini. Kita terima saja nasib yang mengubah kita menjadi sapi dan kecoa. Kedua, apakah masih penting bagimu mewartakan kepada dunia bahwa Kafka masih hidup, bebas dari tuberkulosis, dan masih akan menulis cerita-cerita remeh temeh tentang pengusiran orang-orang Yahudi? Jika tidak, kita tidak perlu memohon kepada apa pun atau siapa pun untuk mengubah seekor sapi dan seekor kecoa berubah jadi manusia. Ketiga, apakah kau masih ingin mengatakan kepada dunia betapa Kafka sesungguhnya bisa menjadi anjing perang? Jika tidak, kita berdiam saja di kamar. Bermeditasi sampai tua. Sampai siapa pun tak peduli pada keberadaan kita.”

Kafka berusaha menafsirkan pertanyaan dan pernyataan Gregor Samsa.

“Aku tak punya jawaban apa pun untuk ketiga pertanyaanmu,” kata Kafka, “Aku hanya membayangkan lambat laun tubuh kita akan membesar sepuluh kali lipat sehingga mampu menjebol kamar ini. Kukira ini bukan pikiran konyol karena menjadi sapi dan kecoa juga bukan peristiwa konyol.”

 “Menjebol?” Gregor Samsa tergelak, “Menjebol adalah kata paling indah di dunia. Ya, kita akan menjebol kamar ini dengan berbagai cara.”

Kafka terdiam. Dia merasa saat ini tidak mungkin menjebol kamar. Sungguh berat menggerakkan tubuh tambun berpunuk dan bergelambir. Apalagi berdiri. Apalagi menggerakkan kepala dan menanduk dinding kamar.

“Kau menyangka aku tak bisa menolongmu? Kau menyangka sosok yang kauciptakan tak bisa berbuat apa-apa?”

Kafka mengangguk.

“Kau lupa aku seorang pedagang kelililing, Kafka. Kau lupa seorang pedagang kelililing punya naluri untuk bangun tidur tepat waktu, mengenakan sepatu dengan cepat, mengejar kereta bagai anjing kesetanan, dan membebaskan diri dari pintu kamar sepanjang waktu.”

Kafka manggut-manggut tetapi tetap tak bisa menebak tindakan yang akan dilakukan oleh Gregor Samsa.

“Pejamkan matamu, Kafka, rasakan betapa gelap dunia kita.”

Kafka pun memejamkan mata. Tak lama dia memejamkan mata. Tak mungkin dia fokus dan merasakan kenikmatan di sebuah dunia yang gelap karena rasa sakit di telinga begitu menusuk-nusuk.

“Gregor, Gregor,” teriak Kafka, “Jangan kaugigit telingaku. Keluar dari telingaku sekarang juga!”

Gregor Samsa tidak peduli. Dia terus menggigit telinga Kafka. Mengigit. Menggigit. Mengigigit hingga Kafka, sapi raksasa berpunuk dan bergelambir itu,  mendengus-dengus, bangkit, dan mencoba mengatasi rasa sakit dengan menanduk segala benda.

Alat-alat tulis berantakan. Buku-buku berhamburan. Ranjang ambrol.

“Gregor,” teriak Kafka lagi, “Hentikan gigitanmu!”

Tak ada jawaban. Gregor terus menggigit hingga akhirnya Kafka bisa menjebol kamar dan berlari dengan bebas di jalanan, hingga akhirnya Dora Diamant berteriak, “Mengapa terus-menerus mendengus seperti sapi, Sayang. Hentikan ulah konyolmu!”

Kafka sudah tidak mendengarkan teriakan itu. Kafka juga tidak lagi mendengarkan orang-orang di jalan yang bilang, “Kafka mengapa kau merangkak di jalanan malam-malam?”

Setelah sekian lama memandang tiang-tiang listrik dan beberapa kereta kuda berseliweran, serta menganggap dunia berjalan dengan monoton, Kafka hanya ingin bilang kepada Gregor Samsa, “Tak ada gunanya keluar rumah. Lebih baik cepat kembali ke kamar. Tidur dan esok bangun pagi dengan pengalaman baru, dengan harapan baru.”

“Harapan baru?” kata Gregor Samsa, “Kau masih percaya akan ada harapan baru, Kafka?”


1 Ini merupakan kalimat pelesetan dari pembuka cerita Kafka, “Metamorfosis”.

© Triyanto Triwikromo

Feby Indirani: Baby ingin masuk Islam

Sidang Majelis seketika riuh rendah karena suatu kabar yang dibawa Kyai Fikri, yaitu seekor babi bernama Baby menyatakan keinginannya  masuk Islam. Dari berbagai penjuru ruangan, ucapan ‘Astaghfirullah’ menggema, sebelum kemudian sejumlah tangan serentak terangkat  untuk meminta kesempatan mengutarakan pendapat, sedangkan sebagian peserta sidang lainnya bahkan tidak merasa perlu meminta ijin dan langsung saja bicara. Pimpinan sidang kewalahan dan akhirnya menghentikan sidang selama 30 menit.

Setelah itu, majelis memutuskan menyidang Kyai Fikri yang menjadi sumber berita kontroversial tersebut. 

Bagaimanapun menghadapi Kyai Fikri bukanlah sesuatu yang mudah, karena ia dikenal sebagai kyai yang disegani. Tubuhnya tidak tinggi, kurus dan cenderung tampak ringkih. Tapi tatapan matanya tajam dan jernih. Ia memiliki aura yang kuat, yang membuat orang akan segan kepadanya. Umurnya sulit ditebak jika hanya melihat penampilannya.  Ia tampak matang, dengan janggutnya yang pendek dan rapi, sekaligus kelihatan cukup muda secara keseluruhan karena sikap tubuhnya yang gesit. 

Ia mengucapkan salam dengan suaranya yang dalam, dan seluruh ruangan mendadak senyap.

“Baby menunjukkan kesungguhannya untuk masuk Islam, dan saya termasuk orang yang percaya, hidayah bisa mengubah dan menyentuh siapa saja. Jika kita meyakini Islam menjunjung nilai keadilan, saya rasa kita mesti memberikan Baby kesempatan. “

“Maaf Kyai,” ujar seorang peserta majelis. “Apakah itu berarti Baby akan mengubah perilaku-perilaku anehnya?”

“Aneh itu kan menurut kita, karena ia berbeda dengan kita. Baby akan tetap menjadi babi sesuai sunnatullah-nya. “

Bisik bisik memenuhi seisi ruangan. Seorang peserta muda mengangkat tangan. “Kyai, saya ingin tahu kenapa Kyai begitu membela Baby, tapi sebelumnya saya penasaran, bagaimana Kyai bisa ada hubungan dengannya? Bukankah ia makhluk haram?”

“Saya memelihara ternak, antara lain babi,” sahut Kyai Fikri tenang. “Haram untuk memakannya, tapi tidak untuk memeliharanya, kan?”

Ruangan kembali berisik. Kyai keblinger, bisik mereka.

“Mohon maaf Kyai, tapi untuk apa?”

“Saya memberi makan orang-orang di kampung-kampung yang kehidupannya sangat miskin. Hewan-hewan ternak lain terlalu mahal, sementara satu kali mengandung babi bisa memiliki 20 anak. Ia termasuk jenis binatang yang paling banyak memiliki keturunan. Itulah awalnya saya memutuskan memelihara babi.”

“Kenapa Kyai tega memberi makan orang-orang miskin dengan babi?”

“Mereka terlalu miskin, dan mereka bukan Islam. Terlalu mewah bicara agama dengan mereka, agama mereka mungkin hanya makanan, dan air bersih,” Kyai Fikri menyapukan pandangannya menatap wajah-wajah peserta majelis yang memandangnya tanpa berkedip.

“Saya sering menginap di kampung tersebut, bersama penduduk, tinggal di langgar kecil, tidak begitu jauh dari kandang babi. Saya sholat dan mengaji seperti di mana pun saya berada. Lalu suatu saat ketika saya keluar, ada seekor babi betina yang selalu memandangi saya, seperti menunggu. Seperti  selalu ingin mengatakan sesuatu. Babi itu sudah cukup tua, berusia 15 tahun dan tidak bisa beranak lagi. Karena seringnya ia melakukan itu, menunggu dan seperti ingin menyampaikan sesuatu, saya menamai dia Baby, dan dia tampak mengerti bahwa itu adalah nama yang saya berikan untuknya.”

Ia terdiam sesaat, mengambil nafas. “Atas ijin Allah, ia bisa menyampaikan keinginannya, dan saya bisa memahami maksudnya. Ia menyatakan ingin menjadi  pemeluk Islam di hari-hari akhir hidupnya.  Ia tahu akan segera mendapat giliran dipotong, dan ia ingin permintaannya dipenuhi. ”

Suasana ruangan mendadak kembali ingar bingar, karena begitu banyak peserta berbicara di saat yang sama. Saling debat, saling sanggah.

“Bagaimana mungkin seorang Kyai yang mulia  bisa bergaul dengan Baby? “

“Tidak akan kita biarkan! Seluruh hal tentang babi itu haram. Seluruh zatnya. Titik.“

 “Apa hak kita  melarang siapa pun masuk Islam? Katanya Islam itu rahmat bagi semesta alam?”

“Memangnya apa agama Baby sebelumnya? Kenapa dia ingin masuk Islam sekarang? “

“Kalau Anda melarang Baby masuk Islam, artinya Anda bersikap tidak adil. Dan itu adalah sikap yang dibenci Allah dan Rasul-Nya.”

“Tapi apa kita semua mau satu agama dengan Baby? Itu kan menurunkan derajat kemanusiaan kita.”

“Tubuh kita dan Baby itu sangat mirip. DNA kita hanya berbeda tiga persen dari mereka, jadi sesungguhnya kita lebih dekat dengan mereka daripada yang kita bayangkan.”

“Lantas kemudian dia jadi boleh masuk Islam? Kan kita sudah tahu keanehan-keanehan Baby.  Tentang tabiat  yang kotor dan malas. Juga karakternya yang tak jelas,  bisa menyerupai binatang buas karena ia bertaring dan makan daging tapi juga dia mirip binatang jinak karena berceracak dan makan dedaunan,”

“Terdengar semakin mirip dengan kita kan?”

Gema ‘Astaghfirullah’ kembali terdengar dari berbagai penjuru ruangan.  Tidak ada yang mendengarkan satu dengan lainnya dan masing-masing orang hanya sibuk dengan pendapatnya sendiri-sendiri. Pimpinan sidang memerintahkan reses selama dua jam  untuk membahas persoalan ini. Para peserta sidang  pun secara alamiah langsung membentuk kelompok yang dirasa cocok dan sepikiran dengan mereka. Setiap anggota majelis saling beradu argumentasi tentang bagaimana harus menyikapi persoalan Baby.

Sidang kembali dimulai dan  peserta sidang diminta melakukan voting dalam pengambilan keputusan. Kelompok pertama yang paling besar jumlahnya atau sekitar 40 persen dari majelis adalah mereka yang jelas menolak Baby, tidak ada pertimbangan dan tidak ada kompromi.  Sementara sebanyak 35  persen secara prinsip tidak setuju, tapi meyakini mereka perlu memanggil Baby untuk mendengarkan dari sisi Baby. Kelompok ini meyakini bahwa Majelis mesti bersikap tepat secara politis dan bagaimanapun harus mengusung prinsip-prinsip keadilan. Kelompok berikutnya, 23 persen, adalah kelompok yang mendukung Kyai Fikri, kelompok ini kecil tapi memiliki suara yang biasanya didengar oleh mayoritas anggota, karena posisi dan status sosial mereka yang dihormati publik. Di dalam kelompok ini sebetulnya termasuk juga adalah orang-orang yang menyetujui semata karena mengagumi Kyai Fikri dan keunikannya. Sisanya abstain, adalah mereka yang tidak tertarik dengan konflik dalam bentuk apapun juga.

Masing-masing kelompok berdebat argumentasi satu dengan yang lainnya, dan keputusan belum dapat diambil karena belum ada suara mayoritas. Akhirnya karena hari sudah larut, sidang harus dihentikan terlebih dulu dan dilanjutkan esok hari.

Dalam jeda sidang itu, terlihatlah bagaimana  kelompok 35 persen itu diperebutkan oleh dua kubu lainnya.  Kelompok 40 persen tentu saja merasa mereka seharusnya sedikit lagi memenangi keputusan ini, dan akan begitu mudah jika kelompok 35 tidak terlampau etis. Untuk apa sok etis, jika hasil akhir sudah jelas, yaitu tidak setuju. Tapi kelompok 35 terdiri dari mereka yang sangat menyukai proses dan sangat ingin majelis tampak bagus di mata publik.

Sementara itu, secara prinsip, kelompok 23 jelas memiliki sikap yang berbeda. Mereka pun sebal pada orang-orang dari kelompok 35 yang mereka nilai terlalu mementingkan pencitraan, haus pujian, dan tidak konsisten. Namun kelompok 35 memiliki jumlah signifikan, dan masih punya keinginan untuk melakukan proses yang adil betapapun itu hanyalah kosmetik belaka.  Kelompok 23 menimbang, jika setidaknya mereka bisa menghadirkan Baby dalam sidang, itu sudah merupakan suatu langkah besar, plus peluang bahwa keinginannya dapat dikabulkan majelis — seberapapun kecilnya kemungkinan itu.

Debat dan negosiasi yang terjadi begitu alot, bahkan untuk sekadar menghadirkan Baby di sidang majelis. Karena bagi banyak peserta itu akan menjadi kali pertama dalam hidup mereka berinteraksi dengan babi.  Sidang tertunda selama dua hari tanpa ada solusi.

Setelah proses yang panjang itu, di hari ketiga anggota majelis melakukan voting akhir. Hasilnya, Majelis secara resmi menolak Baby untuk menjadi Islam.

Wajah Kyai Fikri tampak mendung. Dia minta ijin menyampaikan kata-kata terakhir sebelum sidang majelis resmi dibubarkan.

“Bagaimanapun, saya berterimakasih untuk proses yang sudah melibatkan kerja keras dari semua peserta majelis. Saya benci membuat Baby kecewa, tapi saya akan kembali ke kampung dan mengatakan kepadanya, Baby, siapapun bisa menjadi islam dengan bersaksi bahwa ‚Tiada Tuhan kecuali Allah dan Muhammad adalah Rasulullah‘,” mata Kyai Fikri tampak berkaca-kaca. “Tidak ada yang bisa menghentikan siapapun menjadi Islam, meskipun orang Islam sendiri menolaknya. Itu yang akan saya katakan pada Baby.”

Ruangan senyap, dan sebagian peserta ikut terharu, memikirkan Baby yang akan kecewa karena mengalami penolakan di pengujung hidupnya. Bagaimanapun, keputusan sudah diambil, mereka bersalam-salaman dan berpamitan, saling mengucapkan maaf dan terimakasih untuk proses persidangan yang dilakukan selama tiga hari.

Ketika beranjak keluar ruangan, salah seorang peserta sidang menggamit lengan Kyai Fikri dan berbisik di telinganya.

“Kyai, saya boleh ikut ke kampung?” pintanya sambil tersipu. “Karena Baby sudah masuk Islam, saya ingin ikut mencicipi dagingnya.”

Sumber: Feby Indirani: Bukan Perawan Maria; Paperback, Pabrikultur, 2017

© Feby Indirani

Feby Indirani: Baby will Muslima werden

Die Ratssitzung war sogleich in eine ausgelassene Stimmung geraten, als Kyai Fikris Anliegen vorgebracht worden war, nämlich dass ein Schwein namens Baby zum Islam konvertieren wolle. Aus mehreren Ecken des Raumes hörte man Astaghfirullah-Rufe, bevor eine Vielzahl von Händen gleichzeitig emporschnellte, um die Gelegenheit zu erhalten, sich dazu zu äußern. Andere Besucher der Sitzung hielten das nicht für nötig und redeten gleich drauflos. Der Leiter der Sitzung war mit diesem Ansturm überfordert und ordnete schließlich eine Pause von 30 Minuten an.

Dann beschloss der Rat, Kyai Fikri als den Urheber dieser Kontroverse zur nächsten Sitzung zu laden.

Doch Kyai Fikri entgegenzutreten war nicht so leicht, weil er ein bekannter, von vielen verehrter Kyai war. Er war nicht groß, schlank, schon fast mager. Aber sein Blick war scharf und klar. Er besaß eine starke Aura, die ihm die Bewunderung der Menschen eingetragen hatte. Sein Alter war von seinem Erscheinungsbild her schwer zu schätzen. Er wirkte reif, mit seinem kurzen, gepflegten Bart, gleichzeitig aber relativ jung durch sein agiles Auftreten.

Sprach er mit seiner tiefen Stimme einen Gruß, herrschte im ganzen Raum augenblicklich Stille.

„Baby hat ihren ernsthaften Willen gezeigt, sich zum Islam zu bekennen und ich gehöre zu den Menschen, die glauben, dass eine gute Anleitung wen auch immer verändern und berühren kann. Und wenn wir überzeugt sind, dass der Islam für Gerechtigkeit steht, sollten wir, denke ich, Baby eine Chance geben.”

„Entschuldigung Kyai”, sagte ein Besucher der Sitzung, „bedeutet das, dass Baby dann ihr verabscheuungswürdiges Verhalten ändern würde?”

„Verabscheuungswürdig aus unserer Perspektive, weil sie anders ist als wir. Baby wird weiterhin ein Schwein bleiben, gemäß sunnatullah, dem göttlichen Naturgesetz.”

Flüstern erfüllte den Raum. Ein junger Teilnehmer hob den Arm. Kyai, ich würde gern wissen, warum Sie sich so für Baby einsetzen, aber vorher wüsste ich auch noch gern, wie Sie überhaupt mit Baby in Kontakt gekommen sind. Ist es nicht ein verbotenes Tier?”

„Ich bin Tierzüchter, und unter anderem halte ich auch Schweine”, entgegnete Kyai Fikri ruhig. „Es ist verboten Schwein zu essen, aber nicht es zu züchten, nicht wahr?” Ein Gemurmel erhob sich. Der Kyai ist ein Ketzer, flüsterten sie.

„Entschuldigung Kyai, aber wozu?”

„Ich gebe sehr armen Leuten in einem Dorf zu Essen. Und andere Tiere sind zu teuer. Ein Schwein bekommt, wenn es einmal trächtig ist, bis zu 20 Ferkel. Es gehört zu den Tieren, die den meisten Nachwuchs hervorbringen. Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, Schweine zu halten.”

„Wie können Sie es ertragen, den Armen Schweinefleisch als Essen zu geben?”

„Die Menschen dort sind wirklich sehr arm und sie sind keine Muslime. Es wäre ein Luxus mit ihnen über Religion zu sprechen, ihre Religion ist vielleicht nur Essen und sauberes Wasser”. Der Blick des Kyais streifte die Versammlungsteilnehmer, die ihre Blicke unverwandt auf ihn gerichtet hatten.

„Ich übernachte oft in dem Dorf, verbringe Zeit mit den Menschen, schlafe in einer kleinen Musholla, nicht so weit vom Schweinestall entfernt. Ich bete und rezitiere den Koran dort wie überall, wo ich mich aufhalte. Als ich dann einmal hinaus ging, stand da ein weibliches Schwein, das mich immerzu ansah, als ob es auf mich gewartet hätte. Als ob es immer etwas sagen wollte. Dieses Schwein ist schon relativ alt, es ist 15 Jahre alt und kann keine Ferkel mehr bekommen. Da es sehr oft geschah, dass es auf mich zu warten schien, wenn ich aus der Musholla trat, als ob es mir etwas sagen wollte, habe ich ihm den Namen Baby gegeben und es schien zu verstehen, dass das der Name ist, den ich ihm gegeben habe.“

Er schwieg einen Moment und holte Luft. „Mit Allahs Erlaubnis konnte es seinen Wunsch äußern und ich habe seine Absicht verstanden. Es sagte, dass es gerne Muslima werden würde, für die verbleibenden Tage seines Lebens. Es weiß, dass es bald an der Reihe ist, geschlachtet zu werden und es wünscht, dass seine Bitte erfüllt wird”

Plötzlich geriet die Atmosphäre im Raum wieder in Aufruhr, weil so viele Menschen durcheinander sprachen, miteinander debattierten, sich empörten.

„Wie kann ein verehrter Kyai mit Baby seine Zeit verbringen?”

„Das werden wir nicht zulassen! Alles was mit Schweinen zu tun hat, ist haram. Die ganze Existenz des Schweins. Punkt.”

„Ist es unser Recht, jemanden davon abzuhalten, sich zum Islam zu bekennen? Ist der Islam nicht gütig gegenüber der Natur?”

„Hatte Baby denn bisher eine Religion? Warum möchte sie gerade jetzt Muslima werden?”

„Wenn ihr Baby verbietet dem Islam beizutreten, verhaltet ihr euch nicht gerecht. Und so ein Verhalten hassen Allah und auch der Prophet.”

„Aber wollen wir alle die gleiche Religion wie Baby haben? Das würde den Grad unserer Menschlichkeit herabsetzen.”

„Unser Körper und Baby ähneln sich sehr. Unsere DNA entscheidet sich nur zu 3 % von der der Schweine. Genau genommen sind wir ihnen näher als wir uns vorstellen.”

„Und soll sie dann dem Islam beitreten? Und Babys Merkwürdigkeiten kennen wir doch schon. Ihren schmutzigen und faulen Charakter. Weiterhin ihre unklare Stellung unter den Tieren, man kann das Schwein als wildes Tier bezeichnen, weil es Reißzähne hat und Fleisch frisst, andrerseits ähnelt es auch einem zahmen Tier, weil es Pflanzen und Blätter frisst ”

„Habt ihr das gehört? Es soll uns immer ähnlicher sein!”

Von überall hörte man erneut „Astaghfirullah“-Rufe. Niemand verstand mehr, was der andere sagte. Jeder war nur mit seiner eigenen Meinung beschäftigt. Der Sitzungsleiter setzte eine zweistündige Pause

an, um der Situation Herr zu werden. Die Teilnehmer bildeten sogleich Gruppen, die in ihrer Sichtweise zusammen passten. Alle Teilnehmer konkurrierten mit ihren Argumenten, wie man mit dem Problem Baby umgehen solle.

Die Sitzung begann wieder und die Mitglieder wurden gebeten abzustimmen, um zu einer Entscheidung zu gelangen. Die erste Gruppe, die am größten war, ungefähr 40 % der Teilnehmer waren klar gegen die Aufnahme Babys in den Islam. Für sie gab es da kein Abwägen und keinen Kompromiss.

Währenddessen waren ungefähr 35 % zwar prinzipiell nicht für die Aufnahme Babys, meinten aber, man müsste trotzdem noch Babys Sicht hören. Sie waren der Meinung, dass sich die Ratsversammlung politisch korrekt verhalten und das Prinzip der Gerechtigkeit befolgen müsste. Die folgende Gruppe unterstütze mit 23 % Kyai Fikri. Diese Gruppe war zwar relativ klein, aber ihre Stimmen hatten für gewöhnlich Einfluss auf die Mehrheit der Mitglieder wegen ihrer gesellschaftlichen Position und ihres von der Allgemeinheit geachteten sozialen Status. Unter ihnen gab es auch Leute, die nur zustimmten, weil sie Kyai Fikri und seine Einzigartigkeit bewunderten. Die übrigen Mitglieder enthielten sich der Stimme. Sie hatten an keinerlei Konfliktfragen Interesse.

Die Gruppen debattierten mit ihren Argumenten untereinander, doch es konnte noch keine Entscheidung getroffen werden, weil es keine Mehrheit gab. Schließlich musste die Sitzung wegen des fortgeschrittenen Abends unterbrochen werden, um sie am nächsten Tag fortzusetzen.

In dieser Zwischenzeit wurde die Gruppe der 35 % umworben. Die beiden anderen Lager versuchten sie von ihrer Position zu überzeugen. Die Gruppe der 40 % dachte, da sie ja nur noch wenige zusätzliche Stimmen benötigten, um die Mehrheit der Stimmen zu erreichen, dass es viel einfacher wäre, wenn die Gruppe der 35 % nicht so ethisch argumentieren würde. Warum betonten sie die Ethik so? Das Ergebnis war doch klar: nicht zuzustimmen. Aber die 35 %-Gruppe bestand aus Leuten, für die das Verfahren sehr wichtig war und die unbedingt wollten, dass der Rat in der Öffentlichkeit gut dastand.

Die 23 %-Gruppe hingegen hatte eine prinzipiell andere Handlungsweise. Sie ärgerte sich über die 35 %-Gruppe, die ihrer Meinung nach die Wirkung auf andere zu sehr in den Fokus stellte, unbedingt gelobt werden wollte und nicht konsistent war. Doch die 35 %-Gruppe stellte eine signifikante Menge dar und wollte ein gerechtes Verfahren anwenden, auch wenn es pure Kosmetik war. Die 23 %-Gruppe dachte, dass es schon ein großer Schritt nach vorn wäre, wenn sie wenigstens erreichen könnte, dass Baby zu einer Sitzung kommen durfte, verbunden mit der Möglichkeit, dass ihr Wunsch doch noch die Zustimmung des Rates erhielte – wie gering die Wahrscheinlichkeit auch sein mochte.

Die Debatte und die Verhandlungen waren sehr zäh, sogar nur über die Möglichkeit Baby zur nächsten Ratssitzung einzuladen. Denn für viele Teilnehmer wäre das die erste Interaktion ihres Lebens mit einem Schwein gewesen. Die Sitzung wurde ohne Ergebnis für 2 Tage unterbrochen.

Nach diesem langen Prozess schritten die Ratsmitglieder zur endgültigen Abstimmung. Das Ergebnis war, dass der Rat es offiziell ablehnte, dass Baby eine Muslima wurde.

Das Gesicht Kyai Fikris verdunkelte sich. Er bat um ein letztes Wort, bevor die Sitzung offiziell für beendet erklärt wurde.

„Unabhängig vom Ergebnis bedanke ich mich für den Prozess der Entscheidungsfindung, der harte Arbeit von allen Ratsmitgliedern verlangt hat. Ich hasse es Baby enttäuschen zu müssen, aber ich werde in das Dorf zurückkehren und ihr folgendes sagen: Jeder kann Moslem oder Muslima werden, indem er sagt: ‚Es gibt keinen wahren Gott außer Gott und Muhammad ist der Gesandte Gottes.‘“ Kyai Fikris Augen wurden feucht. „Es gibt nichts, was jemanden davon abhalten könnte, Moslem zu werden. Sogar Muslime können dies nicht verhindern. Das werde ich Baby sagen.”

Der Raum war ganz still geworden und einige Mitglieder waren bewegt, dachten an Baby, die durch ihre Ablehnung am Ende ihres Lebens enttäuscht worden war. Aber die Entscheidung war ja bereits getroffen und sie verabschiedeten sich voneinander, baten einander um Verzeihung und bedankten sich für den Prozess der dreitägigen Sitzung. Während die Menschen nach draußen strömten, nahm ein Ratsmitglied Kyai Fikris Arm und flüsterte ihm ins Ohr.

„Kyai, kann ich mit ins Dorf kommen?”, fragte er und wurde dabei rot. „Wenn Baby sich schon zum Islam bekannt hat, würde ich gern mitkommen und ihr Fleisch probieren.”

Übersetzt aus: Feby Indirani: Bukan Perawan Maria; Paperback, Pabrikultur, 2017

© Feby Indirani, Gudrun Ingratubun